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Tragödie über dem Lac d’Annecy: Weltmeister Glenn Michelland stirbt bei Trainingsmanöver

Glenn Michelland liebte die Freiheit der Lüfte. Der 41-Jährige aus Lapte in der Haute-Loire war kein gewöhnlicher Hobbypilot. Er war Weltmeister im Paramotor-Endurance – erst 2024 holte er sich den Titel im britischen Manston. Am Samstag, den 28. Juni 2025, verlor er beim Training über dem Lac d’Annecy sein Leben. Es war ein klarer Frühsommertag…

Illustration Michael Kubler

Glenn Michelland liebte die Freiheit der Lüfte. Der 41-Jährige aus Lapte in der Haute-Loire war kein gewöhnlicher Hobbypilot. Er war Weltmeister im Paramotor-Endurance – erst 2024 holte er sich den Titel im britischen Manston. Am Samstag, den 28. Juni 2025, verlor er beim Training über dem Lac d’Annecy sein Leben. Es war ein klarer Frühsommertag in den Alpen, als Michelland gemeinsam mit anderen Piloten ein spezielles Training absolvierte: ein sogenanntes „SIV-Training“ – Simulation d’Incident en Vol. Ziel dieser Ausbildung ist es, gefährliche Situationen gezielt zu provozieren, um sie im Ernstfall routiniert meistern zu können.

Nach dem Start am Col de la Forclaz führte Michelland eine anspruchsvolle Technikmanöver-Übung durch. Dabei geriet er plötzlich in seine eigene Hauptkappe. Die Leinen verhedderten sich. Ein Szenario, das selbst erfahrenen Piloten den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Michelland versuchte noch, seinen Rettungsschirm auszulösen. Doch dieser öffnete sich nur teilweise. Der Weltmeister stürzte ungebremst aus 200 Metern Höhe in den Lac d’Annecy. Mitglieder des Vereins eilten sofort mit Booten zu ihm. Sie zogen ihn leblos aus dem Wasser. Er hatte bereits einen Herzstillstand. Trotz der schnellen Reanimationsversuche durch Feuerwehr und Rettungskräfte blieb jede Hilfe vergebens. Glenn Michelland wurde noch am Ufer für tot erklärt.

Sein Tod wirft Fragen auf. Wie sicher sind diese Trainings wirklich? SIV-Trainings gelten als essenziell, um Piloten für Extremsituationen zu rüsten. Denn wer in der Luft plötzlich in einen Spiralsturz gerät oder sein Gleitschirm kollabiert, muss ohne Panik reagieren können. Doch jedes dieser Manöver birgt ein Risiko. Die Piloten bewegen sich dabei an den Grenzen der Physik – und manchmal darüber hinaus. Ein kleiner Fehler, eine unvorhersehbare Verwirbelung oder ein technisches Problem, und die Situation kippt von der Übung in die Katastrophe.

Michelland galt als Koryphäe in seinem Sport. Er liebte die Herausforderungen des freien Flugs, kombinierte sie mit höchster Professionalität und war bekannt für sein penibles Sicherheitsbewusstsein. Sein Tod zeigt: Selbst für die Besten bleibt ein Restrisiko. Vielleicht liegt gerade darin die bittere Wahrheit über den freien Flug: Absolute Sicherheit gibt es nicht.

Doch was können Vereine und Trainer tun, um solche Tragödien künftig zu verhindern? Fluglehrer betonen die Bedeutung des korrekten Packens und Wartens der Rettungsschirme. Auch die mentale Vorbereitung spielt eine Rolle – Panik kann im entscheidenden Moment jeden Handgriff lähmen. Manche fordern inzwischen strengere standardisierte Überprüfungen der Ausrüstungen vor jedem Trainingstag. Andere setzen auf noch detailliertere Briefings und realistische Risikoaufklärung, um gerade erfahrene Piloten vor möglicher Routineblindheit zu schützen. Denn wer glaubt, er beherrsche alles, ist am verletzlichsten.

In der Paragliding-Community herrscht derzeit Trauer. Doch auch ein klarer Appell hallt durch die Szene: Mehr Prävention, mehr Übung, mehr Fokus auf das, was wirklich zählt – nach der Leidenschaft für die Lüfte: wieder sicher zu landen. Glenn Michelland wird als Ausnahmeathlet in Erinnerung bleiben. Und als Mahnung dafür, wie nah Freiheit und Gefahr manchmal beieinanderliegen.

Autor: Daniel Ivers