Arles – 20.09.2026: Rund 2.500 Menschen haben am Samstagabend das antike Theater von Arles gefüllt, um gegen die geplante Hochspannungsleitung zwischen Fos-sur-Mer und Jonquières-Saint-Vincent zu protestieren. Landwirtschaftliche Verbände, Umweltinitiativen, Bürgergruppen und Mandatsträger verschiedener politischer Lager traten gemeinsam auf. Zwischen den antiken Steinreihen und den roten Schärpen der Bürgermeister wurde sichtbar, wie viele Interessen der geplante Netzausbau berührt.
Vorgesehen ist eine rund 65 Kilometer lange Freileitung mit zwei Stromkreisen und einer Spannung von 400.000 Volt. Der französische Übertragungsnetzbetreiber RTE plant dafür 145 Masten, die zwischen 40 und 60 Meter hoch werden sollen. Die Verbindung soll das Industrie- und Hafengebiet von Fos-sur-Mer besser mit Elektrizität versorgen. Dort dürfte der Strombedarf durch den Umbau und die Dekarbonisierung der Industrie deutlich wachsen. Die staatliche Prüfung des Antrags, das Vorhaben für gemeinnützig zu erklären, läuft seit Mai 2026.
Die Gegner sehen darin einen schweren Eingriff in die Camargue, die Crau und die landwirtschaftlich geprägte Terre d'Argence. Reisbauern, Viehhalter und Winzer fürchten Nachteile für ihre Betriebe und das Landschaftsbild. Umweltverbände verweisen auf die empfindlichen Feuchtgebiete und die Vogelwelt der Region. Bei der Kundgebung verlangten mehrere Redner, die Freileitung in ihrer jetzigen Form aufzugeben und nach einer anderen technischen Lösung zu suchen.
Bemerkenswert war die politische und gesellschaftliche Breite des Protests. Neben Landwirten und Umweltschützern kamen zahlreiche Bürgermeister sowie Abgeordnete und Senatoren. Auch die früheren Ministerinnen Delphine Batho und Françoise Nyssen unterstützten die Kundgebung. Die Teilnehmer gelobten, ihren Widerstand bis zur Aufgabe des bisherigen Projekts fortzusetzen.
RTE erklärt dagegen, der vorgesehene Korridor meide bebaute Gebiete und besonders empfindliche Naturflächen so weit wie möglich. Ein Teil der Trasse solle entlang bereits stark genutzter Infrastruktur verlaufen. Arles, die Alpilles und der Kernbereich der Camargue würden nach Darstellung des Unternehmens geschont. Rund 25 Kilometer der Leitung lägen allerdings in der landwirtschaftlich genutzten Nordzone des regionalen Naturparks Camargue.
Der Konflikt verbindet zwei Ziele, die beide politisch gewollt sind: den Schutz einer außergewöhnlichen Landschaft und die Elektrifizierung eines bedeutenden Industriestandorts. Für RTE gehört die Leitung zum Ausbau der Stromversorgung im Südosten Frankreichs. Die Gegner bestreiten nicht den zusätzlichen Energiebedarf von Fos-sur-Mer, lehnen aber die vorgesehene oberirdische Trasse ab. Eine Genehmigungsentscheidung ist durch die Kundgebung nicht gefallen. Der Protest im antiken Theater hat jedoch gezeigt, dass das Projekt in seiner bisherigen Form auf anhaltenden Widerstand in der Region trifft.
Quellen
- Franceinfo
- Agence France-Presse
- RTE
- Präfektur der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur
- Stadt Arles
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).