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Zwischen Stieren, Salz und Tradition – Die magische Welt der Course Camarguaise in Saintes-Maries-de-la-Mer

Wer an die Camargue denkt, sieht weiße Pferde, schwarze Stiere und rosafarbene Flamingos vor sich. Doch tief in der Seele dieser südfranzösischen Region schlummert eine Tradition, die bis heute ganze Dörfer in Euphorie versetzt – die Course Camarguaise. Ein kurzer Überblick für alle Neugierigen Saintes-Maries-de-la-Mer liegt mitten im Herzen der Camargue, am Rand des Mittelmeers,…

Course Camarguaise (Wikipedia)

Wer an die Camargue denkt, sieht weiße Pferde, schwarze Stiere und rosafarbene Flamingos vor sich. Doch tief in der Seele dieser südfranzösischen Region schlummert eine Tradition, die bis heute ganze Dörfer in Euphorie versetzt – die Course Camarguaise.

Ein kurzer Überblick für alle Neugierigen

Saintes-Maries-de-la-Mer liegt mitten im Herzen der Camargue, am Rand des Mittelmeers, umgeben von Salzwiesen, Reisfeldern und den typischen Weiten, die einem fast den Atem rauben. Hier hallt von März bis November ein ganz besonderer Klang durch die Gassen: Jubelrufe, gespannte Stille und das rhythmische Scharren von Hufen auf sandigem Boden.

Rund 60 Veranstaltungen finden in dieser Zeit in den historischen Arenen statt – von kleinen regionalen Läufen bis zu den prestigeträchtigen Finals, bei denen jeder raseteur (Teilnehmer) seinen Mut unter Beweis stellt.

Die Course Camarguaise – kein Blutvergießen, dafür viel Mut

Im Gegensatz zur spanischen Corrida ist die Course Camarguaise friedlich. Niemand stirbt. Kein rotes Tuch provoziert einen wütenden Angriff. Stattdessen ist der Stier – hier cocardier genannt – der unangefochtene Star. Er wird gefeiert, bewundert und am Ende der Show mit erhobenem Haupt verabschiedet.

Doch worum geht es eigentlich?

Männer in Weiß, raseteurs genannt, versuchen mit einem kleinen Metallhaken, die Cocarde – ein rotes Band – sowie Pompons und Schnüre von der Stirn des Stieres zu pflücken. Klingt leicht? Weit gefehlt. Der Stier weicht aus, dreht blitzschnell ab oder senkt seinen Kopf in letzter Sekunde. Hier braucht es mehr als nur Mut – hier zählen Geschick, Timing und ein Quäntchen Frechheit.

So läuft eine Show ab

Stell dir vor, du sitzt in der Arena, der warme Mistral weht dir durchs Haar. Zuerst zieht die capelado ein – ein feierlicher Einzug der raseteurs, die den Präsidenten und das Publikum grüßen. Sie schreiten stolz, in makellos weißen Outfits, mit einer Ruhe, die an Samurai erinnert.

Plötzlich öffnet sich das Gatter. Der Stier betritt die Arena. Stille. Dann brandet Applaus auf, der erste raseteur tritt vor. Die nächsten Minuten sind pure Spannung, ein Tänzeln auf Messers Schneide zwischen Mensch und Tier...

Ein Spaziergang durch Saintes-Maries-de-la-Mer und seine Arenen

Nach dem Spektakel solltest du unbedingt noch durch die kleinen Gassen der Stadt schlendern. Vom Haupteingang der Arena gelangt man in wenigen Schritten zur Église des Saintes-Maries, einer wuchtigen Wehrkirche, die einst Schutz vor Piraten bot. Ihre dicken Mauern strahlen bis heute kühle Ruhe aus.

