Eine Kette aus 80 erloschenen Vulkanen, sattgrüne Hügel und ein Panorama, das jeden Naturfreund ins Staunen versetzt – die Chaîne des Puys im Herzen der französischen Auvergne ist ein Paradies für Wanderer. Kein Wunder, dass dieses geologische Wunder seit 2018 zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört. Hier treffen spektakuläre Landschaften auf jahrtausendealte Geschichte, kulinarische Spezialitäten auf traditionelles Handwerk. Wer sich auf eine Tour durch dieses Vulkanland begibt, erlebt Frankreich von einer ganz anderen Seite.
Einzigartige Vulkanlandschaft
Die Chaîne des Puys erstreckt sich über 45 Kilometer und zählt rund 80 Vulkane – manche mit sanften Kuppen, andere mit tiefen Kratern. Sie sind seit über 8.000 Jahren nicht mehr aktiv, doch ihre Präsenz ist überall spürbar. Der wohl bekannteste ist der Puy de Dôme, mit 1.465 Metern der höchste Gipfel der Kette. Seine perfekte Kegelform dominiert die Landschaft und bietet einen 360-Grad-Blick bis zu den Zentralalpen.
Eine Wanderung auf den Puy de Dôme gehört zu den absoluten Highlights der Region. Wer nicht zu Fuß hinaufsteigen will, kann mit der Panoramique des Dômes, einer Zahnradbahn, bequem den Gipfel erreichen. Oben angekommen, eröffnet sich ein unvergleichliches Panorama: Eine scheinbar endlose Kette aus grünen Hügeln und erloschenen Kratern – ein Bild, das fast unwirklich wirkt.
Wandern durch das Herz der Auvergne
Die Region bietet unzählige Wanderwege, die durch die vulkanische Landschaft führen. Eine besonders beliebte Route ist der Sentier des Puys, ein Rundwanderweg, der mehrere Vulkane miteinander verbindet. Ein typischer Aufstieg dauert zwei bis drei Stunden und führt durch Wälder, über Wiesen und entlang beeindruckender Krater.
Ein Wandererlebnis der besonderen Art ist die Tour auf den Puy de Pariou. Dieser Vulkan hat einen nahezu perfekten Krater, der mit seinem grünen Innenraum fast surreal wirkt. Kein Wunder, dass er oft als Fotomotiv für die Region genutzt wird. Ein schmaler Pfad führt entlang des Kraterrands – ein Ort, an dem man sich der Kraft der Natur ganz nah fühlt.
Und was wäre eine Wanderung ohne eine Belohnung? Nach einem knackigen Aufstieg folgt meist ein Moment, der für alle Anstrengungen entschädigt: der Blick über die weite Landschaft der Auvergne, die in sanften Wellen bis zum Horizont reicht.
Kulinarische Entdeckungen am Fuße der Vulkane
Die Auvergne ist nicht nur für ihre Naturschönheiten bekannt, sondern auch für ihre deftige Küche. Nach einer langen Wanderung schmecken die regionalen Spezialitäten umso besser. Eine echte Delikatesse ist die Fougnarde, eine Art Clafoutis, der mit Äpfeln oder Birnen gebacken wird. Dazu passen perfekt die berühmten Pâtes de Fruits, fruchtige Geleewürfel aus Quitten, Himbeeren oder Schwarzen Johannisbeeren.
Ein weiteres Muss für Feinschmecker ist der Blaue Käse der Auvergne, ein würziger Blauschimmelkäse, der hervorragend mit frischem Baguette und einem Glas Wein aus der Region harmoniert.
Vulkanstein als Kunst
Doch die Vulkane der Chaîne des Puys sind nicht nur eine Augenweide – sie liefern auch wertvolles Material für die Kunsthandwerker der Region. Ein besonderes Highlight ist der Besuch eines traditionellen Steinmetzateliers. Hier wird die schwarze Basaltlava der Vulkane in kunstvolle Skulpturen, Brunnen oder Fassadenverzierungen verwandelt. Die Handwerker kennen das Material seit Generationen und wissen, wie sie aus dem harten Gestein filigrane Kunstwerke schaffen.
Ein Abenteuer für alle Sinne
Die Chaîne des Puys ist mehr als eine Wanderregion – sie ist ein Ort, an dem man die Kraft der Erde spürt, die Geschichte der Vulkane erlebt und die Spezialitäten der Auvergne genießt. Ob auf dem Gipfel des Puy de Dôme, beim Probieren regionaler Leckerbissen oder beim Staunen über die Kunstfertigkeit der Steinmetze – hier gibt es viel zu entdecken.
Wer Frankreich abseits der klassischen Reiseziele erleben möchte, sollte sich dieses Naturspektakel nicht entgehen lassen. Also, Wanderschuhe schnüren und los geht’s – die schlafenden Riesen warten!
Ein Reisebericht von V.O.Yager