Paris – 21.09.2026: Andréa Bescond kehrt mit ihrem Soloabend "Les Chatouilles oder der Tanz des Zorns" an das Pariser Théâtre de l'Œuvre zurück. Im Gespräch mit Franceinfo sagte die Schauspielerin, Tänzerin und Aktivistin, sie leide heute nicht mehr so wie früher. Der schlichte Satz verweist auf die lange Geschichte eines Werkes, das persönliche Verletzung in Theater verwandelt.
Bescond erzählt von Odette, einer jungen Tänzerin, deren Kindheit durch die sexualisierte Gewalt eines Freundes der Familie zerbricht. Auf der Bühne wechselt sie zwischen zahlreichen Figuren, Tanz, Komik und jähen Momenten der Stille. Diese Beweglichkeit bewahrt den Abend vor einer bloßen Ausstellung des Schmerzes: Er folgt einer Frau, die nach Sprache, Körpergefühl und Selbstachtung sucht.
Der französische Titel "Les Chatouilles" bedeutet wörtlich "Das Kitzeln". Bescond verwendet das scheinbar harmlose Wort, um die Tarnung der Gewalt sichtbar zu machen. Das Stück benennt Mechanismen des Verschweigens, der Manipulation und des Wegsehens, ohne Odette auf ihre Erfahrung festzulegen. Der Tanz wird zu ihrer Ausdrucksform, wo Worte zunächst fehlen oder zu schwer wiegen.
Bescond schrieb das Stück gemeinsam mit Éric Métayer, der auch Regie führt. 2016 wurde die Produktion mit dem Molière für die beste Einzeldarbietung ausgezeichnet; später adaptierten beide den Stoff für das Kino. Dass Bescond ihn nun erneut selbst spielt, ist mehr als eine nostalgische Wiederaufnahme. Sie begegnet der Figur aus einer Distanz, die sie im Radiointerview ausdrücklich als persönliche Veränderung beschreibt.
Im Théâtre de l'Œuvre bleibt die Aufführung ein Solo von großer körperlicher Präzision. Bescond lässt kindliche Unbefangenheit, familiäre Ratlosigkeit und erwachsene Wut ineinander übergehen. Das Publikum erhält keine fertige Lehre, sondern erlebt, wie eng Verletzlichkeit, Komik und Widerstand miteinander verbunden sein können.
Die Wiederaufnahme trifft auf eine Öffentlichkeit, die sexualisierte Gewalt gegen Kinder inzwischen aufmerksamer wahrnimmt. Bescond hatte ihre Geschichte anfangs nicht als autobiografisch kenntlich gemacht. Die Fiktion bot ihr zunächst Schutz; später wurde die Bühne zu einem Ort des persönlichen Zeugnisses. Deshalb ist ihre Aussage über das veränderte Leiden mehr als eine private Bilanz: Sie beschreibt auch den Abstand, den künstlerische Arbeit schaffen kann.
"Les Chatouilles" handelt von Schmerz, gewinnt seine Kraft aber aus der Rückeroberung des eigenen Lebens. Bescond spielt Odette als widersprüchlichen Menschen: verletzbar, komisch, zornig und lebendig. Die Vorstellungen im Théâtre de l'Œuvre finden montags statt; als letzter Termin ist der 21. Dezember 2026 angekündigt.
Quellen
- Franceinfo
- Théâtre de l'Œuvre
- Télérama
- L'Officiel des spectacles
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).