Von dort führt dich ein Spaziergang von etwa zehn Minuten direkt ans Meer. Hier weht ein salziger Wind, und Möwen kreischen über bunten Fischerbooten. Kauf dir ein Eis – vielleicht mit Lavendelgeschmack – und setz dich auf die Steine am Hafen. Du wirst merken, wie die Eindrücke der Course Camarguaise langsam nachhallen.

Historische Hintergründe: Woher kommt diese Tradition?

Die ersten Überlieferungen solcher Läufe reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Damals ehrten Bauern die Stiere, die ihr Land vor Wildtieren schützten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus ein festes Ritual mit Regeln, Preisen und Ranglisten.

Besonders spannend: Die berühmtesten Stiere der Camargue sind Legenden. Viele tragen ihren Namen ein Leben lang mit Stolz, ihre Köpfe werden nach ihrem Tod präpariert und schmücken Vereinsräume – kein Scherz, in der Camargue ist der Stier ein Heiligtum.

Kulturelle Highlights rund um die Arena

Neben der Course Camarguaise findest du in Saintes-Maries-de-la-Mer:

  • Die Wallfahrtskirche Notre-Dame-de-la-Mer
    Pilger aus ganz Europa kommen hierher, besonders die Roma im Mai, um die schwarze Sara zu ehren. Die Atmosphäre ist elektrisierend, Gesänge hallen durch den ganzen Ort.
  • Das Musée Baroncelli
    Es erzählt die Geschichte der Gardians (Cowboys der Camargue) und ihrer engen Beziehung zu Pferden und Stieren.
  • Les Salins de Giraud
    Eine knappe halbe Stunde Fahrt entfernt liegen riesige Salzfelder. Die rosafarbenen Becken sind nicht nur ein Instagram-Hotspot, sondern zeigen auch die harte Arbeit der Salzernte.
  • Die Promenade entlang der Plage des Saintes-Maries
    Perfekt für einen entspannten Spaziergang am Abend, wenn die Sonne glutrot im Meer versinkt.
  • Les Marais du Vigueirat
    Ein Naturreservat voller Reiher, Biber und Flamingos – ein Paradies für Naturfotografen und alle, die Stille schätzen.

Kulinarische Highlights, die du nicht verpassen solltest

Du bist in der Camargue – iss wie die Camarguais!

  • Gardianne de Taureau
    Ein kräftiger Eintopf aus Stierfleisch, mariniert in Rotwein und Kräutern. Schmeckt besser, als es klingt.
  • Tellines
    Kleine Venusmuscheln, in Knoblauch und Petersilie geschwenkt. Perfekt mit einem Glas eiskaltem Weißwein.
  • Fougasse d’Aigues-Mortes
    Süßes, fluffiges Safrangebäck, ideal zum Kaffee am Nachmittag.
  • Vin des Sables
    Ein lokaler Rosé, der auf sandigen Böden wächst und wunderbar leicht schmeckt.

Eine Frage, die bleibt

Was ist es, das Menschen seit Jahrhunderten in die Arenen zieht? Ist es der Nervenkitzel, der Duft von Sand und Pferdeschweiß oder doch das stille Staunen vor der Kraft und Schönheit des Stieres?

Egal was – eines steht fest: Diese Tradition ist tief verwurzelt. Und wenn du dich fragst, ob du dort fehl am Platz bist, weil du kein großer Fan von Stierkämpfen bist – hier geht es nicht ums Töten, sondern ums Leben und Respektieren. Vielleicht macht genau das den Zauber aus.

Meine persönliche Empfehlung

Besuche Saintes-Maries-de-la-Mer im Frühherbst. Dann sind die Touristenmassen verschwunden, die Sonne wärmt noch, und die Arenen öffnen ihre Tore für emotionale Finals. Setz dich nach der Show in ein kleines Bistro, trink einen Rosé, sieh den Gardians zu, wie sie ihre Pferde abreiben – und vergiss für einen Moment die Welt da draußen.

Ein Erlebnis, das du nie wieder vergisst.

Ein Reisebericht von V.O.Yager

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