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Aktuell · 17.07.2026 16:31

Visa-Kurs gegenüber Algerien löst Streit bei RN und Republikanern aus

Frankreichs Botschafter in Algier strebt eine schrittweise Rückkehr zum Vorkrisenniveau bei Visa für algerische Staatsbürger an. Rechte Oppositionsparteien sehen darin ein falsches Signal in einer weiterhin belasteten bilateralen Beziehung.

Algier – 17.07.2026: Äußerungen des französischen Botschafters Stéphane Romatet über eine Ausweitung der Visaerteilung für algerische Staatsbürger haben in Frankreich scharfe Kritik von rechts ausgelöst. Romatet erklärte in einem am 15. Juli veröffentlichten Interview, Paris wolle die konsularischen Verfahren nach der langen diplomatischen Krise wieder leistungsfähiger machen und die Zahl der ausgestellten Visa schrittweise erhöhen.

Dabei handelt es sich nicht um die Ankündigung eines sofortigen politischen Beschlusses oder einer festen Quote. Der Botschafter beschrieb vielmehr ein Ziel: Frankreich habe vor der Krise jährlich ungefähr 250.000 Visa an algerische Staatsbürger vergeben. Wegen personeller Engpässe und eingeschränkter konsularischer Arbeitsfähigkeit sei dieses Niveau deutlich unterschritten worden. Nun sollten Termine und Bearbeitungskapazitäten wieder ausgebaut werden.

Romatet begründete diesen Kurs mit den engen menschlichen und wirtschaftlichen Verbindungen beider Länder. Geschäftsleute, Familienangehörige und weitere Reisende seien unmittelbar von Visaengpässen betroffen. Zugleich räumte er ein, dass auch Franzosen zuletzt häufiger Schwierigkeiten bei der Einreise nach Algerien gehabt hätten. Die Wiederherstellung funktionsfähiger konsularischer Dienste sei daher Teil des umfassenderen Versuchs, die bilateralen Beziehungen zu stabilisieren.

Der Vorsitzende der Republikaner, Bruno Retailleau, wertete die Aussagen hingegen als Zeichen einer zu nachgiebigen Algerienpolitik. Er kritisierte insbesondere, dass Romatet die Rückführung algerischer Staatsbürger ohne Aufenthaltsrecht in Frankreich, das nach seiner Darstellung unausgewogene Verhältnis beider Staaten und die Inhaftierung des französischen Journalisten Christophe Gleizes nicht stärker hervorgehoben habe.

Auch der LR-Europaabgeordnete François-Xavier Bellamy wandte sich gegen eine Normalisierung der Visapolitik ohne Fortschritte bei der Rückübernahme ausreisepflichtiger Algerier. Jordan Bardella, Vorsitzender des Rassemblement National, lehnte eine Rückkehr zu rund 250.000 Visa pro Jahr kategorisch ab. Er verwies auf fortbestehende Spannungen mit Algier sowie auf die Inhaftierung von Gleizes.

Die Kontroverse zeigt den innenpolitischen Konflikt über die Funktion von Visa in der Algerienpolitik. Für Romatet sind sie vor allem ein Instrument zur Wiederherstellung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Kontakte. Rechte Parteien verlangen dagegen, Visa stärker an die Zusammenarbeit Algeriens bei Migration und Rückführungen zu binden. Diese gegensätzlichen Ansätze erschweren die vorsichtige diplomatische Annäherung, die Paris und Algier seit der Rückkehr des Botschafters nach Algier im Mai verfolgen.

Neben den konsularischen Fragen bemühen sich beide Seiten um neue Kontakte in Sicherheits-, Justiz- und Wirtschaftsfragen. Romatet verwies auf Treffen französischer und algerischer Vertreter sowie auf die Wiederaufnahme einzelner Kooperationsformate. Die Visafrage bleibt dabei besonders symbolträchtig: Sie betrifft unmittelbar die große algerischstämmige Bevölkerung in Frankreich und verbindet außenpolitische Verhandlungen mit der französischen Migrationsdebatte.

Quellen

  • TSA Algérie, Interview mit Stéphane Romatet, 15.07.2026
  • TSA Algérie, Reaktionen von Bruno Retailleau, François-Xavier Bellamy und Jordan Bardella, 17.07.2026
  • Europe 1, Bericht zur politischen Kontroverse, 16.07.2026

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