Zwei Kirchen, zwei Tatorte, ein mutmaßlicher Täter. Am Samstag, dem 16. August, wurden in Seine-Saint-Denis gleich zwei Gotteshäuser von massiven Vandalismusakten erschüttert: die Kirche Sainte-Marthe in Pantin und die Kirche Saint-Yves in La Courneuve. Ein einzelner Mann soll hinter beiden Taten stecken – er wurde später von der Polizei gestellt.
Die Zerstörungen, so das Bistum Saint-Denis, seien erheblich.
Vormittag in Pantin
In Pantin begann die Spur der Verwüstung. Die Kirche Sainte-Marthe der Quatre-Chemins war an diesem Samstagmorgen unbewacht, als sich der Mann Zugang verschaffte. Zurück blieb ein Bild der Verwüstung: Vier zerstörte Statuen – zwei Darstellungen Christi, eine Figur der heiligen Marthe sowie eine Statue der Jungfrau Maria.
Doch damit nicht genug. Möbelstücke wurden umgeworfen und beschädigt, Plakate zerrissen. Als der Pfarrer gegen Mittag die Kirche betrat, stieß er auf das Chaos – und alarmierte sofort die Polizei. Der Täter hatte da bereits das Weite gesucht.
Wenige Stunden später in La Courneuve
Der gleiche Mann tauchte am Nachmittag wenige Kilometer weiter in der Kirche Saint-Yves in La Courneuve auf. Wieder schlug er zu, wieder hinterließ er tiefe Spuren. Diesmal fielen drei Statuen seiner Zerstörungswut zum Opfer – eine Darstellung der Jeanne d’Arc sowie erneut zwei Christusfiguren.
Kerzenständer wurden umgestoßen, Kerzen zerbrochen, Bänke umgeworfen, Aushangtafeln herausgerissen. Ein Gemeindemitglied, das sich zufällig in der Kirche aufhielt, schlug Alarm und informierte den Vikar.
Festnahme durch die Polizei
Die Polizei rückte mit der Brigade anti-criminalité (BAC) aus. Gegen 14 Uhr stellten die Beamten den Verdächtigen direkt vor Ort. Er habe sich bedrohlich verhalten, heißt es im Bericht des Bistums. Die beiden betroffenen Priester – aus Pantin und La Courneuve – erstatteten Strafanzeige.
Glücklicherweise gibt es keine Verletzten.
„Tiefe Traurigkeit“ beim Bischof
In einem öffentlichen Statement reagierte der Bischof von Saint-Denis, Étienne Guillet, auf die Vorfälle. Er sprach von „tiefer Traurigkeit angesichts der Gewalt und Zerstörungswut“. Am kommenden Sonntag will er die Messe in der Kirche Saint-Yves in La Courneuve persönlich leiten und zu einem späteren Zeitpunkt auch die Gemeinde Sainte-Marthe in Pantin besuchen.
Mehr als Sachschaden
Kirchen sind nicht einfach nur Gebäude aus Stein. Sie sind Orte des Glaubens, der Begegnung, des Rückzugs – und in vielen Gemeinden auch ein Stück Heimat. Wenn Statuen zertrümmert, Kerzenhalter umgestürzt und Altäre verwüstet werden, ist das nicht nur ein materieller Schaden. Es trifft Gläubige ins Herz.
Die Frage, die bleibt: Was treibt jemanden zu solch gezielter Zerstörungswut?
Ein gespaltenes Gefühl
Einerseits Erleichterung: Der mutmaßliche Täter ist gefasst, es wurde niemand verletzt. Andererseits bleibt der Schock – und ein bitterer Nachgeschmack. Denn die Verwüstung lässt sich nicht einfach mit Handgriffen beheben. Die Gemeinden müssen nun gemeinsam Wege finden, um die beschädigten Kirchen wieder instand zu setzen, aber auch, um die Wunden der Gläubigen zu heilen.
Autor: C.H.