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Heute in der Geschichte

8. November: Alliierte landen in Nordafrika

Am 8. November 1942 landen amerikanische und britische Truppen in Nordafrika. In Algier erleichtert eine französische Widerstandsgruppe ihren Vormarsch – doch die Befreiung bringt nicht für alle sofort gleiche Rechte.

In der Nacht zum 8. November 1942 liegen Schiffe vor der nordafrikanischen Küste. An Bord warten amerikanische und britische Soldaten auf den Befehl zur Landung. Ihr Ziel: die französisch kontrollierten Gebiete in Marokko und Algerien. Gleichzeitig greifen in Algier junge Widerstandskämpfer zu einer ungewöhnlichen Waffe – sie besetzen Schaltstellen der Macht, bevor die Truppen an Land gehen.

Die Operation trägt den Namen Torch, auf Deutsch Fackel. Sie verbindet den internationalen Krieg gegen das nationalsozialistische Deutschland mit einer Geschichte französischer Entscheidungen, jüdischen Widerstands und kolonialer Ungleichheit. Ein sauber sortiertes Heldenepos ist das nicht. Gerade deshalb lohnt der Blick auf diesen Novembertag.

Frankreich liegt 1942 am Boden. Nach der Niederlage gegen Deutschland im Juni 1940 regiert Marschall Philippe Pétain von Vichy aus einen französischen Staat, der mit den deutschen Besatzern zusammenarbeitet. Die Kolonialverwaltung in Nordafrika untersteht zunächst diesem Regime. Für die Alliierten ist daher ungewiss, ob französische Soldaten sie als Verbündete begrüßen oder auf sie schießen.

Die Antwort fällt je nach Ort unterschiedlich aus.

Unter dem Oberbefehl des amerikanischen Generals Dwight Eisenhower landen die Alliierten bei Casablanca in Marokko sowie bei Oran und Algier in Algerien. Die Häfen und Flugplätze sollen als Ausgangsbasis dienen, um die deutschen und italienischen Streitkräfte in Nordafrika zu bekämpfen. Zugleich sammeln die amerikanischen Truppen Erfahrung für spätere gemeinsame Operationen mit ihren britischen Verbündeten.

In Algier bereitet eine Gruppe um den 22-jährigen Medizinstudenten José Aboulker den Alliierten den Weg. Rund 400 überwiegend zivile Widerstandskämpfer beteiligen sich an der Aktion; mehr als zwei Drittel von ihnen sind jüdisch. Zu den Organisatoren zählen auch Henri d'Astier de La Vigerie und der Offizier Germain Jousse.

Die Männer besetzen in der Nacht wichtige Verwaltungs- und Militärstellen, unterbrechen Telefonverbindungen und nehmen führende Vertreter der französischen Streitkräfte vorübergehend fest. Darunter befinden sich General Alphonse Juin und Admiral François Darlan, der sich zufällig in Algier aufhält. Für einige Stunden gerät der gewohnte Befehlsapparat gehörig ins Stolpern.

Die Aktion hilft den Alliierten, bei Algier Fuß zu fassen. Am Abend des 8. November enden dort die Kämpfe. Anderswo fällt die Entscheidung blutiger aus: Bei Oran und in Marokko leisten französische Truppen zunächst Widerstand gegen die Landung. Ausgerechnet Soldaten Frankreichs und der Staaten, die Deutschland besiegen wollen, stehen einander im Gefecht gegenüber.

Wie erklärt sich dieser Widerspruch? Die französischen Befehlshaber vor Ort handeln in einer politischen Ordnung, deren Regierung mit Berlin kollaboriert und ihren Streitkräften zunächst Widerstand befiehlt. Zugleich wünschen andere Franzosen den Kampf gegen Deutschland. Die Uniform allein verrät im November 1942 also noch nicht, auf welcher Seite jemand künftig stehen wird.

