Aktuell · 02.07.2026 09:47
Vatikan exkommuniziert sechs Bischöfe der Piusbruderschaft – Rom spricht von schismatischem Akt
Der Heilige Stuhl hat am 2. Juli 2026 die Exkommunikation von sechs Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X bestätigt. Auslöser waren Weihen neuer Bischöfe ohne päpstliches Mandat, die der Vatikan als schismatischen Akt einstuft.
Rom – 02.07.2026: Der Heilige Stuhl hat am 2. Juli 2026 die Exkommunikation von sechs Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X (Fraternité Saint-Pie X, FSSPX) bekanntgegeben. Das Dikasterium für die Glaubenslehre teilte mit, die Weihe von vier neuen Bischöfen ohne Mandat des Papstes sei ein schismatischer Akt und ziehe nach kirchlichem Recht die Tatstrafe der Exkommunikation nach sich. Betroffen sind nach vatikanischen Angaben die als Hauptkonsekratoren aufgetretenen Bischöfe Alfonso de Galarreta und Bernard Fellay sowie die neu geweihten Geistlichen Pascal Schreiber, Michael Goldade, Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier.
Die Erklärung verweist auf wiederholte Hinweise Roms, die geplanten Weihen zu unterlassen, und auf Gespräche, die der Heilige Stuhl der Bruderschaft seit Monaten anbietet. Die Bruderschaft, 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre im schweizerischen Ecône gegründet, lehnt zentrale Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils ab und befindet sich seit Jahrzehnten in einem konflikthaften Verhältnis zur römisch-katholischen Kirche. Bereits 1988 hatte Rom nach unerlaubten Bischofsweihen Sanktionen verhängt; Teile davon wurden später gelockert, die kanonische Stellung der Gemeinschaft blieb jedoch ungeklärt.
Mit der jetzigen Entscheidung verbindet der Vatikan eine erneute Klarstellung: Exkommunikation treffe jene, die wissentlich und willentlich an der unerlaubten Weihehandlung mitwirkten. Zugleich betont Rom die grundsätzliche Gesprächsbereitschaft über offene lehrmäßige Fragen. Die Maßnahme betrifft unmittelbar die genannten Bischöfe; in der Mitteilung heißt es darüber hinaus, dass Personen, die in bestimmten Konstellationen formell Strukturen unterstützen, die sich kirchlicher Autorität entziehen, kirchenrechtliche Konsequenzen riskieren können. Konkrete Einzelfälle wurden nicht benannt.
Die FSSPX hatte die Weihen Anfang Juli trotz römischer Einwände vollzogen. Beobachter verorten den Schritt in einer Phase erhöhter Spannungen zwischen traditionalistischen Milieus und der Kirchenleitung. Praktische Folgen können sich etwa für die Ausübung von Weihevollmachten und die Anerkennung von Amtshandlungen ergeben, die nach katholischem Verständnis zwar gültig, aber unerlaubt sein können. Für die Seelsorge bedeutet dies vielerorts rechtliche und pastorale Abgrenzungen zwischen Angeboten der Bruderschaft und diözesanen Strukturen.
Reaktionen aus nationalen Bischofskonferenzen und von Vertretern der Bruderschaft lagen am Abend zunächst nicht umfassend vor. In Rom wird die Entscheidung als Versuch gewertet, kirchliche Einheit und Rechtsordnung zu wahren und zugleich den Rahmen für mögliche weitere Gespräche offen zu halten. Der Vatikan kündigte an, Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen und über nächste Schritte zu informieren.
Quellen
- Vatican News
- Associated Press
- Franceinfo