Paris – 29.09.2026: Schwere Vorwürfe gegen Jordan Bardella setzen den Rassemblement National politisch unter Druck. Das Investigativmedium Mediapart schreibt dem Parteivorsitzenden private Nachrichten aus den Jahren 2013 bis 2015 mit antisemitischen und verschwörungsideologischen Inhalten zu. Bardella bestreitet, die Texte verfasst zu haben, bezeichnet die Dokumente als Fälschungen und geht juristisch gegen das Medium vor.
Bei einem Treffen der Abgeordneten des Rassemblement National und verbündeter Parlamentarier sprach Bardella am Dienstag von den Anfängen eines umfassenden Angriffs auf seine Partei. Dessen Ziel sei es, seine politische Laufbahn zu beenden und den Präsidentschaftswahlkampf zu destabilisieren. Marine Le Pen stellte sich demonstrativ hinter den Parteivorsitzenden und versicherte ihm ihr uneingeschränktes Vertrauen. Beide kündigten rechtliche Schritte gegen Mediapart an.
Das Investigativmedium erklärt, die ihm vorliegenden privaten Unterhaltungen unabhängig geprüft und authentifiziert zu haben. Darin sollen antisemitische Stereotype über Juden, Banken und Israel verbreitet worden sein. Bardella hat eine Verleumdungsklage sowie weitere Schritte wegen möglicher Urkundenfälschung angekündigt. Herkunft, Echtheit und Zuordnung der Nachrichten sind bislang nicht gerichtlich geklärt. Die Anschuldigungen bleiben daher Vorwürfe und dürfen nicht als erwiesene Tatsachen behandelt werden.
Politisch trifft die Affäre den RN an einem empfindlichen Punkt. Marine Le Pen versucht seit ihrer Übernahme des damaligen Front National im Jahr 2011, die Partei von der radikalen Hinterlassenschaft ihres Vaters Jean-Marie Le Pen zu lösen. Sie ließ ihn 2015 aus der Partei ausschließen; drei Jahre später wurde der Front National in Rassemblement National umbenannt. Jean-Marie Le Pen war wiederholt wegen antisemitischer und volksverhetzender Äußerungen verurteilt worden.
Bardella verkörpert jene jüngere Führungsgeneration, mit der die Partei ihren Anspruch auf gesellschaftliche und institutionelle Anerkennung verbindet. Le Pen hat ihn für den Fall ihres Sieges bei der Präsidentschaftswahl im April und Mai 2027 als möglichen Premierminister bezeichnet. Die Vorwürfe betreffen damit einen Politiker, den der RN als künftigen Regierungschef präsentiert.
Der Repräsentative Rat der jüdischen Institutionen Frankreichs erklärte, sollten sich die Äußerungen bestätigen, widerlegten sie den Anspruch des RN, mit dem Antisemitismus gebrochen zu haben. Auch Politiker aus Regierung und Opposition verlangten Aufklärung. Die Parteiführung sieht hingegen eine gezielte Kampagne gegen ihre Wahlchancen.
Die Affäre berührt somit den Kern der politischen Strategie des RN: seine Abgrenzung von der eigenen Geschichte. Mit Bardellas Klagen verlagert sich der Konflikt nun vor Gericht. Dort wird es zunächst um die Echtheit und Urheberschaft der Mediapart zugeschriebenen Nachrichten gehen.
Quellen
- Associated Press
- AFP via Boursorama
- Le Monde
- Euronews
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).