Kultur

Virginie Despentes verteidigt Thélyson Orélien gegen künstliche Intelligenz-Vorwürfe

Virginie Despentes stellt sich hinter Thélyson Orélien, dessen Debütroman mit künstlicher Intelligenz verfasst worden sein soll. Der Autor weist den Vorwurf zurück; belastbare Belege dafür liegen bislang nicht vor.

Paris – 24.09.2026: Die Schriftstellerin und Regisseurin Virginie Despentes hat den Autor Thélyson Orélien gegen den Vorwurf verteidigt, seinen Debütroman mithilfe künstlicher Intelligenz geschrieben zu haben. In der Sendung "C ce soir" sagte sie am Abend des 23. September, Orélien müsse sich nicht rechtfertigen. Ihre Stellungnahme greift eine Kontroverse auf, die seit Beginn der Woche die französische Literaturszene beschäftigt.

Ausgelöst wurde die Debatte durch den anonymen Account "Balance ton Claude" auf der Plattform X. Dessen Betreiber hatten nach eigenen Angaben mehrere Auszüge aus Oréliens Roman "C'était ça ou mourir" mit dem Erkennungsprogramm Pangram untersucht. Die angezeigten Werte deuteten sie als Beleg dafür, dass das Buch vollständig von einer künstlichen Intelligenz erstellt worden sei. Ein solcher Test kann jedoch nicht nachweisen, wie ein literarischer Text tatsächlich entstanden ist.

Der 38-jährige kanadisch-haitianische Autor bestreitet die Anschuldigung. Gegenüber französischen Medien erklärte Orélien, er habe künstliche Intelligenz nie eingesetzt, um Texte zu produzieren. Zudem verwies er auf die lange Entstehungsgeschichte des Romans: Erste Fassungen des Manuskripts seien bereits 2019 entstanden. Seine von Wiederholungen und rhythmischen Passagen geprägte Schreibweise könne nach seiner Einschätzung die Ergebnisse des Programms beeinflusst haben.

Auch Franceinfo ließ Passagen des Romans durch Pangram prüfen und erhielt Werte, die auf einen KI-Anteil hindeuten sollten. Der Sender wies allerdings darauf hin, dass ein Detektor allein die Bedingungen der Textentstehung nicht belegen könne. Derartige Programme beurteilen statistische Auffälligkeiten und sprachliche Muster. Sie dokumentieren weder den Schreibprozess noch die verschiedenen Fassungen eines Manuskripts oder spätere Überarbeitungen durch Autor und Lektorat.

Besondere Aufmerksamkeit erhält der Streit, weil "C'était ça ou mourir" zu den viel beachteten Büchern der französischen Literatursaison 2026 zählt. Der Roman wurde mit dem Prix du Roman Fnac ausgezeichnet und in erste Auswahlrunden bedeutender Literaturpreise aufgenommen, darunter Goncourt, Femina, Médicis und Renaudot. Er erzählt von Jonas, einem haitianischen Lehrer, der seine von Gewalt und Unsicherheit geprägte Heimat verlässt und durch mehrere Länder des amerikanischen Kontinents reist.

Der Verlag Grasset sprach angesichts der Vorwürfe von einer gegen Orélien gerichteten Onlinekampagne. Despentes kritisierte vor allem die Erwartung, der Beschuldigte müsse öffentlich die Eigenständigkeit seiner Arbeit beweisen. Damit berührt der Streit eine Grundfrage des Literaturbetriebs: Wie lässt sich über den möglichen Einsatz künstlicher Intelligenz urteilen, solange technische Prüfprogramme lediglich Wahrscheinlichkeiten liefern? Bislang gibt es keinen belastbaren Beleg dafür, dass Oréliens Roman von einer künstlichen Intelligenz verfasst wurde.

Quellen

  • Franceinfo
  • Euronews
  • Le Parisien
  • RTL

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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