Trotz steigender Preise und anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten halten viele Französinnen und Franzosen auch 2025 an ihren Urlaubsplänen fest – wenn auch in veränderter Form. Kürzer, näher, günstiger: Der Wunsch nach Auszeit bleibt, aber die Wege dorthin passen sich den Realitäten an.
Urlaub – aber bitte kompakt
Laut einer neuen Umfrage geben die Franzosen im Schnitt 260 Euro mehr pro Person für ihre Ferien aus als im Vorjahr. Paradox? Nicht ganz. Die steigenden Kosten zwingen viele dazu, an der Länge der Ferien zu sparen, nicht an der Qualität. Lieber ein gutes Hotel für vier Nächte als zehn Tage Camping mit Bauchweh – so lautet sinngemäß die Devise.
Kurze Trips zwischen ein und vier Tagen boomen. Besonders beliebt sind sie während der Schulferien oder rund um Feiertage. Was früher als „verlängertes Wochenende“ galt, wird heute zum „Miniurlaub“ – pragmatisch und planbar.
Wo geht’s denn hin?
Trotz aller Sparmaßnahmen bleibt die Sehnsucht nach dem Besonderen. Metropolen wie Bangkok und Dubaï stehen weiterhin hoch im Kurs – vor allem im Winter. Sie bieten Exotik, Wärme und ein Hauch von Fernweh, den viele in Europa vermissen.
Aber auch günstigere Optionen wie Lissabon (Flüge ab 107 Euro) oder Marrakech (ab 195 Euro) stehen ganz oben auf den Wunschlisten. Der Reiz liegt in der perfekten Mischung aus Sonne, Kultur und kulinarischem Genuss – bei überschaubarem Budget.
Und dann sind da noch die französischen Überseegebiete: Fort-de-France, Pointe-à-Pitre oder Saint-Denis erleben eine Renaissance – nicht zuletzt dank sinkender Flugpreise (minus 15 bis 20 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren). Der Traum vom Paradies rückt wieder ein Stück näher.
Wer kann, der reist – und der Rest?
Der Haken an der Sache: Diese Reisefreude ist nicht allen vergönnt. Eine Familie mit zwei Kindern zahlt im Schnitt über 1.800 Euro für eine Woche Urlaub – ein Betrag, der für viele derzeit unerschwinglich ist. Immer mehr Menschen verbringen ihre Ferien notgedrungen zu Hause.
Auf La Réunion etwa geben 65 Prozent der Bewohner an, dieses Jahr nicht verreisen zu wollen – Inflation und steigende Preise lassen kaum Spielraum. Hier zeigt sich eine schmerzhafte soziale Spaltung: Während einige trotz Krise verreisen, ist für andere der Urlaub zum Luxus geworden.
Neue Wege, neue Tools
Doch Not macht erfinderisch. Immer mehr Reisende greifen zu Alternativen: Pauschalreisen, Haus- oder Wohnungstausch, Last-Minute-Angebote. Besonders online wird intensiv nach Schnäppchen und flexiblen Buchungsmöglichkeiten gesucht. Apps und Plattformen helfen, den Überblick zu behalten und Angebote zu vergleichen – oft mit echtem Mehrwert.
Gleichzeitig wächst das Interesse an nachhaltigem Tourismus. Weniger fliegen, mehr entdecken vor der eigenen Haustür – auch das ist ein Trend. Schließlich kann Erholung auch im Grünen hinter dem Haus oder in einem hübschen Dorf in der Provence stattfinden.
Der Urlaub als Seismograf der Gesellschaft
Die Ferien 2025 sind ein Spiegelbild der aktuellen Stimmung: vorsichtig optimistisch, kreativ im Umgang mit Einschränkungen und geprägt von einem neuen Pragmatismus. Es geht nicht mehr nur ums Wegfahren – sondern ums Durchatmen, ums Loslassen vom Alltag, um Qualität statt Quantität.
Die Franzosen halten am Urlaub fest – weil sie es brauchen. Und weil diese Momente der Auszeit oft mehr bedeuten als nur Erholung. Sie sind kleine Fenster der Freiheit – in einer Zeit, die eng geworden ist.
Catherine H.