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Taxis im Aufruhr: Frankreich teilweise im Ausnahmezustand

Seit dem 19. Mai hat sich Frankreich in eine gigantische Bühne des Protests verwandelt. Tausende Taxifahrer – empört, entschlossen, laut – legen das Land teilweise lahm. Grund dafür ist eine neue Regelung, die ausgerechnet jenen das Leben schwer macht, die für viele Menschen in ländlichen Regionen oft der einzige Zugang zu medizinischer Versorgung sind. Der…

Illustration Valeria Kodra

Seit dem 19. Mai hat sich Frankreich in eine gigantische Bühne des Protests verwandelt. Tausende Taxifahrer – empört, entschlossen, laut – legen das Land teilweise lahm. Grund dafür ist eine neue Regelung, die ausgerechnet jenen das Leben schwer macht, die für viele Menschen in ländlichen Regionen oft der einzige Zugang zu medizinischer Versorgung sind.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte

Der Staat plant eine drastische Änderung im Gesundheitssystem: Ein Pauschaltarif von 13 Euro soll künftig für sogenannte „Transporte sanitaires conventionnés“ gelten. Diese Fahrten, die meist Patiententransporte zu Ärzten oder Krankenhäusern beinhalten, wurden bislang mit durchschnittlich 26 Euro vergütet. Die Hälfte weniger – für viele Taxifahrer ein Todesurteil.

Man stelle sich das mal vor: Ein Betrieb in der Provinz, der auf diese Transporte angewiesen ist, sieht plötzlich seine Einnahmen um 30 bis 40 Prozent schrumpfen. Wer soll da noch überleben? Angéline, eine betroffene Fahrerin, bringt es auf den Punkt: „Wenn das Gesetz durchgeht, kann ich zusperren. Die neuen Kilometerpauschalen ruinieren mich.“ Und mit ihr viele andere.

Frankreich steht still – und das ist erst der Anfang

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Innerhalb von Tagen rollte eine Protestwelle durchs ganze Land. In Paris blockierten 1.000 Taxis die Zufahrten zu Roissy-Charles de Gaulle und Orly, zwei der wichtigsten Flughäfen des Landes. Auch in Marseille, Lyon, Toulouse und Strasbourg stauten sich die Fahrzeuge – ein Verkehrsalbtraum.

Doch die Bewegung ist mehr als ein Aufstand gegen niedrige Tarife. Sie ist ein Hilfeschrei eines Berufsstandes, der sich zunehmend von Politik und Gesellschaft übersehen fühlt. Besonders brisant: In Pau, der Heimatstadt von François Bayrou, gingen ebenfalls Hunderte auf die Straße – ein symbolisches Signal.

Wenn der Protest kippt

So emotional und berechtigt der Protest auch ist, in einigen Städten geriet die Situation aus dem Ruder. In Paris kam es zu 58 Festnahmen, in Marseille fuhr ein Auto in eine Gruppe von Demonstranten – zwei Verletzte. Gewalt ist keine Lösung, das weiß jeder. Doch wenn man lange genug übergangen wird, bricht irgendwann der Damm.

Erschwerend kommt hinzu: Die alte Wunde VTC (Uber & Co.) bricht wieder auf. Für die Taxis sind die App-Fahrer Sinnbild einer unfairen Konkurrenz. Dass der Staat nun mehr Kontrollen gegen Uber & Co. ankündigt, wirkt wie ein Tropfen auf dem heißen Stein – und kommt vielen zu spät.

Ein Hoffnungsschimmer in Sicht?

Samstag soll eine Gesprächsrunde im Verkehrsministerium stattfinden. Auf dem Tisch: die Forderung der Taxifahrer, die alte Vergütung beizubehalten oder zumindest eine regionale Staffelung einzuführen. Außerdem: ein unabhängiger Vermittler soll her, um echte Gespräche auf Augenhöhe zu ermöglichen.

Was, wenn auch dieses Treffen scheitert? Schon jetzt verursacht der Streik massive Einbußen – für die Wirtschaft, den Tourismus, ja selbst für den Flugverkehr. Die Behörden rufen zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel auf. Aber wie lange lässt sich ein Land auf diese Weise ruhigstellen?

Es geht um mehr als nur Geld

Diese Proteste sind kein bloßes Aufbäumen gegen einen neuen Tarif. Sie erzählen die Geschichte von Menschen, die jeden Tag im Dienst anderer stehen – und sich nun selbst vergessen fühlen. Der Streik ist Ausdruck einer tiefen Enttäuschung über politische Entscheidungen, die an der Lebensrealität vorbeigehen.

Und am Ende stellt sich die Frage: Ist unsere Gesellschaft noch bereit, jenen zuzuhören, die nicht laut lobbyieren, sondern leise schuften?

Von C. Hatty

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