Die Herkunft vieler Kämpfer aus Aboulkers Gruppe macht ihre Tat besonders eindrücklich. Das Vichy-Regime entzieht 1940 den meisten jüdischen Algeriern die französische Staatsbürgerschaft. Diese hatten sie durch das Crémieux-Dekret von 1870 erhalten. Jüdische Menschen verlieren zudem Rechte und berufliche Möglichkeiten – und riskieren dennoch ihr Leben, um den alliierten Vormarsch zu unterstützen.

Die koloniale Rechtsordnung benachteiligt auch die muslimische Mehrheit Algeriens. Die meisten muslimischen Algerier gelten als französische Untertanen, besitzen aber nicht die vollen französischen Bürgerrechte. Diese Unterschiede gehören zur Geschichte der Landung: Sie erklären, weshalb ein militärischer Sieg über Vichy nicht automatisch gleiche Rechte für alle Bewohner bedeutet.

Auch die Amerikaner treffen eine folgenreiche politische Entscheidung. Sie verhandeln mit Admiral Darlan, einem führenden Vertreter des Vichy-Systems, um die französischen Kräfte in Nordafrika möglichst rasch zum Seitenwechsel zu bewegen. Militärisch verspricht das ein Ende des Widerstands. Politisch verschafft es einem Mann Einfluss, der zuvor an der Spitze des kollaborierenden Staates stand.

Die Folgen treffen sogar Aboulker selbst. Nach Darlans Ermordung am 24. Dezember 1942 dient die Tat den neuen Machthabern als Vorwand, den Widerstandskämpfer Ende Dezember festzunehmen. Er kommt zunächst nach Mauretanien und anschließend in ein Lager im Süden Algeriens. Der Mann, der den Alliierten geholfen hat, findet sich hinter Stacheldraht wieder.

Die jüdischen Algerier erhalten ihre Staatsbürgerschaft ebenfalls nicht sofort zurück. Erst im Oktober 1943 gilt das Crémieux-Dekret erneut. Zwischen der Landung und der Wiederherstellung dieses Rechts liegt damit fast ein Jahr – ein wichtiger Unterschied zwischen militärischer Befreiung und rechtlicher Gleichstellung.

Auch in Europa reagiert das Deutsche Reich auf die Ereignisse. Am 11. November 1942 besetzen deutsche Truppen die bis dahin unbesetzte Zone im Süden Frankreichs. Die von Vichy bewahrte Vorstellung eines eigenständigen Handlungsspielraums schrumpft weiter. Für die Bevölkerung bedeutet die Ausweitung der Besatzung neue Kontrolle und neue Gefahren.

In Nordafrika dauert der Krieg noch Monate. Deutsche und italienische Kräfte kämpfen in Tunesien weiter, bis sie im Mai 1943 kapitulieren. Im Juli landen die Alliierten auf Sizilien. Der Weg nach Europa führt also über weitere Schlachten – nicht direkt von Algier nach Paris.

Heute bewahren französische Gedenkinstitutionen die Geschichte jener Nacht und die Namen ihrer Beteiligten. Dazu gehört die Erinnerung an José Aboulker, der nach seiner Haft erneut für den Widerstand arbeitete und 1943 mit dem Befreiungsorden ausgezeichnet wurde. Nach dem Krieg setzte er sein Medizinstudium fort und arbeitete als Neurochirurg; er starb 2009 in Manosque.

Quellen

  • Französisches Verteidigungsministerium: Operation Torch und die Landungen in Nordafrika
  • Institut de France: Der Widerstand in Algier am 8. November 1942
  • United States Holocaust Memorial Museum: Antijüdische Gesetze in Nordafrika
  • Musée national de l'histoire de l'immigration: Juden und Muslime während des Zweiten Weltkriegs
  • Ordre de la Libération: Biografie von José Aboulker
  • United States Holocaust Memorial Museum: Der Tunesienfeldzug
  • Französisches Verteidigungsministerium: Die Feldzüge in Tunesien und Italien

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