Paris – 07.10.2026: Drei Jahre nach dem Angriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 bleibt Antisemitismus in Frankreich ein sicherheitspolitisches und gesellschaftliches Problem. Am Jahrestag richtet sich die Aufmerksamkeit erneut auf den Schutz jüdischer Einrichtungen und auf einen politischen Streit, in dem der Nahostkonflikt regelmäßig zum innenpolitischen Bezugspunkt wird.
Nach Angaben des Innenministeriums wurden 2025 insgesamt 1.320 antisemitische Taten registriert. Das waren zwar 16 Prozent weniger als 2024, doch die Zahl lag weiterhin auf historisch hohem Niveau. Die drei Jahre seit dem Angriff vom Oktober 2023 bildeten die stärkste Phase antisemitischer Vorfälle der vergangenen 25 Jahre, erklärte das Ministerium im Februar.
Antisemitische Taten stellten 53 Prozent aller 2025 erfassten antireligiösen Übergriffe dar. Diese Relation fällt besonders auf, weil die jüdische Bevölkerung nur einen kleinen Teil der französischen Gesellschaft ausmacht. Körperliche und verbale Angriffe sowie Hass im Internet machten laut Innenministerium 67 Prozent der antisemitischen Vorfälle aus. Die Statistik erfasst allerdings nur bekannt gewordene und angezeigte Taten.
Seit den Anschlägen von 2015 setzt der Staat auf den dauerhaften Schutz besonders gefährdeter Einrichtungen. Polizeistreifen, feste Posten und verstärkte Kontrollen an Synagogen, Schulen und Kulturstätten werden von den Präfekten entsprechend der örtlichen Gefährdungslage angeordnet. Für die Sicherung religiöser Gebäude stellte der Staat innerhalb von zehn Jahren fast 48 Millionen Euro bereit.
Auch der parteipolitische Ton hat sich verschärft. Vertreter von La France insoumise sehen sich wegen einzelner Äußerungen zum Gazakrieg und zur israelischen Regierung wiederholt Antisemitismusvorwürfen ausgesetzt. Die Linke wiederum verweist auf Geschichte und Personal des Rassemblement National, dessen Vorgängerpartei über Jahrzehnte von rechtsextremen und antisemitischen Positionen geprägt war. Solche Vorwürfe belasten bereits den beginnenden Präsidentschaftswahlkampf für 2027.
Die Auseinandersetzung berührt einen institutionellen Grundsatz der Republik. Frankreichs Laizität schützt die Glaubensfreiheit und verpflichtet den Staat zur Neutralität gegenüber Religionen. Sie entbindet ihn jedoch nicht von der Pflicht, Menschen vor religiös motivierter Gewalt, Bedrohung und Diskriminierung zu schützen. Das Innenministerium will daher seine nationalen und regionalen Beratungen über Maßnahmen gegen antireligiöse Taten fortsetzen.
Der Rückgang gegenüber 2024 bedeutet keine Rückkehr zum früheren Niveau, sondern folgt auf ein außergewöhnlich starkes Ausgangsjahr. Zugleich stieg die Zahl der erfassten antimuslimischen Taten 2025 um 88 Prozent auf 326 Fälle. Antisemitismus ist somit Teil einer breiteren religiös begründeten Feindseligkeit, bleibt aber die zahlenmäßig größte Kategorie antireligiöser Übergriffe.
Polizei und Gendarmerie registrierten 2025 in Frankreich insgesamt mehr als 16.400 rassistische, fremdenfeindliche oder antireligiöse Straftaten und Ordnungswidrigkeiten.
Quellen
- Franceinfo, politischer Kommentar zum Jahrestag des 7. Oktober
- Französisches Innenministerium, Trends antireligiöser Taten 2025
- Französisches Innenministerium, Statistik zu rassistischen, fremdenfeindlichen und antireligiösen Delikten 2025
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).