Frankreichs Immobilienbesitzer spüren auch für das Jahr 2024 wieder eine deutlich erhöhte Belastung: Die Grundsteuer ist erneut gestiegen – nicht mehr ganz so drastisch wie im Vorjahr, aber dennoch spürbar. Und diese Entwicklung ist längst kein Ausrutscher mehr. Sie reiht sich ein in eine Serie kontinuierlicher Erhöhungen, die das Verhältnis vieler Bürger zur lokalen Steuerpolitik ins Wanken bringt.
Die Zahlen sprechen für sich
Im Jahr 2024 kletterte die durchschnittliche Grundsteuer um 3,9 Prozent. Im Vergleich zu den heftigen 7,1 Prozent aus dem Vorjahr mag das moderat wirken – doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, wie massiv der Trend geworden ist. Die Einnahmen aus dieser Steuer erreichten nun 55,3 Milliarden Euro – satte zwei Milliarden mehr als 2023.
Diese Entwicklung ist größtenteils auf die automatische Anpassung der sogenannten „Bases locatives“ – der steuerlichen Mietwertgrundlagen – an die Inflation zurückzuführen. Für viele klingt das nach Buchhaltung – für Eigentümer aber heißt es schlicht: mehr zahlen.
Eigentümer zahlen drauf – mehr als Unternehmen
Privatpersonen trifft es besonders hart: Im Schnitt stieg ihre Grundsteuer um 5,7 Prozent. Zum Vergleich: Für Unternehmen lag der Anstieg bei 4,3 Prozent. Das liegt unter anderem daran, dass Wohnimmobilien in der Regel stärker besteuert werden als Geschäftslokale – eine Ungleichbehandlung, die bei vielen Betroffenen für Unmut sorgt.
Frankreich – ein Flickenteppich der Steuerpolitik
So einheitlich die Steuer klingt, so verschieden wird sie in der Praxis gehandhabt. Manche Kommunen haben ihre Sätze angehoben, andere nicht – einige sogar gesenkt.
Das Ergebnis? Eine erhebliche regionale Schieflage. In Mayotte etwa liegt die durchschnittliche Steuer bei 3.646 Euro – in der Seine-Saint-Denis bei fast demselben Wert. Wer aber in ländlicheren Regionen wie der Creuse oder der Vendée lebt, zahlt im Schnitt nur rund 1.036 bis 1.038 Euro. Ein Unterschied, der auch politisch Sprengstoff birgt.
Grenoble ist dafür das Paradebeispiel: 2023 hatte die Stadt die Steuer um satte 25 Prozent erhöht – ein Rekordwert, der viele Proteste nach sich zog.
Warum die Steuer steigt – und nicht wieder fällt
Die Ursache liegt auf der Hand: Mit dem schrittweisen Abschaffen der Wohnsteuer zwischen 2018 und 2023 ist den Kommunen ein gewaltiger Batzen Geld weggebrochen. Um das Loch zu stopfen, musste die Grundsteuer herhalten – sie wurde sozusagen zur neuen „Allzweckwaffe“ im lokalen Finanzhaushalt.
Zwischen 2013 und 2023 stieg sie im Landesdurchschnitt um fast 33 Prozent – weit mehr als die Inflation. Die Folge? Immer mehr Eigentümer, gerade ältere und einkommensschwächere, geraten unter Druck. Ein Eigenheim zu besitzen, ist längst kein finanzielles Ruhekissen mehr.
Steigt die Steuer 2025 weiter?
Für das laufende Jahr sieht es – auf dem Papier – etwas entspannter aus. Die steuerlichen Mietwerte sollen nur um 1,7 Prozent steigen. Das liegt an der nachlassenden Inflation. Aber Achtung: Das ist nur der eine Teil der Rechnung. Denn jede Kommune kann weiterhin eigenständig an der Steuerschraube drehen.
Die Konsequenz: Auch 2025 kann es zu unangenehmen Überraschungen kommen, abhängig vom Wohnort. Und damit wird auch die politische Diskussion nicht enden.
Gibt es Entlastungen?
Ja – aber sie greifen nur in bestimmten Fällen. Ältere Menschen, Geringverdiener, Menschen mit Behinderung oder Eigentümer, die energetisch sanieren, können unter Umständen von Steuererleichterungen profitieren. Wer sich angesprochen fühlt, sollte unbedingt bei seinem Finanzamt nachfragen. Denn viele dieser Regelungen sind nicht allgemein bekannt – und werden deshalb kaum genutzt.
Eine Reform ist längst überfällig
Die aktuelle Steuerpolitik wirft grundlegende Fragen auf. Warum tragen fast ausschließlich Eigentümer die Last – obwohl auch Mieter von lokalen Dienstleistungen profitieren? Warum sind die Unterschiede zwischen einzelnen Regionen derart gravierend? Und vor allem: Wie kann man verhindern, dass die Grundsteuer zur sozialen Sprengfalle wird?
Einige Bürgermeister fordern längst eine Neuverteilung – oder gar eine vollständige Neustrukturierung der lokalen Steuern. Bisher bleibt das politische Echo darauf jedoch verhalten. Und so müssen sich Eigentümer wohl auch in Zukunft auf steigende Belastungen einstellen – und auf die Hoffnung, dass irgendwann jemand den gordischen Knoten zerschlägt.
Von Daniel Ivers