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À la une · 19.05.2025 06:02

Verkehrschaos und Protest: Taxifahrer machen in Paris mobil – und das ist erst der Anfang

Am heutigen Montag, dem 19. Mai, droht Paris ein regelrechter Verkehrskollaps. Der Grund: Frankreichs Taxifahrer gehen auf die Barrikaden. Eine landesweite Streikwelle rollt an – inklusive einer „Opération escargot“, einer Protestaktion im Schneckentempo, bei...

Am heutigen Montag, dem 19. Mai, droht Paris ein regelrechter Verkehrskollaps. Der Grund: Frankreichs Taxifahrer gehen auf die Barrikaden. Eine landesweite Streikwelle rollt an – inklusive einer „Opération escargot“, einer Protestaktion im Schneckentempo, bei der Fahrzeuge absichtlich den Verkehr lahmlegen. Ausgangspunkt in Paris: der Boulevard Raspail, ab 7 Uhr morgens.

Doch worum geht es eigentlich? Warum wollen die Taxifahrer das Land zum Stillstand bringen?

Ein Tarifmodell sorgt für Zündstoff

Auslöser des Protests ist eine neue Regelung der französischen Krankenversicherung, die am 1. Oktober 2025 in Kraft treten soll. Sie betrifft den sogenannten „transport sanitaire“ – also die Beförderung kranker Menschen durch Taxis. Die Krankenversicherung (Assurance Maladie) möchte ein landesweit einheitliches Tarifmodell einführen. Die Fahrer sollen künftig pauschal 13 Euro pro Fahrt erhalten, dazu kommt ein Kilometerpreis, der sich je nach Departement unterscheidet. Für besondere Leistungen – etwa beim Transport von Menschen mit eingeschränkter Mobilität – soll es Zuschläge geben.

Was aus Sicht der Krankenversicherung nach einer klaren, geregelten Struktur klingt, sehen die betroffenen Fahrer als existenzielle Bedrohung.

„Ein Schlag ins Gesicht der Patientenversorgung“

Die Fédération Nationale du Taxi (FNDT), die größte Interessensvertretung der Taxifahrer, erhebt schwere Vorwürfe. Das neue Modell, so die FNDT, „verschärft die ohnehin angespannte Versorgungslage“ – gerade im ländlichen Raum. Man fürchtet nicht weniger als ein Auseinanderdriften der medizinischen Infrastruktur. Taxis, die bisher zuverlässig Patientinnen und Patienten zu Arztterminen oder Behandlungen brachten, könnten durch die neue Regelung wirtschaftlich unter Druck geraten. Die Folge? Weniger Angebote, mehr Engpässe – und letztlich schlechtere Versorgung.

Gleichzeitig wirft die FNDT der Krankenversicherung vor, den Sektor finanziell auszubluten. Man müsse die Last einer überforderten Bürokratie tragen, während staatliche Stellen sich aus der Verantwortung zögen.

Der zweite Zankapfel: VTC-Plattformen

Die Wut der Taxifahrer richtet sich aber nicht nur gegen die neue Vergütung im Krankentransport. Sie fühlen sich zunehmend vom Wettbewerb durch Anbieter wie Uber und Co. bedroht. Diese Anbieter, so der Vorwurf, würden sich nicht an geltende Regeln halten, steuerliche Schlupflöcher nutzen und den Anschein erwecken, ein gleichwertiger Dienst zu sein – obwohl ihnen viele rechtliche Verpflichtungen der Taxis erspart bleiben.

„Die Fahrer dieser Plattformen operieren am Rande oder sogar außerhalb des Gesetzes“, heißt es vonseiten der FNDT. Damit entstehe ein gefährlicher Wettbewerbsnachteil für traditionelle Taxiunternehmen, die ihre Leistungen im Rahmen klarer gesetzlicher Vorgaben erbringen.

Forderungen an die Politik – jetzt oder nie

Die FNDT fordert klare Konsequenzen: ein sofortiger Stopp der geplanten Vereinbarung mit der Krankenversicherung, die Rückkehr zur bisherigen Tarifgestaltung per Taxameter sowie die Einsetzung eines unabhängigen Mediators. Außerdem verlangt sie konkrete Maßnahmen, um die Regeln im Sektor für alle Anbieter konsequent durchzusetzen.

Die FNDT lässt offen, ob es bei einem eintägigen Protest bleibt. Man kündigt an, die Streikmaßnahmen je nach Verlauf der Gespräche mit den Behörden „anzupassen oder zu verlängern“. Heißt im Klartext: Die Blockade in Paris könnte nur der Anfang sein.

Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?

Für viele Menschen in Frankreich – besonders ältere oder mobilitätseingeschränkte – sind Taxis oft die einzige Möglichkeit, zu medizinischen Terminen zu gelangen. Der drohende Rückzug zahlreicher Unternehmen aus dem Krankentransport würde eine große Versorgungslücke reißen. Genau das versuchen die Fahrer mit ihrer Aktion zu verhindern.

Ist es gerechtfertigt, das ganze Land in Geiselhaft zu nehmen? Eine heikle Frage – doch in den Augen der Taxifahrer geht es um weit mehr als nur ein paar Euro mehr oder weniger pro Fahrt.

Sie kämpfen um ihre Zukunft – und um die Versorgung derer, die keine andere Wahl haben.

Von Andreas M. Brucker

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