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Heute in der Geschichte

1. November: Der Algerienkrieg beginnt

Am 1. November 1954 greifen algerische Unabhängigkeitskämpfer französische Ziele an. Der Aufstand führt zu einem Krieg, dessen Folgen Frankreich und Algerien bis heute prägen.

In den frühen Stunden des 1. November 1954 erschüttern Anschläge mehrere Regionen Algeriens. Kasernen, Polizeiposten und andere Einrichtungen geraten ins Visier einer Organisation, deren Name vielen Menschen damals noch unbekannt ist: der Nationalen Befreiungsfront. Aus den Angriffen entwickelt sich ein Krieg, der Algerien die Unabhängigkeit bringt und Frankreich tief verändert.

In Frankreich erhält der Tag den Namen Roter Allerheiligentag. In Algerien gilt er als Beginn der Revolution. Beide Bezeichnungen erzählen von demselben Datum – und von sehr unterschiedlichen Erinnerungen an die französische Kolonialherrschaft.

Die Befreiungsfront, nach ihrem französischen Namen häufig FLN genannt, wählt den Feiertag bewusst für ihren bewaffneten Aufstand. In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November schlagen ihre Kämpfer an zahlreichen Orten zu, unter anderem im Aurès-Gebirge und in der Kabylei. Die Angaben zur Zahl der Angriffe und der Todesopfer unterscheiden sich je nach Quelle. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz nennt rund 30 betroffene Orte.

Zu den Opfern gehören auch Menschen, die nicht mit Waffen in der Hand kämpfen. Im Aurès-Gebirge gerät ein Linienbus in einen Hinterhalt. Der französische Lehrer Guy Monnerot stirbt, seine Frau wird verletzt. Auch Hadj Sadok, ein algerischer Vertreter der französischen Verwaltung, kommt ums Leben. Ihr Tod gibt dem ersten Kriegstag konkrete Gesichter – lange bevor die Öffentlichkeit das Ausmaß des kommenden Konflikts ahnt.

Die Erklärung der Befreiungsfront fordert einen unabhängigen algerischen Staat und Verhandlungen auf Grundlage der nationalen Souveränität. Für die französische Regierung steht dagegen die Zugehörigkeit Algeriens zu Frankreich zunächst nicht zur Debatte. Zwei politische Ziele prallen aufeinander, und zwischen ihnen liegen Jahrzehnte kolonialer Ungleichheit.

Frankreich hatte 1830 mit der Eroberung Algeriens begonnen. Bis 1954 entstand dort eine große europäischstämmige Bevölkerung. Das Gebiet im Norden war in französische Départements gegliedert; aus Sicht vieler Politiker in Paris gehörte es zum Staatsgebiet und unterschied sich damit von anderen Kolonien.

Doch der gemeinsame staatliche Rahmen bedeutete keineswegs gleiche Rechte. Die muslimische Mehrheit lebte unter Bedingungen, die sich von jenen der europäischen Bevölkerung grundlegend unterschieden. Zugang zu politischer Vertretung, Land und wirtschaftlichen Chancen blieb ungleich verteilt. Reformversprechen änderten an dieser Ordnung weniger, als viele Algerier erhofften.

Hinzu kam die Erinnerung an Gewalt. Im Mai 1945, als Europa das Ende des Krieges gegen das nationalsozialistische Deutschland feierte, schlugen französische Kräfte und bewaffnete europäische Zivilisten Unruhen in der Region um Sétif und Guelma brutal nieder. Nach Angriffen auf Europäer folgte eine Repression mit zahlreichen algerischen Todesopfern. Die Schätzungen zur Opferzahl gehen stark auseinander.

Warum glaubten die Verantwortlichen in Paris trotzdem, den Aufstand rasch eindämmen zu können?

Die Regierung betrachtete die Anschläge zunächst vor allem als Sicherheitsproblem. Sie sprach von Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung und schickte zusätzliche Kräfte nach Algerien. Der Konflikt wuchs dennoch. Französische Wehrpflichtige wurden eingezogen, und der Krieg griff tief in das Leben von Familien auf beiden Seiten des Mittelmeers ein.

Auch die Welt außerhalb Algeriens blickte auf das Geschehen. Wenige Monate zuvor hatte Frankreich nach der Niederlage von Điện Biên Phủ sein Kolonialreich in Indochina weitgehend verloren. Radio Kairo verbreitete am 1. November Nachrichten über den algerischen Aufstand. Für die Befreiungsfront bot die internationale Aufmerksamkeit eine Möglichkeit, ihre Forderung über die Grenzen hinaus bekannt zu machen.

