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Wenn Stahl auf Zeit trifft – ein außergewöhnlicher SNCF-Einsatz in der Normandie

Zwei Wochen Stillstand, siebzehn entgleiste Güterwaggons und eine Bahnstrecke, die sonst leise den Norden der Normandie mit dem Rest des Landes verbindet. Seit dem 11. Januar herrscht zwischen Cherbourg und Caen Ausnahmezustand auf der Schiene. Nahe Carentan, mitten im Département Manche, ist ein fast 600 Meter langer Güterzug entgleist – warum, weiß bislang niemand so…

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Zwei Wochen Stillstand, siebzehn entgleiste Güterwaggons und eine Bahnstrecke, die sonst leise den Norden der Normandie mit dem Rest des Landes verbindet. Seit dem 11. Januar herrscht zwischen Cherbourg und Caen Ausnahmezustand auf der Schiene. Nahe Carentan, mitten im Département Manche, ist ein fast 600 Meter langer Güterzug entgleist – warum, weiß bislang niemand so genau. Sicher ist nur eines: Was dort liegt, bewegt sich nicht von selbst.

Die SNCF spricht intern von einem „chantier hors normes“, einer Baustelle jenseits des Gewöhnlichen. Und wer die Bilder sieht, versteht sofort, was gemeint ist. Riesige Kräne, jeder einzelne in der Lage, bis zu 150 Tonnen zu heben, ragen über die beschädigten Gleise. Mehr als hundert Spezialisten arbeiten im Schichtbetrieb, millimetergenau, konzentriert, bei jedem Handgriff unter Hochspannung. Ein falscher Zug am Stahlseil – und der Schaden würde sich vervielfachen.

Siebzehn Waggons blockieren seitdem beide Gleise. Ihre Container, schwer, unhandlich, widerspenstig, lassen sich nur mit Geduld und Muskelkraft aus Stahl bewegen. Bislang ist etwa die Hälfte geborgen. Der Rest folgt Stück für Stück, als würde man ein gigantisches Puzzle rückwärts zusammensetzen.

Der Zeitdruck ist enorm. Pierre Sablier, territorialer Direktor von SNCF Réseau in der Normandie, hat ein klares Ziel vor Augen: Ab dem 14. Februar soll zumindest eine der beiden Strecken wieder befahrbar sein. Fünfzig Prozent des Verkehrs – mehr ist zunächst nicht drin, aber es wäre ein Anfang. Ein Aufatmen für Pendler, Studierende, Geschäftsreisende.

Denn aktuell fährt kein Zug mehr bis Cherbourg. Busse springen ein, improvisiert, umständlich, mit Fahrplänen, die nicht einmal in der offiziellen SNCF-App auftauchen. Stattdessen müssen Reisende auf regionale Ausweichseiten zurückgreifen. „C’est un peu la galère“, sagt ein junger Fahrgast – ein bisschen Chaos, freundlich formuliert. Andere weichen aufs Auto aus, organisieren Mitfahrgelegenheiten. Geht irgendwie, aber elegant sieht anders aus.

Währenddessen wächst im Hintergrund die Rechnung. Rund 500 Meter Gleis müssen komplett erneuert werden, dazu vier Masten der Oberleitung. Die Kosten: etwa zehn Millionen Euro. Ein stolzer Betrag, der zeigt, wie fragil selbst ein hochmodernes Schienennetz bleibt, wenn es an einer Stelle reißt.

Besonders hart trifft es auch den Güterverkehr. Im Hafen von Cherbourg stehen Container still, die sonst per Bahn weitertransportiert würden. Der kombinierte Verkehr, das Ferroutage-System, liegt auf Eis. Jede Woche gehen so Zehntausende Euro verloren – Geld, das niemand einfach abschreibt.

Noch wirkt die Baustelle wie ein Symbol des Stillstands. Doch zwischen Kränen, Schotter und verbogenem Stahl entsteht etwas anderes: die leise Rückkehr der Bewegung. Langsam, mühsam, aber entschlossen.

Von Daniel Ivers

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