Wirtschaft

Staat schaltet wegen Munitionswerk in Tarbes die Justiz ein

Die Forges de Tarbes stellen wichtige Bauteile für französische Artilleriemunition her. Finanzielle Schwierigkeiten und technische Mängel gefährden nun die Produktion.

Tarbes – 17.10.2026: Die französische Rüstungsbeschaffungsbehörde Direction générale de l'armement hat wegen der Geschäftsführung der Forges de Tarbes die Justiz eingeschaltet. Das Werk in den Hautes-Pyrénées fertigt geschmiedete Stahlkörper für 155-Millimeter-Granaten, wie sie unter anderem für Caesar-Artilleriesysteme benötigt werden. Damit nimmt der Standort eine Schlüsselstellung in der französischen Munitionsproduktion ein.

Dem Schritt gingen wachsende Sorgen über die wirtschaftliche Lage und den technischen Zustand des Werks voraus. Nach Berichten regionaler Medien erließ die Präfektur Auflagen für überwachungsbedürftige Druckanlagen. Das Unternehmen muss bis zum 31. Dezember 2026 nachweisen, dass die vorgeschriebenen Kontrollen erfolgt sind. Andernfalls könnten betroffene Anlagen stillgelegt werden.

Die Forges de Tarbes gehören seit 2021 zur Industriegruppe Europlasma. Beschäftigte und Gewerkschaften berichteten zuletzt von Unsicherheit über die Fortsetzung der Produktion und die pünktliche Zahlung der Löhne. Dem Eigentümer wird zudem vorgeworfen, erforderliche Investitionen in Maschinen und Betriebsmittel nicht ausreichend vorangetrieben zu haben. Europlasma weist die Kritik zurück und verweist auf schwankende staatliche Aufträge sowie auf Schwierigkeiten bei der Finanzierung des Standorts.

Die Lage ist für den Staat besonders heikel, weil es nach übereinstimmenden Medienberichten in Frankreich keinen zweiten Hersteller gibt, der diese geschmiedeten Hohlkörper für 155-Millimeter-Granaten in gleicher Form produziert. Die Bauteile durchlaufen anschließend weitere industrielle Verarbeitungsschritte, bevor daraus einsatzfähige Munition entsteht. Ein Ausfall des Werks würde daher eine ohnehin stark beanspruchte Lieferkette zusätzlich belasten.

Der Rüstungskonzern KNDS, Hersteller des Caesar-Systems, schloss mit den Forges de Tarbes einen mehrjährigen Liefervertrag für 2026 bis 2028. Die Vereinbarung sollte dem Werk verlässlichere Absatzmengen verschaffen. Medien berichteten von einem Rahmen über 60.000 bis 150.000 Granatenkörper. Ob der Standort diese Mengen unter den gegenwärtigen Bedingungen vollständig liefern kann, ist öffentlich nicht bestätigt.

Frankreich versucht seit dem russischen Angriff auf die Ukraine, seine Kapazitäten zur Herstellung von Artilleriemunition auszubauen. Das Verteidigungsministerium hatte bereits erklärt, die Produktion in Tarbes müsse wachsen, damit der Standort die Ausweitung der nationalen Munitionsfertigung nicht behindere. Die Schwierigkeiten des Werks berühren deshalb neben Arbeitsplätzen und Industriepolitik auch die militärische Lieferfähigkeit des Landes.

Mit der Übermittlung des Vorgangs an die Justiz erhöht der Staat nun den Druck auf den Betreiber. Welche strafrechtlichen Konsequenzen daraus folgen könnten, ist bislang offen. Unabhängig davon bleiben die technischen Auflagen bestehen: Bis Ende Dezember muss das Unternehmen die verlangten Prüfungen seiner Anlagen nachweisen.

Quellen

  • Franceinfo
  • Ministerium der Streitkräfte
  • RTL
  • Le Journal du Dimanche
  • La Nouvelle République des Pyrénées

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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