Borgo Mezzanone – 13.08.2026: Zwischen Feldern, Lagerhallen und einer ehemaligen Aufnahmeeinrichtung bei Foggia leben während der Erntesaison Tausende Migranten in improvisierten Unterkünften. Ein am 12. August veröffentlichter Bericht von Franceinfo richtet den Blick auf die Tomatenernte in Apulien und auf Menschen, deren Arbeit am Anfang europäischer Lieferketten für Konserven, Passata und Saucen steht.
Im Umfeld von Borgo Mezzanone, einer kleinen Ortschaft in der Provinz Foggia, ist über Jahre eine informelle Siedlung entstanden. Ihre Größe schwankt mit den Erntezeiten. Beobachter sprechen in der Hochsaison von mehreren Tausend Bewohnern. Viele Hütten bestehen aus Brettern, Planen und Blech. Der Zugang zu Strom, sauberem Wasser, sanitären Anlagen und medizinischer Versorgung bleibt Berichten von Hilfsorganisationen zufolge unzureichend.
Franceinfo schildert niedrige Tageslöhne, lange Arbeitstage und eine starke Abhängigkeit von Vermittlern. Betroffene berichten von Drohungen und körperlicher Gewalt. Diese Vorwürfe lassen sich nicht pauschal auf sämtliche landwirtschaftlichen Betriebe übertragen. Sie entsprechen jedoch einem seit Langem dokumentierten System, das in Italien als caporalato bezeichnet wird: die strafbare Vermittlung von Arbeitskräften unter ausbeuterischen Bedingungen.
Die italienische Justiz hat in der Provinz Foggia wiederholt gegen mutmaßliche Vermittler und Unternehmer ermittelt. Im September 2023 wurden dort vier Personen wegen des Verdachts auf illegale Arbeitsvermittlung und Ausbeutung festgenommen, darunter drei landwirtschaftliche Unternehmer. Solche Verfahren richten sich gegen konkrete Beschuldigte und begründen keinen Generalverdacht gegen die gesamte Branche. Sie belegen aber, dass das Problem seit Jahren auch die Strafverfolgungsbehörden beschäftigt.
Besonders gefährdet sind Menschen ohne festen Wohnsitz, gesicherten Aufenthaltsstatus, eigenes Verkehrsmittel oder ausreichende Sprachkenntnisse. Wer täglich einen Transport zu abgelegenen Feldern benötigt, kann leicht in die Abhängigkeit informeller Vermittler geraten. Italienische Arbeits- und Innenbehörden verfolgen daher Programme gegen Schwarzarbeit und Ausbeutung in der Landwirtschaft.
Kontrollen allein reichen kaum aus. Nötig sind legale Arbeitsvermittlung, verlässliche Transporte, menschenwürdige Unterkünfte und unabhängige Beratung. Das Projekt Spartacus teilte im Juni 2026 mit, binnen eines Jahres 180 Menschen von Kalabrien bis in die Gegend von Foggia in reguläre Beschäftigungsverhältnisse vermittelt zu haben. Gemessen am Bedarf bleibt die Reichweite solcher Angebote begrenzt.
Für Verbraucher sind diese Verhältnisse in der Regel unsichtbar. Die Tomaten aus der Ebene von Foggia werden verarbeitet und gelangen als Konserven, Passata oder Saucen in zahlreiche europäische Länder. Am Anfang dieser Lieferkette stehen Erntehelfer, deren Lohn, Unterkunft und Zugang zum Recht den Preis der Ware mitbestimmen.
Quellen
- Franceinfo
- Italienisches Ministerium für Arbeit und Sozialpolitik
- ANSA
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).