Fouju – 10.10.2026: In Fouju in der Seine-et-Marne wächst der Widerstand gegen einen geplanten Campus für Rechenzentren. Anwohner und Umweltverbände befürchten den dauerhaften Verlust landwirtschaftlicher Flächen sowie Belastungen durch Bauverkehr, Stromleitungen und technische Anlagen. Ein aktueller Bericht von France 2 hat dem Konflikt neue Aufmerksamkeit verschafft. Die Umweltgenehmigung für das Vorhaben wurde bereits im Juli erteilt.
Nach Unterlagen der Nationalen Kommission für öffentliche Debatte sollen auf rund 70 Hektar bislang bewirtschafteter Fläche etwa zwölf Rechenzentren entstehen. Geplant sind außerdem ein Ausbildungs- und Technikgebäude sowie ein eigener Stromanschluss. Der Standort liegt nordöstlich von Melun nahe der Autobahn A5 und unmittelbar an Hochspannungsleitungen. Diese Anbindung war für die Projektgesellschaft Campus IA ein wesentliches Auswahlkriterium.
In einer ersten Ausbaustufe sind drei Gebäude mit einer vorläufigen Anschlussleistung von 700 Megawatt vorgesehen. Die Inbetriebnahme wurde in den Projektunterlagen für 2028 angekündigt. Später könnten neun weitere Rechenzentren und ein Umspannwerk mit einer Leistung von bis zu 1.400 Megawatt hinzukommen. Die erste Stufe soll laut Planung ohne wasserbasierte Kühlung auskommen. Der erhebliche Strombedarf bleibt dennoch ein zentraler Streitpunkt.
Die Gegner bezweifeln, dass der örtliche Nutzen den Flächenverbrauch und die Folgen für die Infrastruktur aufwiegt. In der öffentlichen Beteiligung wurden auch Lärm, Lastwagenverkehr, Brandrisiken, Veränderungen des Landschaftsbildes und die mögliche Nutzung der Abwärme erörtert. In der Umgebung sind weitere Großprojekte geplant, darunter eine Haftanstalt in Crisenoy. Anwohner fürchten deshalb zusätzliche Verkehrsbelastungen und eine fortschreitende Versiegelung von Böden.
Campus IA beschreibt das Vorhaben dagegen als Beitrag zu französischen und europäischen Rechenkapazitäten für künstliche Intelligenz. An dem Projekt sind den Unterlagen zufolge der Investitionsfonds MGX, die staatliche Investitionsbank Bpifrance, Mistral AI und Nvidia beteiligt. Die Projektseite stellt bis zu 500 direkte und mehr als 1.000 indirekte Arbeitsplätze in Aussicht. Dabei handelt es sich um Prognosen, nicht um bereits geschaffene Stellen.
Die öffentliche Untersuchung lief vom 30. April bis zum 30. Mai 2026. Am 29. Juli erteilte der Präfekt der Seine-et-Marne der Projektgesellschaft und dem Stromnetzbetreiber RTE die Umweltgenehmigung. Damit verfügt das Vorhaben über eine wichtige rechtliche Grundlage, der politische und örtliche Konflikt ist jedoch nicht beendet.
Fouju hat nur wenige hundert Einwohner. Wegen der geplanten Größe reicht die Bedeutung des Projekts weit über die Gemeinde hinaus: Hier treffen der Ausbau digitaler Infrastruktur, Frankreichs Anspruch auf technologische Eigenständigkeit und der Schutz landwirtschaftlicher Flächen unmittelbar aufeinander. Die genehmigte Planung sieht weiterhin die Nutzung von rund 70 Hektar Ackerland vor.
Quellen
- Franceinfo
- Präfektur Seine-et-Marne
- Nationale Kommission für öffentliche Debatte
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).