In ihrem neuen Buch Zwanzig Monate im Matignon, das diesen Mittwoch bei Flammarion in Paris erscheint, rechnet die ehemalige Premierministerin Élisabeth Borne mit ihrer Zeit an der Spitze der französischen Regierung ab. Sie war von Mai 2022 bis Januar 2024 im Amt und beschreibt offen die Spannungen mit Präsident Emmanuel Macron sowie die Hürden, denen sie gegenüberstand.
Eine Ernennung als "Plan B"
Schon zu Beginn ihrer Amtszeit fühlte sich Borne in einer prekären Lage. Sie erinnert daran, dass Emmanuel Macron eigentlich Catherine Vautrin als Premierministerin in Betracht gezogen hatte, bevor er Borne den Posten am 16. Mai 2022 anbot. „Dieses Gefühul als Plan B ist nicht gerade toll“, schreibt sie. „Ich hätte mir etwas Besseres erhofft, um meine Legitimität zu festigen.“
Legitimitätsfragen von Anfang an
Diese Frage der Legitimität sollte sie auch weiterhin verfolgen. Nach den Parlamentswahlen 2022, bei denen Macrons Partei nur eine relative Mehrheit erringen konnte, bot Borne dem Präsidenten ihren Rücktritt an, in der Erwartung, dass er diesen annimmt, um sie danach offiziell erneut zu ernennen. „Er lehnte ab und liess es mich inoffiziell wissen – ich werde wohl keine Spur von Legitimation erhalten!“, kommentiert sie bitter.
Unterschiede beim Regieren und am Esstisch
Borne schildert außerdem, dass sie und Macron oft nicht einer Meinung waren, wenn es um die Wahl der Minister ging. Selbst beim gemeinsamen Essen lagen sie auf verschiedenen Wellenlängen. „Emmanuel Macron aß lieber mit Jean Castex, denn mit ihm konnte er zumindest ein kräftiges Steak teilen“, bemerkt sie. Im Gegensatz dazu beschreibt sich Borne als „quasi-Vegetarierin“.
Der Schock der erzwungenen Demission
Auch ihre erzwungene Absetzung als Premierministerin hinterließ bei ihr tiefe Spuren. „Ich war fassungslos“, schreibt sie, besonders weil es mehrere Tage dauerte, in denen Macron mit sich haderte und die Entscheidung immer wieder hinauszögerte.
Das Buch von Borne bietet einen seltenen Einblick in die Herausforderungen und Konflikte, die hinter den Kulissen der französischen Regierung abliefen – und es wird sicher für Diskussionen sorgen.