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Wenn Tierschutz nur Tarnung ist: Der spektakuläre Prozess gegen Tierpark in den Pyrenäen

Ein malerischer Tierpark in den französischen Pyrenäen. Eine angeblich heile Welt, in der bedrohte Arten geschützt, gepflegt und für kommende Generationen erhalten werden sollen. Doch hinter den Kulissen brodelt ein Skandal, der selbst hartgesottene Tierschützer erschüttert. Der Parc animalier des Pyrénées in Argelès-Gazost steht im Zentrum eines der größten Gerichtsverfahren wegen illegalen Wildtierhandels in Frankreich.…

Rossignols du Japon (Wikipedia)

Ein malerischer Tierpark in den französischen Pyrenäen. Eine angeblich heile Welt, in der bedrohte Arten geschützt, gepflegt und für kommende Generationen erhalten werden sollen. Doch hinter den Kulissen brodelt ein Skandal, der selbst hartgesottene Tierschützer erschüttert.

Der Parc animalier des Pyrénées in Argelès-Gazost steht im Zentrum eines der größten Gerichtsverfahren wegen illegalen Wildtierhandels in Frankreich. Es geht um weit mehr als ein paar gestohlene Vögel.

Es geht um systematischen Betrug, Habgier – und die Frage: Wie weit darf man im Namen des Artenschutzes gehen?

Alles begann im Jahr 2015.

Ein anonymer Hinweis erreichte das Gericht von Cahors. Was zunächst wie ein Einzelfall wirkte, entpuppte sich rasch als Netzwerk von Vogelliebhabern, Züchtern und kommerziellen Interessenten, das über Jahre hinweg geschützte Wildvögel aus dem Südwesten Frankreichs illegal einfing, verkaufte und sogar ins Ausland schmuggelte.

Die Liste der betroffenen Arten liest sich wie ein ornithologisches Best-of: Rossignols du Japon, Verdiers, Chardonnerets – sogar exotische Toucans wechselten die Besitzer, oft unter der Hand und für hohe Summen.

Die Spur führte von abgelegenen Wäldern in Ariège und den Hautes-Pyrénées bis zu Wohnzimmern in Belgien und Volieren in den Niederlanden.

Der Tierpark als Schaltzentrale?

Besonders brisant: Unter den 13 Angeklagten befindet sich nicht nur eine illustre Mischung aus Händlern und Hobbyzüchtern – auch der Tierpark selbst und sein Gründer Serge Mounard sitzen auf der Anklagebank.

Dem Park wird zur Last gelegt, illegal gefangene Vögel als Nachzuchten ausgegeben zu haben. Eier, die aus der Natur stammten, sollen im Zoo ausgebrütet, Küken mit Chips verstorbener Tiere „legalisiert“ worden sein.

Ein raffinierter Etikettenschwindel – mit womöglich tödlichen Folgen für ohnehin bedrohte Arten.

Mounard, einst gefeierter Visionär im Naturschutz, hat bereits eingeräumt, in bestimmten Fällen so gehandelt zu haben. Seine Rechtfertigung: Die hohe Sterblichkeit bei legal gezüchteten Vögeln hätte diese Maßnahmen „notwendig“ gemacht.

Doch darf ein edles Ziel fragwürdige Mittel rechtfertigen?

Der Aufschrei unter Tierschutzorganisationen ist groß.

Die Liga für Vogelschutz (LPO), France Nature Environnement und andere namhafte Verbände haben sich dem Prozess als Nebenkläger angeschlossen. Ihr Vorwurf: Ein florierender Schwarzmarkt wurde unter dem Deckmantel des Naturschutzes betrieben – mit wissenschaftlichem Anstrich, aber krimineller Energie.

Dass eine Institution, die eigentlich für Erhalt und Aufklärung steht, im Zentrum eines derartigen Skandals steht, wiegt besonders schwer.

Für viele ein Vertrauensbruch, der weit über die Grenzen des kleinen Pyrenäen-Städtchens hinausreicht.

Der Prozess, der am 19. Juni 2025 eröffnet wurde, könnte juristische Maßstäbe setzen. Denn er rührt an ein Grundproblem:

Wer kontrolliert die Kontrolleure?

Zoologische Einrichtungen genießen in Frankreich – wie in vielen Ländern – einen gewissen Vertrauensvorschuss. Sie gelten als Bewahrer der Biodiversität, als Lernorte für Kinder, als letzte Bastionen für bedrohte Arten.

Doch wie engmaschig sind die staatlichen Aufsichtsmechanismen wirklich? Wie leicht lässt sich mit ein paar gefälschten Papieren ein Wildvogel in einen „legalen Zuchtvogel“ verwandeln?

Die Antworten auf diese Fragen könnten weitreichende Konsequenzen für die Zukunft von Zoos und Tierparks haben.

Der Parc animalier des Pyrénées wurde 1999 gegründet und beherbergt heute rund 600 Tiere aus über 100 Arten auf einem 14 Hektar großen Areal. Er galt als Vorzeigeprojekt – nicht zuletzt wegen seiner 2012 gegründeten „Fondation Pyrénées Conservation“.

Eine Stiftung, die sich dem Schutz regionaler Arten verschrieben hat – und jetzt selbst in den Fokus strafrechtlicher Ermittlungen gerät.

Was bleibt, ist ein Gefühl von Ernüchterung.

Ein Ort, der Hoffnung schenken sollte, steht nun sinnbildlich für ein System, das mit Idealismus wirbt, aber nicht vor kriminellen Handlungen zurückschreckt.

Noch ist das Urteil nicht gesprochen.

Doch schon jetzt zeigt sich: Der Fall könnte zum Präzedenzfall werden – nicht nur für Frankreich, sondern für ganz Europa. Denn der illegale Handel mit Wildtieren boomt weltweit. Und oft sind es eben nicht nur dubiose Hinterhofhändler – sondern auch vermeintlich vertrauenswürdige Institutionen, die mitmischen.

Vielleicht ist es an der Zeit, auch das Tierwohl in Tierparks neu zu denken.

Und sich zu fragen: Was ist ein Lebewesen wirklich wert – wenn sogar seine "Rettung" zur Ware wird?

Autor: C.H.

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