Lens – 05.10.2026: Bei einer Schülerblockade in Lens hat ein 15 Jahre alter Jugendlicher am Montagvormittag durch die Explosion einer Polizeigranate eine Hand verloren. Rettungskräfte versorgten ihn am Ort des Geschehens und brachten ihn anschließend in das Universitätskrankenhaus von Lille. Nach Angaben der Behörden besteht keine Lebensgefahr.
Der Vorfall ereignete sich wenige Hundert Meter vom Berufslyzeum Auguste-Béhal entfernt. Dort hatten sich nach Angaben des Präfekten des Départements Pas-de-Calais, François-Xavier Lauch, zwischen 200 und 250 Schülerinnen und Schüler versammelt. Die Polizei setzte eine Einheit der Bereitschaftspolizei CRS ein. Nach Darstellung der Präfektur waren zuvor Steine, Feuerwerkskörper und sogenannte Mörser auf die Einsatzkräfte geworfen worden.
Die schwere Verletzung wurde nach bisherigem Kenntnisstand durch die Explosion einer Entblendungsgranate verursacht. Solche Einsatzmittel sollen durch einen lauten Knall und weitere Reize Distanz schaffen oder Menschenansammlungen auseinanderdrängen. Wie die Granate in die Nähe des Jugendlichen gelangte und weshalb sie dort detonierte, ist bislang ungeklärt.
Der Staatsanwalt von Béthune, Etienne Thieffry, sagte bei einer Pressekonferenz, derzeit lasse sich nicht mit Sicherheit feststellen, ob der Schüler die Granate aufgehoben habe oder ob sie ihn getroffen habe. Damit widersprach er vorschnellen Festlegungen zum Ablauf. Auch zu einer möglichen Verantwortlichkeit einzelner Beteiligter gibt es bisher keine gesicherten Erkenntnisse.
Die Staatsanwaltschaft hat die Generalinspektion der Nationalpolizei, IGPN, mit Ermittlungen betraut. Die interne Kontrollbehörde soll den Polizeieinsatz, die Verwendung der Granate und die unmittelbaren Umstände der Verletzung rekonstruieren. Dafür kommen insbesondere Aussagen von Zeugen und Einsatzkräften, dienstliche Protokolle sowie mögliche Bildaufnahmen infrage. Erst die Auswertung kann klären, ob die geltenden Vorschriften beachtet wurden.
Der Vorfall fällt in eine seit Tagen andauernde Schülerbewegung, die in zahlreichen französischen Städten zu Blockaden und Unterrichtsausfällen geführt hat. Bildungsminister Edouard Geffray sprach am Montag von 589 betroffenen Einrichtungen. Seit Beginn der Proteste seien 190 Schülerinnen und Schüler verletzt worden; die meisten Verletzungen seien bei Unfällen entstanden.
Der 15-Jährige besucht Medienberichten zufolge die zehnte Klasse eines beruflichen Bildungsgangs. Sein Name wurde nicht veröffentlicht. An der Schule hinterließ der Einsatz eine erschütterte Gemeinschaft. Während der Jugendliche im Krankenhaus von Lille behandelt wird, konzentrieren sich die Ermittlungen nun auf den kurzen Zeitraum zwischen dem Einsatz der Granate und ihrer Explosion nahe dem Lycée Auguste-Béhal.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- La Dépêche du Midi
- TV5MONDE
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).