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Aktuell · 29.06.2026 00:08

Syrien: Proteste und Prozesse gegen Assad-Vertraute nehmen zu

Ein Jahr und ein halbes nach dem Sturz des Assad-Regimes wächst in Syrien die öffentliche Unzufriedenheit. Tausende fordern eine beschleunigte Verfolgung der Verantwortlichen für die Verbrechen des ehemaligen Regimes.

Damaskus – 29.06.2026: In Syrien verstärkt sich die öffentliche Unzufriedenheit über die nur langsame juristische Aufarbeitung der Verbrechen unter dem ehemaligen Assad-Regime. Tausende Menschen gingen in mehreren Städten auf die Straßen, um eine zügigere Strafverfolgung der mutmaßlichen Verantwortlichen zu fordern. Die Proteste finden zeitgleich mit laufenden Gerichtsverfahren gegen frühere Regimevertreter innerhalb Syriens und im Ausland statt.

Am 1. Juni 2026 begann vor dem Wiener Landesgericht ein Prozess gegen zwei Ex-Beamte des gestürzten syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Khaled H., früher Leiter der Abteilung 335 des syrischen Geheimdienstes, und Abu R., ehemaliger Leiter der Kriminalpolizei in Raqqa, stehen wegen Folter und weiterer schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen an in Syrien inhaftierten Zivilisten vor Gericht.

In der syrischen Hauptstadt begann am 24. Juni 2026 vor dem Vierten Strafgericht in Damaskus der Prozess gegen Wassim al-Assad, einen Verwandten des früheren Präsidenten. Ihm werden vielfältige Verbrechen gegen die syrische Bevölkerung während der Assad-Herrschaft zur Last gelegt.

Diese Verfahren sind Teil einer Reihe von gerichtlichen Maßnahmen gegen Angehörige des ehemaligen Regimes. Bereits im April 2026 startete in Damaskus der erste öffentlich geführte Prozess gegen einen Ex-Sicherheitschef aus der Zeit Bashar al-Assads: Atef Nadschib, vormals Leiter der Abteilung für politische Sicherheit in Daraa, steht wegen Verbrechen gegen das syrische Volk vor Gericht.

Trotz dieser juristischen Schritte wächst der Druck der Bevölkerung auf die Behörden, die Verantwortlichen umfassender und schneller zur Rechenschaft zu ziehen. Dies zeigt sich nicht nur in den Straßenprotesten, sondern auch in Forderungen nach mehr Transparenz und unabhängiger Justiz.

Die internationale Gemeinschaft verfolgt die Entwicklungen aufmerksam. So verlängerte der Rat der Europäischen Union im Mai 2026 die bestehenden Beschränkungen gegen Personen und Organisationen aus dem Umfeld des ehemaligen Assad-Regimes um ein weiteres Jahr. Diese Maßnahmen sollen den Druck erhöhen und die Bedingungen für eine friedlichere Zukunft Syriens verbessern.

Die anhaltenden Proteste und Gerichtsverfahren verdeutlichen die tief verwurzelte Sehnsucht der syrischen Bevölkerung nach Gerechtigkeit und Aufarbeitung. Für viele ist die strafrechtliche Ahndung der Vergehen unter dem gestürzten Regime ein unverzichtbarer Schritt hin zu Versöhnung und Stabilität im Land.

Damit stehen Syrien vor großen Herausforderungen: Die Balance zwischen Rechtsprechung, politischem Wandel und gesellschaftlicher Einigung bleibt angespannt. Dennoch ist die aktuelle Entwicklung ein Zeichen dafür, dass der Wunsch nach Gerechtigkeit und Frieden in Syrien ungebrochen ist und weiterhin politisch und gesellschaftlich eine wichtige Rolle spielt.

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