Es ist ein Déjà-vu, das keiner will – schon gar nicht zur Hochsaison der Geflügelproduktion: In der beschaulichen Gemeinde Vergt in der Dordogne müssen rund 24.000 Enten notgeschlachtet werden. Grund: Ein bestätigter Fall von aviärer Influenza, besser bekannt als Vogelgrippe. Die Behörden handeln schnell und rigoros – zum Schutz der gesamten Branche, aber auch mit einer bitteren Konsequenz für die betroffenen Landwirte.
Ein Schlag für die Region – und für einen Bauern ganz besonders
Patrick Aublant, Geflügelzüchter in Vergt, steht vor einem Trümmerhaufen. Wieder einmal. Schon 2022 hatte er seine Tiere dem Virus opfern müssen, jetzt trifft es ihn erneut. Trotz zweifacher Impfung seines Bestands hat sich das Virus in seinem Betrieb breitgemacht. Aublant klingt gefasst, doch seine Worte sprechen Bände: „Ich halte mich tapfer – aber es ist eine Katastrophe.“ Und weiter: „Es ist einfach nur entmutigend.“
Tausende Tiere, die noch bis vor Kurzem in den Mastställen schnatterten, werden am Nachmittag des 14. November getötet. Die Maßnahme erfolgt unter Aufsicht der Veterinärdienste, der Bauer wird entschädigt. Der wirtschaftliche Schaden, die psychische Belastung, das jahrelange Engagement – das lässt sich jedoch mit keinem Geld der Welt aufwiegen.
Erster bestätigter Fall in einem Zuchtbetrieb – doch keine Überraschung
Zwar ist dies der erste Fall von Vogelgrippe in einem landwirtschaftlichen Betrieb der Dordogne im laufenden Jahr – doch völlig überraschend kommt die Nachricht nicht. Schon zuvor waren einzelne infizierte Wildvögel in der Region gemeldet worden. Und in den vergangenen Jahren hat sich gezeigt: Zwischen einem Fund in der Natur und einem Ausbruch im Stall vergeht oft nicht viel Zeit.
Die Behörden greifen hart durch. Noch am Tag des Ausbruchs verhängt die Präfektur umfangreiche Schutzmaßnahmen. Drei Gemeinden – Vergt, Saint-Mayme-de-Péreyrol und Saint-Amand-de-Vergt – stehen nun unter besonderer Beobachtung. Innerhalb dieser „Schutzzone“ ist jeglicher Transport von Geflügel verboten. Auch das Ein- oder Ausführen von Bruteiern ist untersagt. Alle Tiere müssen in geschlossenen Ställen oder unter Netzen gehalten werden. Vogelmärkte und Ausstellungen? Ebenfalls untersagt.
Ausnahmezustand in 19 weiteren Gemeinden
Die Vorsichtsmaßnahmen enden aber nicht an den Grenzen der betroffenen Höfe. In einem größeren Radius – der sogenannten „Überwachungszone“ – gelten in 19 weiteren Gemeinden strenge Einschränkungen. Hier sind Tierbewegungen nur mit Ausnahmegenehmigungen erlaubt, die Haltungsbedingungen unterliegen einer engmaschigen Kontrolle. Tägliche Gesundheitschecks, verpflichtende Tests, Isolation der Bestände – all das ist jetzt Pflicht.
Auch Gemeinden wie Chalagnac, Douville, Fouleix, Saint-Martin-des-Combes, Veyrines-de-Vergt, Salon oder Saint-Michel-de-Villadeix sind von diesen Maßnahmen betroffen. Für die betroffenen Betriebe bedeutet das: Bürokratie, Mehraufwand, Unsicherheit – und vor allem: die Angst vor dem nächsten Ausbruch.
Wie sicher ist das Weihnachtsgeflügel?
Angesichts der bevorstehenden Festtage stellt sich die Frage: Drohen Engpässe bei Weihnachtsente und -gans? Die Geflügelbranche versucht zu beruhigen. Der nationale Berufsverband versichert: Es werde genügend Geflügel geben, um den Bedarf in der Weihnachtssaison zu decken. Der aktuelle Fall sei ernst, aber noch kein Grund zur Panik.
Doch in der Branche macht sich Nervosität breit. Denn die Vogelgrippe ist kein einmaliges Ereignis mehr, sondern entwickelt sich zur Dauersorge. Sie trifft Landwirte, Konsumenten – und nicht zuletzt das Vertrauen in ein System, das sich durch immer neue Krisen manövrieren muss.
Impfung – Wundermittel oder trügerische Hoffnung?
Die Tatsache, dass Aublants Enten trotz Impfung erkrankten, wirft unangenehme Fragen auf. Wie effektiv sind die aktuellen Impfstoffe wirklich? Kann ein flächendeckender Schutz überhaupt gelingen, wenn das Virus sich in Wildvögeln festsetzt und immer wieder in die Ställe schleicht?
Die Diskussion um die Impfung wird wieder aufflammen – und sie wird kontrovers bleiben. Einerseits ist sie ein wichtiges Instrument zur Risikoreduzierung. Andererseits zeigt der aktuelle Fall, dass sie keinen absoluten Schutz bietet.
Fazit: Der Seuchenwinter hat begonnen
Die Dordogne steht nicht allein – ganz Frankreich bereitet sich auf einen erneut schwierigen Winter vor. Der Klimawandel, wandernde Wildvögel, intensive Tierhaltung: All diese Faktoren machen die Vogelgrippe zu einer Dauergefahr.
Und während die Enten von Vergt ihr trauriges Schicksal erleiden, bleibt eine unbequeme Frage im Raum: Wie oft noch?
Autor: Andreas M. Brucker