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Tornado verwüstet Dorf in Südfrankreich: 41 Verletzte und Hunderte beschädigte Häuser

Binnen weniger Minuten verwandelte sich ein schweres Sommergewitter in eine unglaubliche Naturgewalt: Ein heftiger Tornado hat am Montagabend das südfranzösische Dorf Pomas getroffen, Dutzende Menschen verletzt und rund 300 Häuser beschädigt. Das Ereignis zeigt zugleich, dass Tornados in Frankreich zwar selten ins öffentliche Bewusstsein dringen – meteorologisch betrachtet aber keineswegs außergewöhnlich sind. Pomas liegt im…

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Binnen weniger Minuten verwandelte sich ein schweres Sommergewitter in eine unglaubliche Naturgewalt: Ein heftiger Tornado hat am Montagabend das südfranzösische Dorf Pomas getroffen, Dutzende Menschen verletzt und rund 300 Häuser beschädigt. Das Ereignis zeigt zugleich, dass Tornados in Frankreich zwar selten ins öffentliche Bewusstsein dringen – meteorologisch betrachtet aber keineswegs außergewöhnlich sind.

Pomas liegt im Département Aude zwischen Carcassonne und Limoux und zählt rund 1.000 Einwohner. Gegen 17.20 Uhr am 24. August 2026 zog der Wirbelsturm durch die Gemeinde. Was blieb, waren abgedeckte Dächer, eingestürzte Mauern, entwurzelte Bäume und Straßen voller Trümmer.

Am Abend fiel die Bilanz entsprechend schwer aus: 41 Menschen mussten medizinisch versorgt werden, 15 von ihnen kamen ins Krankenhaus. Vermisste wurden in der Nacht zunächst nicht gemeldet.

Für manche Bewohner änderte sich das Leben buchstäblich innerhalb weniger Augenblicke. Häuser, die eben noch Schutz boten, waren plötzlich unbewohnbar. Besonders eindrücklich ist der Fall einer schwangeren Frau, die beim Einsturz einer Hauswand verletzt wurde. Nach Angaben der Gendarmerie soll ausgerechnet ihr Sofa einen Teil der Trümmer abgefangen und sie dadurch geschützt haben.

Zwei Notunterkünfte in Pomas und Limoux nahmen Menschen auf, die nicht in ihre Häuser zurückkehren konnten.

Eine Superzelle als Auslöser

Der Tornado selbst dauerte offenbar nur kurze Zeit. Seine Wirkung jedoch war enorm. Aufnahmen aus benachbarten Gemeinden zeigen einen deutlich ausgeprägten rotierenden Luftwirbel unter einer mächtigen Gewitterwolke. Erste meteorologische Einschätzungen deuten auf eine sogenannte Superzelle hin.

Dabei handelt es sich um ein besonders organisiertes und langlebiges Gewitter mit einem rotierenden Aufwindbereich. Solche Systeme bringen mitunter großen Hagel, extreme Windböen und Tornados hervor. Das südfranzösische Mittelmeergebiet bietet vor allem in der warmen Jahreszeit Bedingungen, unter denen feuchte, warme Luft auf deutlich kühlere Luftmassen treffen kann. Kommen starke Windscherungen hinzu, steigt das Risiko heftiger Gewitter.

Tornados in Frankreich sind deshalb kein meteorologisches Kuriosum. Sie treten deutlich seltener auf als etwa in den klassischen Tornadoregionen der Vereinigten Staaten, doch Frankreich erlebt regelmäßig kleinere und gelegentlich auch schwere Wirbelstürme.

Hagelkörner von fünf Zentimetern

Pomas traf es zudem nicht isoliert. Der Tornado entstand während einer größeren Unwetterlage im Süden Frankreichs. Das Département Aude stand unter orangefarbener Unwetterwarnung. In der Region wurden örtlich Hagelkörner mit einem Durchmesser von rund fünf Zentimetern beobachtet.

Am Abend waren etwa 2.800 Haushalte in mehreren Gemeinden des Départements ohne Strom. Auch die Spanien-Rundfahrt Vuelta bekam die Gewalt der Wetterlage zu spüren: Eine Etappe musste nach einem heftigen Hagelsturm in den Pyrénées-Orientales vorzeitig beendet werden.

Kurz gesagt: Da war ordentlich Wumms in der Atmosphäre.

War es ein Tornado der Stärke EF3 oder EF4?

Bei der Einstufung des Tornados ist Zurückhaltung geboten. In sozialen Netzwerken kursierten rasch Vermutungen über die Kategorien EF3 oder sogar EF4. Eine solche Bewertung war zunächst jedoch nicht offiziell bestätigt.

Die Stärke eines Tornados lässt sich nicht allein anhand spektakulärer Videos bestimmen. Fachleute untersuchen dazu Art und Ausmaß der Schäden vor Ort – etwa zerstörte Gebäude, abgerissene Dächer oder entwurzelte Bäume. Erst daraus lässt sich die ungefähre Windgeschwindigkeit und damit eine belastbare Einstufung ableiten.

Auch beim Klimawandel verbieten sich vorschnelle Schlüsse. Ein einzelner Tornado liefert keinen Beweis dafür, dass der Klimawandel unmittelbar seine Entstehung verursacht oder seine Stärke erhöht hat. Steigende Temperaturen verändern zwar die atmosphärischen Voraussetzungen für schwere Gewitter. Bei Tornados spielen jedoch zahlreiche Faktoren zusammen, darunter Feuchtigkeit, Instabilität und Windscherung. Langfristige Trends sind deshalb wesentlich schwieriger zu bestimmen als beispielsweise bei Hitzewellen.

Für Pomas bleibt ohnehin zunächst eine andere Realität: aufgerissene Häuser, verletzte Menschen und Familien, die nicht wissen, wann sie in ihre Wohnungen zurückkehren dürfen.

Ein Tornado braucht manchmal nur Minuten. Für ein Dorf können seine Spuren Jahre sichtbar bleiben.

Andreas M. Brucker

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