Gesundheit

Studie zeigt übersehene Krebsrisiken am Arbeitsplatz

Forschungsprojekte in Vaucluse und Seine-Saint-Denis untersuchen, welche beruflichen Schadstoffbelastungen bei Krebserkrankungen eine Rolle spielen. Dazu rekonstruieren Fachleute die Arbeitsbiografien von Betroffenen.

Avignon – 30.09.2026: Nach einer Krebsdiagnose richtet sich die Suche nach möglichen Ursachen häufig auf Rauchen, Ernährung oder familiäre Vorbelastungen. Forschungsprojekte in Vaucluse und Seine-Saint-Denis untersuchen dagegen einen Bereich, der in der medizinischen Praxis leicht aus dem Blick gerät: frühere Arbeitsplätze. Dort können Beschäftigte krebserzeugenden Stoffen ausgesetzt gewesen sein, ohne dass dies in ihrer Krankenakte dokumentiert oder später als berufliches Risiko erkannt wurde.

Die Projekte Giscop 84 und Giscop 93 rekonstruieren deshalb gemeinsam mit Erkrankten deren gesamte berufliche Laufbahn. Erfasst werden Arbeitgeber, Tätigkeiten, Arbeitsabläufe und Schutzvorkehrungen. Entscheidend ist nicht allein die Erinnerung an eine bestimmte Chemikalie. Auch die Beschreibung eines Arbeitsplatzes kann Fachleuten Hinweise darauf geben, ob dort etwa Stäube, Lösungsmittel, Pestizide oder andere gefährliche Stoffe vorkamen. Gerade bei lange zurückliegenden Beschäftigungen fehlen Betroffenen häufig genaue Produktnamen oder Messwerte.

In Seine-Saint-Denis arbeitet das Giscop 93 seit 2002 mit Patientinnen und Patienten mehrerer Krankenhäuser. Die Untersuchung bezieht unter anderem Tumoren der Atem- und Harnwege, Kehlkopfkrebs sowie Leukämien ein. Nach Zustimmung der Betroffenen wird die jeweilige Arbeitsbiografie von Fachleuten verschiedener Disziplinen ausgewertet. An dieser Begutachtung sind unter anderem Arbeitsmediziner, Toxikologen und Fachleute für betriebliche Prävention beteiligt.

Das jüngere Giscop 84 im Département Vaucluse konzentriert sich vor allem auf Blutkrebserkrankungen. Das Projekt ist an ein Forschungsumfeld angebunden, zu dem das Centre Norbert Elias und der französische Forschungsverbund CNRS gehören. Seine Arbeit soll sichtbar machen, welche Belastungen sich über verschiedene Stationen eines Berufslebens angesammelt haben können. Eine einzelne Person kann dabei nacheinander oder gleichzeitig mehreren möglichen Gefahren ausgesetzt gewesen sein.

Die Rekonstruktion allein beweist noch nicht, dass eine bestimmte Belastung den Krebs verursacht hat. Sie schafft jedoch eine Grundlage für die medizinische Bewertung und kann Hinweise auf eine mögliche Anerkennung als Berufskrankheit liefern. Das französische Verfahren folgt festgelegten Voraussetzungen; nicht jede Erkrankung und nicht jede Exposition lässt sich ohne Weiteres einer bestehenden Berufskrankheitentabelle zuordnen. Für Erkrankte kann bereits die Beschaffung alter Arbeitsunterlagen schwierig sein.

Die Projekte verbinden daher Forschung mit praktischer Unterstützung. Ihre Fallanalysen dokumentieren, in welchen Branchen und Tätigkeiten mögliche Risiken auftreten und an welchen Stellen Anerkennungsverfahren scheitern. Das Giscop 93 verfügt dafür über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung; im Vaucluse wird derselbe Ansatz inzwischen auf Blutkrebserkrankungen angewandt.

Quellen

  • Franceinfo
  • Institut national du cancer
  • Giscop 93 – Université Sorbonne Paris Nord
  • Centre Norbert Elias – CNRS

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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