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Warum die Région PACA keine inklusive Sprache mehr fördert – und was das bedeutet

Ein Sternchen, ein Doppelpunkt, ein Binnen-I – und plötzlich geht es nicht mehr nur um Orthographie, sondern um Ideologie, Macht und Sichtbarkeit. Die Région PACA (Provence-Alpes-Côte d’Azur) hat beschlossen: Wer Fördergeld will, darf keine inklusive Sprache verwenden. Das hat Wellen geschlagen. Und das aus gutem Grund. Am 25. Juni 2025 wurde es offiziell: Künftig lehnt…

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Ein Sternchen, ein Doppelpunkt, ein Binnen-I – und plötzlich geht es nicht mehr nur um Orthographie, sondern um Ideologie, Macht und Sichtbarkeit.

Die Région PACA (Provence-Alpes-Côte d’Azur) hat beschlossen: Wer Fördergeld will, darf keine inklusive Sprache verwenden.

Das hat Wellen geschlagen. Und das aus gutem Grund.

Am 25. Juni 2025 wurde es offiziell: Künftig lehnt die südfranzösische Regionalverwaltung der Region PACA alle Förderanträge ab, in denen inklusive Sprache – also etwa Gender-Sternchen oder -Doppelpunkte – verwendet wird.

Verankert ist dieser Schritt im neuen Leitplan „Trajectoire Valeurs“, einer Art politischer Wertekompass der Region. Darin wird explizit festgehalten, dass sämtliche Dokumente, die der Verwaltung vorgelegt werden, frei von inklusiver Sprache sein müssen.

Und diese Regel gilt nicht nur für neue Anträge.

Erste Opfer: Kourtrajmé Marseille und Les Têtes de l’Art

Gleich zwei prominente Einrichtungen traf dieser Bann besonders hart:

Die Filmschule Kourtrajmé Marseille, gegründet vom französischen Regisseur Ladj Ly, verlor auf einen Schlag eine Subvention in Höhe von 70.000 Euro – wegen inklusiver Formulierungen in ihrer Kommunikation.

Auch die renommierte Kulturinitiative Les Têtes de l’Art fiel durch das Raster. Ihre Anträge wurden gar nicht erst zur Abstimmung in der Plenarsitzung zugelassen. Eine Intervention des rechtspopulistischen Rassemblement National in der zuständigen Kommission gab den Ausschlag.

Ein politischer Präzedenzfall?

Die betroffenen Organisationen reagieren empört.

Für sie ist die Entscheidung nicht nur ein bürokratisches Veto – sie werten sie als Angriff auf Meinungsfreiheit und als Versuch, die Sprache ideologisch zu kontrollieren. Inklusives Schreiben sei ein Werkzeug, um Gleichstellung sichtbar zu machen, so der Tenor. Ein Sprachrohr für Diversität.

„Wir lassen uns nicht mundtot machen“, heißt es von Seiten der Einrichtung Les Têtes de l’Art.

Und die Frage steht im Raum: Dürfen öffentliche Mittel an sprachliche Vorgaben geknüpft sein?

Was in Marseille entschieden wurde, ist allerdings Teil eines größeren Trends.

Schon im Oktober 2023 hatte der französische Senat eine Gesetzesvorlage gebilligt, die inklusive Sprache in Verwaltung, Arbeitsverträgen und Unternehmensregeln untersagen will. Die Regierung sprach von Klarheit und Verständlichkeit. Kritikerinnen und Kritiker von struktureller Diskriminierung.

Während Befürworter inklusiver Sprache diese als niedrigschwelliges Mittel gegen Unsichtbarkeit von Frauen und nicht-binären Personen sehen, kritisieren Gegner sie als sprachlich störend, künstlich oder gar ideologisch motiviert.

Sprache wird zum Politikum – und die Verwaltung zum Schiedsrichter.

Doch die Fronten sind nicht vollständig verhärtet.

Auf den öffentlichen Druck reagierte die Région PACA mit einem gewissen Entgegenkommen: Die Regelung soll nicht rückwirkend für externe Kommunikationsformate wie Websites oder Saisonprogramme gelten.

Das heißt: Einige abgelehnte Anträge könnten erneut eingereicht und doch noch genehmigt werden – sofern sie „korrekt“ formuliert sind.

Zudem will die Regionalregierung nun das Gespräch mit Berufsverbänden und Gewerkschaften suchen. Ein Hoffnungsschimmer?

Hinter der Debatte steht ein viel tiefer liegender Konflikt: Wem gehört die Sprache? Darf eine Behörde festlegen, wie Initiativen sprechen oder schreiben dürfen?

Oder untergräbt sie damit den kreativen und emanzipatorischen Freiraum jener, die von öffentlichen Geldern abhängig sind?

Sprache ist nicht neutral. Sie schafft Realität, verleiht Sichtbarkeit – oder entzieht sie. Gerade deshalb wird sie zum Kampfplatz. Und gerade deshalb lässt sich das Thema nicht einfach „administrativ lösen“.

Der Fall aus Südfrankreich wird Frankreichs Diskurs über Sprache, Macht und Gleichstellung weiter befeuern. Denn hier geht es nicht nur um Förderanträge. Sondern um die Frage: Wie viel Vielfalt hält unsere Sprache aus – und wie viel Normierung wollen wir ihr auferlegen?

Oder anders gefragt: Wo hört Verwaltung auf – und wo beginnt politische Zensur?

Autor: Andreas M. Brucker

Quellen:

https://www.ledauphine.com/politique/2025/06/25/la-region-sud-va-rejeter-les-dossiers-remplis-en-ecriture-inclusive?utm_source=chatgpt.com
https://lestetesdelart.fr/article/dossiers-de-subvention-annules-pour-cause-dutilisation-decriture-inclusive?utm_source=chatgpt.com
https://marsactu.fr/bref/le-conseil-regional-refuse-les-subventions-a-lecole-kourtrajme/?utm_source=chatgpt.com
https://www.millebabords.org/spip.php?article40872=&utm_source=chatgpt.com
https://fr.wikipedia.org/wiki/Controverse_autour_de_l%27%C3%A9criture_inclusive_en_France?utm_source=chatgpt.com

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