In der kleinen Gemeinde Baillet-en-France im Département Val-d'Oise regt sich Widerstand gegen die Entscheidung, bis Ende Januar 100 unbegleitete Minderjährige aufzunehmen. Die Gemeindeverwaltung kritisiert, dass sie vorab nicht konsultiert wurde, und auch unter den rund 2.000 Einwohnern wächst die Unzufriedenheit.
„Für eine so kleine Gemeinde untragbar“
Die Entscheidung, die unbegleiteten Minderjährigen in einem Hotel der Gemeinde unterzubringen, wurde vom Département getroffen. Einige Einwohner und lokale Politiker halten diese Maßnahme für unverhältnismäßig. „Ich finde es untragbar, so etwas in einer so kleinen Gemeinde zu machen“, äußerte sich eine Anwohnerin kritisch.
Jérôme Ruget, Gemeinderat in Baillet-en-France, verdeutlicht das Problem mit Zahlen: „100 Minderjährige in Baillet entsprechen 5 % der Bevölkerung.“ Die Befürchtung, dass diese Situation die begrenzten Ressourcen der Gemeinde überfordern könnte, steht im Mittelpunkt der Kritik.
Gemeinde nicht einbezogen
Die Gemeindeverwaltung gibt an, von der Entscheidung des Départements überrascht worden zu sein. Weder wurden sie vorher konsultiert, noch gab es detaillierte Informationen darüber, wie die Betreuung und Integration der Minderjährigen gewährleistet werden sollen. Angesichts der Größe des Dorfes sei es schwierig, die nötige Infrastruktur bereitzustellen.
Département beschwichtigt
Das Département Val-d'Oise betont hingegen, dass alle notwendigen Maßnahmen getroffen wurden, um eine angemessene Unterbringung und Betreuung der Minderjährigen sicherzustellen. Eine Inspektion des vorgesehenen Hotels, in dem die Jugendlichen untergebracht werden sollen, ist in Kürze geplant.
Die Situation in Baillet-en-France wirft größere Fragen zur Verteilung von unbegleiteten Minderjährigen in Frankreich auf. Wie können kleine Gemeinden solche Herausforderungen bewältigen, ohne ihre Kapazitäten zu überschreiten? Die Diskussion dürfte in den kommenden Wochen an Schärfe gewinnen – sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene.