Paris – 29.09.2026: Der frühere französische Premierminister Dominique de Villepin hält eine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2027 weiter offen. Das politische Feld werde sich in den kommenden Monaten klären, sagte er am Dienstag. Für eine formelle Bewerbung um das höchste Staatsamt sei es noch zu früh. Zugleich bekräftigte der 72-Jährige, er wolle nicht hinnehmen, dass Frankreich 2027 dem Rassemblement National überlassen werde.
Die Äußerung fügt sich in eine Reihe öffentlicher Auftritte Villepins ein. Bereits am 17. September hatte er in einem Fernsehinterview politische Vorschläge vorgestellt, ohne seine Absichten abschließend zu erklären. Zwei Tage vor seiner jüngsten Wortmeldung warnte er in einem gemeinsamen Interview von RTL, Public Sénat, Ouest-France und M6 vor den Folgen eines Wahlsiegs von Marine Le Pen. Villepin schärft damit sein Profil als Gegner der extremen Rechten, vermeidet aber weiterhin die förmliche Rolle eines Kandidaten.
Der frühere Außenminister und Regierungschef unter Präsident Jacques Chirac bemüht sich seit Monaten um eine Position jenseits der bestehenden Parteiblöcke. Sein Leitmotiv ist die Sammlung eines möglichst breiten republikanischen Lagers. Dabei grenzt er sich sowohl vom Rassemblement National als auch von La France insoumise ab. Die zunehmende Polarisierung, so seine Diagnose, verenge den politischen Raum für gemäßigte Kräfte.
Seine Zurückhaltung dürfte auch praktische Gründe haben. Wer bei einer französischen Präsidentschaftswahl antreten will, benötigt die Unterstützung von mindestens 500 gewählten Mandatsträgern. Diese Patenschaften müssen aus mindestens 30 Départements oder überseeischen Gebieten kommen; höchstens ein Zehntel darf aus demselben Gebiet stammen. Villepin kann sich derzeit auf keine große Parlamentspartei stützen, die ihm dieses organisatorische Fundament sichern würde.
Inhaltlich setzt er Akzente, die über sein konservatives Regierungserbe hinausreichen. So sprach er sich für höhere Beiträge besonders Vermögender aus und brachte eine Rückkehr zur Vermögensteuer ins Gespräch. Bei der Rentenreform will er den Sozialpartnern mehr Verantwortung übertragen. Damit wirbt er auch um Wähler aus der politischen Mitte und der gemäßigten Linken.
Die Ausgangslage für 2027 ist offen. Präsident Emmanuel Macron darf nach zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Amtszeiten nicht erneut antreten. Im rechten, linken und zentralen Lager konkurrieren mehrere mögliche Bewerber um Einfluss. Zugleich verfügt der Rassemblement National seit der Senatswahl vom 27. September erstmals über genügend Mandate für eine eigene Fraktion im Senat. Villepin hat bislang keinen Termin genannt, an dem er über seine Kandidatur entscheiden will.
Quellen
- Franceinfo
- RTL
- TF1 Info
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).