Der Krieg brachte Terror und Gegenterror. Die Befreiungsfront verübte Anschläge, auch gegen Zivilisten, und ging gegen politische Rivalen vor. Französische Sicherheitskräfte setzten Folter ein; Menschen verschwanden nach Festnahmen. Während der Schlacht von Algier 1957 erhielten Militärs weitreichende Polizeibefugnisse. Die Gewalt traf nicht alle Menschen auf dieselbe Weise, doch sie drang in nahezu jeden Bereich des Alltags ein.

Die Kämpfe erreichten auch das französische Mutterland. Am 17. Oktober 1961 demonstrierten in Paris Zehntausende Algerier gegen eine Ausgangssperre, die sie gezielt betraf. Die Polizei ging gewaltsam gegen den Protest vor, nahm Tausende fest und tötete zahlreiche Menschen. Über die genaue Zahl der Opfer streiten Historiker bis heute.

Der Krieg erschütterte außerdem die französische Politik. Die Krise um Algerien trug 1958 zum Ende der Vierten Republik bei und brachte Charles de Gaulle zurück an die Macht. Unter seiner Führung entstand die Fünfte Republik, deren Institutionen Frankreich bis heute prägen. Eine Staatskrise auf der einen Seite des Mittelmeers formte so die Verfassung auf der anderen.

Am 18. März 1962 unterzeichneten französische Vertreter und die Befreiungsfront die Abkommen von Évian. Am folgenden Tag trat ein Waffenstillstand in Kraft. Frieden auf dem Papier bedeutete allerdings nicht sofort Sicherheit auf den Straßen: Die Gewalt dauerte an, unter anderem durch die Organisation der geheimen Armee, die ein französisches Algerien mit Anschlägen erzwingen wollte.

Nach einem Referendum erkannte Frankreich am 3. Juli 1962 die Unabhängigkeit Algeriens an. Algerien feiert sie am 5. Juli. Für viele Algerier erfüllte sich damit eine lange gehegte Hoffnung. Für viele europäischstämmige Bewohner begann zugleich eine überstürzte Flucht nach Frankreich, oft mit wenig mehr als dem Gepäck, das sie tragen konnten.

Auch zahlreiche Algerier, die auf französischer Seite gedient hatten, die sogenannten Harkis, gerieten in Gefahr. Viele blieben zurück und erlitten nach der Unabhängigkeit Vergeltungsgewalt. Andere gelangten mit ihren Familien nach Frankreich, wo manche jahrelang in Lagern oder abgelegenen Siedlungen lebten. Das Ende der Kolonialherrschaft bedeutete für sie keinen einfachen Neuanfang.

In Frankreich dauerte es bis zum Gesetz vom 18. Oktober 1999, ehe der Staat den Begriff Algerienkrieg offiziell anstelle der früheren Bezeichnung für die Ereignisse in Nordafrika verwendete. Wörter waren hier keine bloße Formsache: Sie bestimmten mit, wie Veteranen, Opfer und Angehörige ihre Erfahrungen öffentlich einordnen konnten.

Die Erinnerung bleibt in beiden Ländern vielfältig und oft schmerzhaft. Archive, Familiengeschichten und historische Forschung helfen, einzelne Schicksale aus politischen Schlagworten herauszulösen. Ein Schritt erfolgte genau 70 Jahre nach dem Aufstand: Am 1. November 2024 erkannte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an, dass französische Militärs den algerischen Unabhängigkeitsführer Larbi Ben M'hidi 1957 ermordet hatten.

Quellen

  • Französisches Verteidigungsministerium: Die Anfänge des Algerienkriegs
  • Internationales Komitee vom Roten Kreuz: Der Algerienkrieg und die humanitäre Arbeit
  • Radio France Internationale: Der Rote Allerheiligentag
  • Museum der Einwanderungsgeschichte: Der 17. Oktober 1961
  • Vie publique: Die Abkommen von Évian
  • Museum der Einwanderungsgeschichte: Migration und Unabhängigkeit 1962
  • Französisches Präsidialamt: Gedenken an den 1. November 1954
  • Vie publique: Anerkennung des Algerienkriegs

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).