Kultur

Verlag trennt sich von Thélyson Orélien wegen Einsatzes künstlicher Intelligenz

Der kanadische Verlag Éditions du Boréal sieht den Einsatz künstlicher Intelligenz bei Thélyson Oréliens Roman "C'était ça ou mourir" als erwiesen an. Er stoppt den Nachdruck und beendet die Zusammenarbeit mit dem Autor.

Montréal – 21.10.2026: Der kanadische Verlag Éditions du Boréal hat die Zusammenarbeit mit dem kanadisch-haitianischen Schriftsteller Thélyson Orélien beendet. Nach Erkenntnissen, die in den vergangenen Tagen bestätigt worden seien, habe Orélien beim Schreiben seines Romans "C'était ça ou mourir" künstliche Intelligenz eingesetzt, teilte das Haus am Mittwoch mit. Der Autor hatte dies zuvor mehrfach bestritten.

Boréal kündigte an, den Roman nicht nachzudrucken und keine weiteren Werke Oréliens zu veröffentlichen. Eine vollständige Dokumentation der Prüfung legte der Verlag nicht vor. Medienberichten zufolge fanden sich jedoch in Arbeitsdokumenten des Manuskripts technische Spuren, die auf den Einsatz entsprechender Werkzeuge hindeuten. Mit der Entscheidung endet eine seit Ende September laufende Untersuchung.

Der Roman erschien im März 2026 in Kanada und am 19. August beim französischen Verlag Grasset. Er entwickelte sich rasch zu einem der auffälligen Bücher der literarischen Herbstsaison. Erzählt wird die Geschichte eines haitianischen Historikers, der vor der Gewalt in Port-au-Prince nach Kanada flieht. Vor Bekanntwerden der Vorwürfe wurden in Frankreich binnen fünf Wochen rund 35.000 Exemplare verkauft.

Die Kontroverse begann am 21. September mit Anschuldigungen in sozialen Netzwerken. Orélien wies sie zunächst zurück. Am 13. Oktober räumte er ein, in früheren Texten Passagen anderer Autoren übernommen zu haben. Den Vorwurf, beim Schreiben des Romans künstliche Intelligenz verwendet zu haben, bestritt er weiterhin. Die Mitteilung seines ursprünglichen Verlags widerspricht dieser Darstellung nun ausdrücklich.

Die Académie Goncourt hatte "C'était ça ou mourir" bereits am 25. September aus ihrer ersten Auswahl für Frankreichs bedeutendsten Literaturpreis gestrichen. Sie begründete dies mit bekannt gewordenen Plagiaten und übereinstimmenden Analysen, denen zufolge der Roman mit hoher Wahrscheinlichkeit weitgehend mithilfe künstlicher Intelligenz entstanden sei. Philippe Claudel, Präsident der Académie Goncourt, reagierte gegenüber Franceinfo mit Bedauern auf die Mitteilung aus Kanada.

Der Vorgang berührt eine bislang ungeklärte Frage des Literaturbetriebs: Wie lässt sich der Einsatz maschineller Textwerkzeuge zuverlässig nachweisen? Programme zur Erkennung künstlich erzeugter Texte gelten allein nicht als belastbarer Beleg. Boréal erklärte deshalb, seine Entscheidung beruhe auf neuen Erkenntnissen über die Entstehung des Manuskripts und nicht lediglich auf stilistischen Untersuchungen des veröffentlichten Romans.

Für den Goncourt ist das Verfahren abgeschlossen; der Roman bleibt vom Wettbewerb ausgeschlossen. Mit der Trennung von Boréal verliert Orélien nun auch seine verlegerische Grundlage in Kanada. Eine Reaktion des französischen Verlags Grasset auf die neuen Feststellungen lag am Mittwochabend nicht vor.

Quellen

  • Éditions du Boréal
  • Franceinfo
  • Euronews
  • El País

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

Ende des Artikels