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Verhängnisvoller Unfall am Mont Blanc: Warum der „Couloir du Goûter“ seinem Namen wieder gerecht wurde

Ein Schritt daneben – und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Am Montag, dem 4. August 2025, verlor ein griechischer Alpinist in den Dreißigern sein Leben bei einem tragischen Unfall im Mont-Blanc-Massiv. Der Mann stürzte im berüchtigten Couloir du Goûter mehrere hundert Meter in die Tiefe – allein, ohne Seilsicherung, auf dem Abstieg. Es ist einer…

Illustrationsfoto Paul Cuad

Ein Schritt daneben – und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Am Montag, dem 4. August 2025, verlor ein griechischer Alpinist in den Dreißigern sein Leben bei einem tragischen Unfall im Mont-Blanc-Massiv. Der Mann stürzte im berüchtigten Couloir du Goûter mehrere hundert Meter in die Tiefe – allein, ohne Seilsicherung, auf dem Abstieg.

Es ist einer jener Fälle, bei denen sich die Bergwelt gnadenlos zeigt.

Gefunden wurde der Körper am späten Vormittag von den Rettern des Hochgebirgs-Gendarmeriezugs von Chamonix (PGHM). Der Mann, so heißt es, trug einen schweren Rucksack – möglicherweise zu schwer. Eine „technische Fehlentscheidung“ habe zum Absturz geführt, vermuten die Einsatzkräfte. Ein kleiner Fehler mit fataler Konsequenz.

Und wieder steht ein Name im Fokus, den Alpinisten auf der ganzen Welt mit Ehrfurcht – oder blankem Entsetzen – aussprechen: Couloir du Goûter.

Das „Todescouloir“ – eine tödliche Berühmtheit

Unterhalb des Goûter-Hüttenrefugiums, auf 3.835 Metern Höhe, verläuft dieser gefürchtete Couloir. Er ist die Schlüsselstelle der sogenannten Normalroute auf den Mont Blanc – paradox benannt, denn „normal“ ist hier gar nichts.

Der Couloir, berüchtigt für seine Steinschläge, besonders in den Sommermonaten, hat seit den 1990er Jahren über hundert Todesopfer gefordert. Die Kombination aus abschüssigem Gelände, instabilen Felsformationen und plötzlichen Naturereignissen macht diesen Abschnitt zu einem tödlichen Nadelöhr.

Ein falscher Tritt, ein Moment der Unachtsamkeit – und der Hang wird zur Todesfalle.

Wer sich hier hineinwagt, weiß um das Risiko. Und trotzdem zieht es jeden Sommer Hunderte, ja Tausende Alpinisten über diesen Pfad – oft in der Hoffnung, den „weißen Riesen“ auf der "sichersten" Route zu bezwingen.

Die Tücke des Vertrauten

Genau darin liegt das Problem. Die Route gilt als „klassisch“, als gut begehbar, touristisch sogar. Doch die Bezeichnung verharmlost die Realität. Der Mont Blanc ist kein Sonntagsausflug. Auch nicht für erfahrene Bergsteiger.

Die Kombination aus Übermüdung, Überladung, Hitze, Steinschlag und fehlender Seilsicherung kann verheerend sein – wie in diesem Fall. Wer alleine unterwegs ist, trägt das volle Risiko. Kein Sicherungspartner, keine Korrektur von außen, keine zweite Chance.

Warum aber gehen Menschen solche Wagnisse ein?
Vielleicht, weil sie den Berg bezwingen wollen – und sich selbst gleich mit.

Die Bergretter des PGHM warnen seit Jahren: Alleingänge ohne Seilsicherung sind ein Spiel mit dem Tod. Besonders in heiklen Passagen wie dem Goûter-Couloir. Auch gute Kondition, moderne Ausrüstung und Erfahrung reichen nicht immer aus, wenn sich der Berg gegen den Menschen stellt.

Erfahrene Alpinisten wissen: Respekt ist keine Schwäche – sondern Überlebensstrategie. Wer sich auf Tour begibt, muss Wetter, Ausrüstung, körperliche Verfassung und die Route selbst umfassend prüfen. Und zwar nicht nur in der Theorie.

„Nicht überschätzen – und nicht unterschätzen.“ Das ist kein Kalenderspruch, sondern ein Mantra für alle, die hoch hinaus wollen.

Die Schönheit, die tötet

Die Alpen sind eine Bühne großer Träume. Aber auch tragischer Dramen. Der Tod des griechischen Bergsteigers ist kein Einzelfall. Er reiht sich ein in eine lange Liste von Menschen, die der Faszination der Gipfel gefolgt – und nie zurückgekehrt sind.

Im Sommer 2025 ist die Zahl der tödlichen Bergunfälle im Mont-Blanc-Massiv erneut gestiegen. Trotz aller Warnungen. Trotz aller Medienberichte. Trotz modernster Ausrüstung.

Was bleibt, ist die Frage: Reicht die Mahnung aus? Oder braucht es neue Maßnahmen – Beschränkungen, Sperrungen, härtere Regeln?

Oder liegt die Verantwortung doch allein bei denen, die sich auf den Weg machen?

Eins steht fest: Der Berg verzeiht nicht. Er ist kein Gegner, aber auch kein Freund. Wer ihn betritt, muss das wissen – und akzeptieren. Denn oben, zwischen Himmel und Abgrund, gelten eigene Gesetze.

Autor: Daniel Ivers