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Zwischen Zitronen und Limoncello: Ein Tag auf dem Markt von Ventimiglia

Ein Katzensprung – mehr trennt Frankreich und Italien an der Côte d’Azur kaum. Und doch fühlt es sich an wie eine kleine Weltreise. Genau das macht den Reiz eines Tagesausflugs von Menton nach Ventimiglia aus. Zwei Länder, zwei Kulturen, ein Markttag, der alle Sinne verwöhnt. Ein morgendlicher Aufbruch am Meer Der Tag beginnt in Menton,…

Ventimiglia (Wikipedia)

Ein Katzensprung – mehr trennt Frankreich und Italien an der Côte d’Azur kaum. Und doch fühlt es sich an wie eine kleine Weltreise. Genau das macht den Reiz eines Tagesausflugs von Menton nach Ventimiglia aus. Zwei Länder, zwei Kulturen, ein Markttag, der alle Sinne verwöhnt.

Ein morgendlicher Aufbruch am Meer

Der Tag beginnt in Menton, der charmanten Grenzstadt mit ihrem leichten Zitronenduft, der überall in der Luft liegt. Der Himmel ist strahlend blau, das Meer funkelt verheißungsvoll – was will man mehr? Doch heute lockt etwas anderes: der berühmte Freitagsmarkt von Ventimiglia, nur wenige Kilometer entfernt, aber ein völlig anderer Kosmos.

Vom Bahnhof Menton dauert die Zugfahrt gerade mal zehn Minuten. Während der kurzen Reise gleitet der Blick über schroffe Felsen und das azurblaue Meer. Kann ein Pendelzug schöner sein? Wohl kaum.

Ankommen und Eintauchen

Kaum ist man in Ventimiglia angekommen, wechselt das Lebensgefühl. Italien ist nicht nur eine andere Sprache – es ist ein anderes Tempo, eine andere Stimmung. Nur ein paar Schritte vom Bahnhof entfernt erstreckt sich das Marktgelände. Es zieht sich entlang der Uferpromenade, eingebettet zwischen Bergen und Meer, mit dem leichten Duft von Meersalz in der Nase.

Der erste Eindruck: Hier pulsiert das Leben. Händler rufen laut ihre Angebote aus, Stoffe flattern im Wind, das Stimmengewirr mischt sich mit dem Hupen von Motorrollern. Man wird förmlich hineingezogen in das bunte Treiben.

Ein Fest für alle Sinne

Der Markt von Ventimiglia ist groß – richtig groß. Über mehrere Straßenzüge erstrecken sich die Stände. Lederwaren, Schuhe, Taschen? Klar, alles da! Kleidung in allen Farben und Formen? Jede Menge! Aber das Herzstück sind die kulinarischen Köstlichkeiten.

Da gibt es diese kleinen Stände, die frischen Parmesan in handlichen Stücken verkaufen. Oder den Metzger mit den würzigen Salamis, die von der Decke baumeln. Und überall: Pasta, Pasta, Pasta – handgemacht und in allen Formen, die man sich vorstellen kann. Wer sich hier nicht zum Kauf verführen lässt, hat entweder schon gegessen oder eine bewundernswerte Selbstbeherrschung.

Plötzlich bleibt man an einem Stand mit Limoncello hängen – leuchtend gelb, so wie der Zitronenhain, aus dem die Früchte stammen. Noch ein Stück Pecorino dazu? Warum eigentlich nicht!

Zeit für eine Pause

Nach so viel Trubel meldet sich der Magen. Direkt an der Promenade reihen sich Cafés und Trattorien. Ein Cappuccino für schlanke 1,50 Euro – da muss niemand zweimal überlegen. Und wer Hunger auf mehr hat, gönnt sich ein klassisches italienisches Mittagessen: Pasta mit Meeresfrüchten, ein Gläschen Weißwein dazu und ein Blick aufs Meer – was will man eigentlich mehr vom Leben?

Ein Abstecher ins alte Ventimiglia

Doch Ventimiglia hat mehr zu bieten als nur seinen Markt. Ein Spaziergang in die Altstadt lohnt sich allemal. Über eine kleine Brücke gelangt man ins historische Zentrum, das sich malerisch an den Hang schmiegt. Enge, verwinkelte Gassen, bunte Fensterläden, die im Wind klappern, und hier und da ein versteckter Platz, auf dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

Die Via Garibaldi führt vorbei an kleinen Boutiquen, traditionellen Bäckereien und einer Kirche, die auf den ersten Blick unscheinbar wirkt – doch wer einen Blick hineinwirft, entdeckt Fresken, die Geschichten aus längst vergangenen Zeiten erzählen.

Wer mag, klettert die Gassen bis ganz nach oben – von hier aus bietet sich ein Panoramablick über das Meer und die Küste, der jeden Umweg lohnt.

Zurück nach Menton

Gegen Nachmittag zieht es die meisten wieder Richtung Bahnhof. Die Taschen sind voll, das Herz auch – mit Eindrücken, Gerüchen, kleinen Begegnungen. Der Zug nach Menton rollt gemächlich die Küste entlang, als wolle er den Reisenden noch ein wenig Zeit geben, um den Tag Revue passieren zu lassen.

In Menton angekommen, ist der Tag natürlich noch nicht vorbei. Vielleicht lockt noch ein Spaziergang an der Promenade, ein Aperitif in der Abendsonne – oder einfach ein Plätzchen mit Meerblick, um die Eindrücke des Tages nachklingen zu lassen.

Was du für diesen Ausflug wissen solltest:

  • Früh losgehen: Der Markt startet gegen 8 Uhr und füllt sich schnell. Wer gemütlich schlendern will, ist besser früh dran.
  • Bargeld einstecken: Kartenzahlung? Fehlanzeige bei vielen Händlern.
  • Bequeme Schuhe anziehen: Zwischen den Ständen und der Altstadt kommen schnell ein paar Kilometer zusammen.
  • Zugticket im Voraus sichern: Besonders in der Hauptsaison können die Züge rappelvoll sein.
  • Mit Bedacht einkaufen: Der Rückweg mit vollen Tüten über die Grenze will gut überlegt sein – auch der Zoll schaut mitunter genau hin.

Ein Tagesausflug von Menton nach Ventimiglia ist ein kleines Abenteuer – ein Tapetenwechsel mit Genussgarantie. Und mal ehrlich: Wann hat man schon die Gelegenheit, an einem Tag zwei Kulturen so hautnah zu erleben?

Ein Reisebericht von V.O.Yager

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