Paris – 05.10.2026: Der frühere Premierminister Dominique de Villepin und der Abgeordnete François Ruffin haben sich am Montag in einer Pariser Brasserie mit Schülerinnen, Schülern und Vertretern von Jugendorganisationen getroffen. Vor dem dritten landesweiten Aktionstag am Dienstag, 6. Oktober, verlangten beide eine politische Antwort auf die Proteste. Besonders scharf kritisierten sie die Polizeieinsätze rund um Schulblockaden und Demonstrationen.
Ruffin erklärte nach dem Gespräch, trotz erheblicher politischer Unterschiede mit Villepin gebe es einen gemeinsamen Mindestkonsens: Der Staat müsse junge Menschen schützen, statt sie durch unverhältnismäßige Einsätze zu gefährden. Beide Politiker forderten mehr Geld für das Bildungswesen, die Sanierung maroder Schulgebäude und zusätzliches Personal. Ruffin sprach sich darüber hinaus für die Abschaffung der Hochschulplattform Parcoursup und eine stärkere Berücksichtigung beruflicher Gymnasien aus.
Die Schülerbewegung begann am 21. September und hat sich seither auf zahlreiche Schulbezirke ausgeweitet. Eltern- und Lehrerverbände verweisen auf Personalmangel, überfüllte Klassen, sanierungsbedürftige Gebäude und Probleme beim Übergang an die Hochschulen. Der Elternverband FCPE erklärte am Montag, die Forderungen der Jugendlichen deckten sich in wesentlichen Punkten mit den Anliegen vieler Elternvertretungen. Er rief zur Teilnahme an den Demonstrationen am Dienstag auf.
Inzwischen überlagert die Auseinandersetzung über das Vorgehen der Sicherheitskräfte die ursprünglichen Bildungsforderungen. Nach Angaben des Innenministeriums wurden allein am Montag 984 Menschen festgenommen; 65 Angehörige der Sicherheitskräfte erlitten Verletzungen. Le Monde berichtete unter Berufung auf das Justizministerium, seit Beginn der Bewegung seien mehr als 5000 Menschen in Polizeigewahrsam genommen worden, darunter 4400 Minderjährige. Die Zahlen beziehen sich auf das gesamte bisherige Protestgeschehen.
Mehrere Organisationen, darunter die Menschenrechtsliga, die Gewerkschaft CGT, der Studierendenverband FAGE, die FCPE und die Schülergewerkschaft Union syndicale lycéenne, fordern eine Deeskalation und direkte Gespräche mit den Jugendlichen. Amnesty International Frankreich mahnte die Behörden, das Recht auf friedliche Versammlung zu schützen. Die Organisation verwies auf Berichte über Tränengas, Schlagstöcke und Gummigeschosse sowie über mehrere schwere Verletzungen.
Auch Gerichte haben einzelne Sicherheitsmaßnahmen beanstandet. Das Verwaltungsgericht Grenoble setzte am Montag Versammlungsverbote vor sechs Gymnasien im Département Drôme aus. Die Anordnungen seien zu allgemein und unverhältnismäßig gewesen. Für Dienstag ist um 14 Uhr eine Kundgebung auf der Place de la République in Paris angekündigt. Dort sollen die Forderungen nach besseren Schulen und einem maßvollen Polizeieinsatz zusammengeführt werden.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- FCPE
- SNES-FSU
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).