Abonnenten

Telefon am Steuer: Frankreich zieht die Schrauben an

Wer in Frankreich während der Fahrt zum Handy greift, riskiert längst mehr als nur einen strengen Blick der Gendarmerie. Doch in der Charente-Maritime verschärft sich die Lage nun spürbar: Ab dem 1. Mai 2026 kann der Führerschein dort bereits beim Telefonieren oder Tippen auf dem Smartphone am Steuer sofort suspendiert werden. Damit reiht sich das…

Foto Alexandre Boucher

Wer in Frankreich während der Fahrt zum Handy greift, riskiert längst mehr als nur einen strengen Blick der Gendarmerie. Doch in der Charente-Maritime verschärft sich die Lage nun spürbar: Ab dem 1. Mai 2026 kann der Führerschein dort bereits beim Telefonieren oder Tippen auf dem Smartphone am Steuer sofort suspendiert werden.

Damit reiht sich das Département an vierter Stelle in eine neue französische Sicherheitsfront ein. Nach den Departements Landes, Lot-et-Garonne und Pas-de-Calais setzt nun auch diese Atlantikregion auf eine deutlich rigorosere Auslegung bestehender Verkehrsregeln. Was bislang vor allem als Bußgeldverstoß galt, entwickelt sich nun lokal zu einer unmittelbaren Bedrohung für die Fahrerlaubnis.

Die Präfektur begründet diesen Schritt mit alarmierenden Zahlen. Im Jahr 2025 spielte die Nutzung des Mobiltelefons am Steuer in 15 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle der Charente-Maritime eine Rolle. Sieben von insgesamt 45 Verkehrstoten – eine Bilanz, die politisch kaum ignorierbar erscheint.

National bleibt die Rechtslage zunächst unverändert: Wer ein Handy in der Hand hält, zahlt weiterhin 135 Euro und drei Punkte. Bereits seit 2020 droht bei zusätzlichem Fehlverhalten, etwa Missachtung anderer Verkehrsregeln, auch landesweit eine Führerscheinsuspension. Der entscheidende Unterschied liegt nun in der lokalen Praxis: In bestimmten Départements genügt allein die Handynutzung für den sofortigen Führerscheinentzug.

In der Charente-Maritime kann diese Suspendierung bis zu sechs Monate betragen. Hinzu kommt eine „contribution citoyenne“ von 200 Euro zugunsten von Opferhilfeorganisationen – ein Signal, das nicht nur bestrafen, sondern auch gesellschaftlich markieren soll.

Frankreich verfolgt damit ein bemerkenswertes Modell: Sicherheitsverschärfungen entstehen nicht zwingend zuerst in Paris, sondern in regionalen Verwaltungseinheiten. Präfekten testen härtere Maßnahmen vor Ort, quasi als politisches Versuchslabor. Funktioniert das Konzept öffentlichkeitswirksam, dürfte der Druck steigen, ähnliche Regeln landesweit einzführen.

Für Autofahrer heißt das vor allem eines: Der Griff zum Smartphone avanciert zunehmend vom alltäglichen Leichtsinn zur existenziellen Gefahr für die Mobilität. Oder, salopp gesagt – schon ein kurzer Blick aufs Display kann plötzlich verdammt teuer werden.

Autor: C.H.

Ende des Artikels