Aktuell · 06.07.2026 11:25
Tomkin lässt die Natur elektronisch sprechen
In Nantes verwandelt der Musiker Thomas Cochini, bekannt als Tomkin, Feldaufnahmen aus Wäldern, Parks und Flussufern in elektronische Kompositionen. Seine Arbeit zwischen Forschung und Konzert verwebt Stadtgeräusche, Vogelstimmen und pflanzliche Klänge zu intimen Klanglandschaften.
Nantes – 06.07.2026: In Nantes hat Thomas Cochini, der unter dem Künstlernamen Tomkin auftritt, aus den Geräuschen von Park, Fluss und Pflanzen ein eigenes musikalisches Vokabular entwickelt. Mit Mikrofonparabolas, Hydrofonen und Langzeit-Recordings fängt er das Biophonische und das Rauschen der Stadt ein. Aus diesen Rohstoffen baut er elektroakustische Stücke, die zugleich dokumentarisch und kompositorisch wirken.
Seine Praxis sitzt an jener Grenze zwischen Feldforschung und Pop: Cochini bewegt sich mit wissenschaftlicher Neugier in Feuchtwiesen und botanischen Gärten, doch die Endprodukte sind am Konzertort ebenso zu Hause wie in Installationen. Bekannt wurde er unter anderem durch Arbeiten für den Jardin des Plantes und künstlerische Residenzen in Beaulieu, wo er naturnahe Klangpfade erstellte, die Zuhörerinnen und Zuhörer auf langsame Hörwanderungen führen.
Technik dient hier nicht zur Manipulation, sondern zur Übersetzung. Das eingesetzte Equipment – von Kontaktmikrofonen bis zur 24-Stunden-Aufzeichnung – filtriert und verdichtet Schwingungen; Grillen, Blattläufe und Wasserströme werden zu rhythmischen oder texturalen Elementen. Cochini betont, dass er weniger ein Imitat der Natur anstrebe als eine neue, musikalisch durchdachte Lesart ihrer akustischen Präsenz.
Kulturell fügt sich dieses Schaffen in eine längere Tradition: Von der Bioakustik über die musique concrète bis zu heutiger Sound Art reicht die Linie, in der ökologische Motive und Ästhetik zusammenfinden. In Nantes, einer Stadt mit lebendiger elektronischer Szene, findet Tomkins Arbeit Resonanz bei Festivals und in kommunalen Kulturprogrammen, die experimentelle und naturbezogene Projekte fördern. Die Ergebnisse werden häufig in Ausstellungs- oder Vermittlungsformaten präsentiert, wodurch sich Publikum und Praxis begegnen.
Zugleich stellt das Vorgehen praktische Fragen – nach Urheberschaft, nach Eingriffen in sensible Biotope und nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Kunst. Cochini arbeitet mit lokalen Akteurinnen und Akteuren zusammen und betont die Bedeutung respektvoller Methoden: Mikrofonstandorte werden so gewählt, dass Lebensräume nicht gestört werden; Aufnahmen entstehen oft in definierten Zeitfenstern, um Brut- und Ruhephasen zu schonen.
Das Resultat sind Klangstücke, die nicht nur hören, sondern zum genauen Zuhören auffordern: Musik, die nicht von der Natur erzählt, sondern mit ihr in Dialog tritt. Für Konzertbesucherinnen, Spaziergänger und eine wachsende Community der Field-Recording-Szene bedeutet Tomkins Arbeit eine Verschiebung der Wahrnehmung: Der städtische Alltag erklingt als vielstimmiges Geflecht, aus dem sich poetische, mitunter tanzbare Arrangements lösen – leise, präzise und nachdrücklich.
Quellen
- franceinfo (Artikelhinweis vom Nutzer)
- Website Thomas Cochini (offizielle Künstlerseite)
- Metropole Nantes (Stadtinformationen)
- Patrimonia Nantes (Residenzankündigung)