Alle Artikel · 12.06.2025 06:19
Wie Nizza mit der „Location mixte“ gegen Wohnungsnot und Airbnb-Chaos kämpft
Nizza – die Perle an der Côte d’Azur, bekannt für ihre interessante Altstadt, das azurblaue Meer und die Promenade des Anglais. Doch unter der mediterranen Postkartenidylle schwelt ein ernstes Problem: Wohnraummangel. Besonders Studierende spüren...
Nizza – die Perle an der Côte d’Azur, bekannt für ihre interessante Altstadt, das azurblaue Meer und die Promenade des Anglais. Doch unter der mediterranen Postkartenidylle schwelt ein ernstes Problem: Wohnraummangel. Besonders Studierende spüren die Enge – günstige Mietwohnungen sind rar, die Konkurrenz groß. Die Stadt hat nun eine kreative Lösung im Angebot: das Modell der „Location mixte“.
Ein innovativer Mix – aber mit Tücken
Was steckt dahinter? Eigentümer vermieten ihre Wohnung während des Studienjahrs an Studierende, im Sommer dürfen sie sie an Touristen vermieten – ganz legal und ohne bürokratischen Hickhack. Klingt fair. Klingt modern. Doch funktioniert das wirklich?
Die Regeln sind klar abgesteckt. Zwischen September und Juni ziehen junge Leute ein – allerdings nur, wenn sie Bezieher von Wohnbeihilfe (CAF) sind und mindestens fünf bis sechs Monate bleiben. Die Mieten sind gedeckelt: Ein Studio darf höchstens 500 Euro kosten, ein Zweizimmer-Appartement 650, 3 Zimmer 800 und 4 Zimmer oder größer höchstens 1.200 Euro. Klingt erstmal machbar.
Im Gegenzug erhalten die Eigentümer eine temporäre Genehmigung, ihre Wohnung in den Sommermonaten – also den heiß begehrten Touristenmonaten – kurzfristig an Touristen zu vermieten. Und das ganz ohne die sonst üblichen Auflagen oder Ausgleichszahlungen.
Ein Konzept mit Charme, aber zähem Start
Trotz aller Vorteile zündet das Modell nicht so richtig. Gerade einmal 141 Wohnungen wurden 2025 über dieses System vermietet – in einer Stadt mit über 50.000 Studierenden wirkt das fast schon symbolisch. Warum also der zähe Anlauf?
Zum einen ist da der bürokratische Aufwand. Wer schon mal versucht hat, ein Formular im französischen Rathaus zu bekommen, weiß, wie mühsam das sein kann. Zum anderen schrecken viele Eigentümer vor der Mietpreisbindung zurück – vor allem, wenn die Wohnung in einem der teuersten Pflaster Frankreichs liegt. Und dann ist da noch der menschliche Faktor: Zwei Mietparteien mit sehr unterschiedlichen Erwartungen – das kann anstrengend werden.
Student sucht Wohnung – bitte günstig!
Für Studierende ist die Wohnungssuche in Nizza ein Spießrutenlauf. Die Stadt ist ein Touristenmagnet, was die Mietpreise nach oben treibt. In der Hochsaison erzielen Eigentümer mit Kurzzeitvermietung auf Plattformen wie Airbnb Traumpreise. Dauerhafte Mietverhältnisse? Wirtschaftlich unattraktiv.
Hier greift die „Location mixte“ als mögliche Brücke: Für neun Monate moderate Miete an Studierende – danach drei Monate lukrativer Ferienbetrieb. Eine Win-Win-Situation?
Vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Denn wenn man ehrlich ist: Viele Vermieter wollen Planungssicherheit. Der Wechsel zwischen zwei Mietgruppen, inklusive Rückgabe, Reinigung und Neuvermietung, ist aufwändig – und nicht jeder hat Zeit oder Nerven dafür.
Wie sind die Aussichten?
Die Stadt Nizza scheint entschlossen, ihren Wohnungsmarkt weiter zu regulieren. Schon im Herbst 2025 sollen die Regeln für touristische Vermietungen drastisch verschärft werden. Maximal drei Jahre gelten dann die Genehmigungen, danach ist Schluss. Und pro Jahr nur noch 90 Tage Touristenvermietung – das macht die Sache unattraktiver für reine Airbnb-Investoren.
In diesem neuen Umfeld könnte die „Location mixte“ deutlich attraktiver werden. Wer sein Eigentum weiterhin gewinnbringend nutzen möchte, wird umdenken müssen. Vielleicht ist das Modell der gemischten Vermietung also nicht nur eine Brücke, sondern bald schon der neue Standard.
Und die Studierenden? Die könnten endlich etwas entspannter auf Wohnungssuche gehen – zumindest für neun Monate im Jahr.
Bleibt nur noch die Frage: Wann zieht der Rest Frankreichs nach?
Von C. Hatty