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Zwischen Sparzwang und Sozialpolitik: Steuerbonus für Haushaltshilfen steht auf dem Prüfstand

Die französische Regierung plant eine Reform des Steuerkredits für haushaltsnahe Dienstleistungen im Rahmen des Staatshaushalts 2026. Dieses Vorhaben sorgt für große Unruhe unter privaten Arbeitgebern und in der Dienstleistungsbranche, die auf dieses Instrument als Stütze gegen Schwarzarbeit und als Hilfe für viele Haushalte angewiesen ist. Der Steuerbonus ermöglicht es französischen Bürgern derzeit, 50 Prozent ihrer…

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Die französische Regierung plant eine Reform des Steuerkredits für haushaltsnahe Dienstleistungen im Rahmen des Staatshaushalts 2026. Dieses Vorhaben sorgt für große Unruhe unter privaten Arbeitgebern und in der Dienstleistungsbranche, die auf dieses Instrument als Stütze gegen Schwarzarbeit und als Hilfe für viele Haushalte angewiesen ist.

Der Steuerbonus ermöglicht es französischen Bürgern derzeit, 50 Prozent ihrer Ausgaben für bestimmte haushaltsnahe Dienstleistungen von der Einkommensteuer abzuziehen – bis zu einem Höchstbetrag von 12.000 Euro jährlich. Abgedeckt sind dabei insgesamt 26 Tätigkeiten, darunter Kinderbetreuung, Nachhilfe, Gartenarbeit, Haushaltsreinigung und die Betreuung von Senioren oder Menschen mit Behinderungen. Im Jahr 2023 wurden über 5 Millionen Haushalte durch das System entlastet, was fiskalisch mit mehr als 6 Milliarden Euro zu Buche schlug.

Ein Sparkurs mit politischen Risiken

Frankreichs Regierung steht unter Druck, die Neuverschuldung zu senken. Nach dem Anstieg des Haushaltsdefizits auf über 5,5 Prozent des BIP im Jahr 2024 hat die Regierung Bayrou einen Sparkurs angekündigt, der alle Subventionen und Steuervergünstigungen auf den Prüfstand stellt. Laut der zuständigen Ministerin für öffentliche Finanzen, Amélie de Montchalin, soll der Steuerkredit für haushaltsnahe Dienstleistungen nicht grundsätzlich abgeschafft, aber neu strukturiert werden. Leistungen mit starkem sozialem Charakter wie Kinderbetreuung und Altenpflege sollen weiterhin voll förderfähig bleiben – doch andere Dienstleistungen wie Gartenarbeit oder Bügelhilfe könnten künftig nicht mehr oder nur noch teilweise steuerlich absetzbar sein.

Die Entscheidung über die genaue Ausgestaltung der Reform wird für Juli erwartet. In Regierungskreisen ist von einer „gezielten Effizienzsteigerung“ die Rede. Damit will man einerseits fiskalische Spielräume zurückgewinnen, andererseits aber den Arbeitsmarkt nicht destabilisieren.

Drohende Rückkehr zur Schattenwirtschaft

Besonders scharf kritisiert wird die Reformabsicht von der Fédération des Particuliers Employeurs de France (FEPEM). Die Präsidentin der Organisation, Julie l’Hôtel Delhoume, warnt vor einer massiven Rückkehr zur Schwarzarbeit. Bereits jetzt zeigten Umfragen, dass 77 Prozent der privaten Arbeitgeber nicht mehr bereit wären, haushaltsnahe Hilfe legal zu beschäftigen, sollte der Steuerkredit gestrichen oder reduziert werden. Das System habe sich als wirksames Mittel gegen nicht angemeldete Beschäftigung erwiesen. Während 1997 noch rund 50 Prozent der in diesem Bereich geleisteten Arbeit schwarz verrichtet wurde, ist dieser Anteil bis 2024 auf unter 20 Prozent gesunken.

Ein Rückgang der formellen Beschäftigung hätte auch negative Konsequenzen für die Sozialversicherungsträger. Schätzungen zufolge würde ein Rückgang um zehn Prozent allein zu jährlichen Mindereinnahmen in Höhe von rund 400 Millionen Euro führen. Hinzu kämen soziale Folgekosten, etwa durch den Verlust von Rentenpunkten für betroffene Arbeitnehmer.

Eine fragile Säule des Sozialmodells

Das System des Steuerkredits für haushaltsnahe Dienste ist nicht nur ein finanzieller Anreiz, sondern ein politisches Instrument mit sozialen und arbeitsmarktpolitischen Zielen. Es trägt zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei, fördert legale Beschäftigung und ermöglicht älteren Menschen einen längeren Verbleib in den eigenen vier Wänden. Insofern steht mehr auf dem Spiel als nur fiskalische Effizienz.

Auch die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors ist erheblich. Die Branche der personenbezogenen Dienstleistungen beschäftigt rund 1,3 Millionen Menschen in Frankreich – davon fast die Hälfte in Teilzeit. Der Großteil dieser Arbeitsplätze ist an private Haushalte gebunden, die über das bestehende System zu Arbeitgebern wurden.

Experten sehen die Reformpläne daher mit gemischten Gefühlen. Während eine differenzierte Förderung – je nach gesellschaftlichem Nutzen – als sinnvoll angesehen wird, warnen viele vor einer zu raschen oder radikalen Umstellung. Gerade die Kombination aus steuerlicher Förderung und direkter Bezahlung über den Dienst „Avance immédiate“ der Urssaf (das System überweist den Steuerkredit direkt bei der Zahlung) habe in den letzten Jahren für starke Professionalisierung und Digitalisierung gesorgt.

Brüssel als zusätzlicher Faktor

Ein wichtiger Druckfaktor kommt aus Brüssel. Die Europäische Kommission hat Frankreich wiederholt ermahnt, sein strukturelles Defizit zu senken und seine öffentlichen Ausgaben effizienter zu gestalten. Vor diesem Hintergrund versucht Paris, durch selektive Kürzungen bei steuerlichen Ausnahmen Reformbereitschaft zu signalisieren – ohne jedoch politische Großkonflikte auszulösen. Der Steuerkredit für Haushaltshilfen könnte in diesem Spiel als „politisch verkraftbares Opfer“ erscheinen – mit jedoch weitreichenden Folgen.

Das Thema berührt auch die Frage nach der künftigen Ausrichtung des französischen Sozialstaats. Während konservative Kräfte auf mehr Eigenverantwortung und Kostenkontrolle drängen, warnen linke und zivilgesellschaftliche Organisationen vor einer sozialen Kältewelle. Präsident Emmanuel Macron hat sich bislang nicht eindeutig positioniert, dürfte aber bemüht sein, die Mitte zu halten – sowohl fiskalisch als auch gesellschaftspolitisch.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob es der Regierung gelingt, einen tragfähigen Kompromiss zu finden. Der Ausgang wird weit über die betroffenen Haushalte hinaus Signalwirkung entfalten: für die französische Fiskalpolitik ebenso wie für die Akzeptanz staatlicher Lenkungsinstrumente im Alltag.

Autor: MAB

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