Seoul – 13.08.2026: Südkoreas Ausbau der Halbleiter- und KI-Industrie hat eine alte arbeitspolitische Auseinandersetzung neu entfacht. Die Regierung bereitet ein Sondergesetz vor, das Genehmigungen, Infrastruktur und Investitionen in großen Technologiezonen beschleunigen soll. Strittig ist, ob es auch Ausnahmen von der regulären Wochenarbeitszeit für hoch qualifiziertes Forschungs- und Entwicklungspersonal erleichtern soll.
Das geltende Arbeitsrecht begrenzt die Wochenarbeitszeit grundsätzlich auf 52 Stunden: 40 reguläre Stunden und höchstens zwölf Überstunden. Unter bestimmten Voraussetzungen sind bereits befristete Verlängerungen möglich, durch die bis zu 64 Stunden erreicht werden können. Unternehmen der Chipbranche wollen solche Instrumente für Forschungsteams in strategischen Industrien ausweiten und verlässlicher nutzbar machen.
Die Debatte begleitet die Strategie von Präsident Lee Jae Myung, Südkoreas industrielle Basis für den weltweiten Wettbewerb um künstliche Intelligenz zu stärken. Ende Juni stellte seine Regierung drei Großprojekte für Halbleiter, physische KI und KI-Rechenzentren vor. Samsung Electronics, SK hynix und weitere Konzerne sollen dafür erhebliche private Mittel mobilisieren. Der Staat verbindet das Programm mit neuen Produktionsstandorten und dem Ausbau von Strom-, Wasser- und Datennetzen.
Befürworter einer Lockerung verweisen auf die besonderen Abläufe der Chipentwicklung. Fehleranalysen, Produktanläufe und die Abstimmung mit Produktionslinien ließen sich in kritischen Phasen schwer in starre Wochenrhythmen einpassen. In einer Ende Juli veröffentlichten Unternehmensumfrage unter 468 Betrieben aus strategischen Hochtechnologiebereichen nannten 50,6 Prozent flexiblere Arbeitszeiten in Forschung und Entwicklung als vorrangige Regelungsfrage.
Gewerkschaften lehnen eine Sonderregelung ab. Sie warnen davor, industrielle Wettbewerbsfähigkeit durch eine dauerhafte Mehrbelastung von Ingenieuren zu erkaufen. Auch die Regierung verfolgt bislang keinen einheitlichen Kurs. Aus dem Präsidialamt hieß es zuletzt, der Erfolg der Großprojekte sei nicht unmittelbar an eine Ausnahme von der 52-Stunden-Grenze gebunden. Das Arbeitsministerium äußerte sich ebenfalls zurückhaltend.
Der Konflikt hat eine politische Vorgeschichte. Am 29. Januar 2026 verabschiedete das Parlament bereits ein Sondergesetz zur Stärkung der Halbleiterindustrie. Es erleichtert unter anderem die Ausweisung von Industrieclustern, staatliche Hilfen und den Ausbau der Infrastruktur. Die geplante Arbeitszeitausnahme für Forschungsmitarbeiter wurde jedoch nach parteipolitischen und arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen gestrichen.
Der neue Anlauf verbindet die Arbeitszeitfrage erneut mit einer umfassenden Standortpolitik. Seoul setzt auf schnellere Verfahren, eine stabilere Energieversorgung und zusätzliche Finanzierungsinstrumente, um bei besonders leistungsfähigen KI-Chips konkurrenzfähig zu bleiben. Ob die Regierung dafür die 52-Stunden-Grenze aufweicht, ist bislang ungeklärt; die umstrittene Ausnahme gehört noch nicht zum geltenden Halbleitergesetz.
Quellen
- Franceinfo
- Yonhap News Agency
- Korea.net
- Seoul Economic Daily
- Korean Government Policy Briefing
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).