Aubagne – 13.10.2026: Einen Tag nach den Schüssen am Collège Joseph-Lakanal hat die nationale Antiterrorstaatsanwaltschaft Frankreichs die Ermittlungen übernommen. Im Fokus steht ein 14-jähriger Schüler, der am Montag in der Schule in Aubagne festgenommen wurde. Der Schulleiter und eine Lehrerin wurden verletzt. Nach Angaben der Stadt besteht für beide keine Lebensgefahr.
Die Tat ereignete sich am Vormittag des 12. Oktober in dem Collège im Département Bouches-du-Rhône, rund 15 Kilometer östlich von Marseille. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Marseille brachte der Jugendliche eine Jagdwaffe in einem Gitarrenkoffer mit in die Schule. Ein Beschäftigter überwältigte und entwaffnete ihn, bevor die Polizei ihn festnahm.
Die Ermittler rekonstruieren nun den Ablauf der Schüsse innerhalb des Gebäudes. Nach bisher bekannten Angaben erlitten auch Schülerinnen und Schüler Verletzungen durch Splitter, als ein Projektil ein besetztes Klassenzimmer traf. Die Schule mit ihren rund 625 Schülerinnen und Schülern blieb am Dienstag geschlossen. Eltern hatten am Vortag vor dem Gebäude gewartet, während Einsatzkräfte die Klassen schrittweise ins Freie führten.
Die nationale Antiterrorstaatsanwaltschaft begründete ihre Zuständigkeit mit ersten Auswertungen der digitalen Geräte des Minderjährigen. Diese deuteten darauf hin, dass er wahrscheinlich einer als "True Crime Community" bezeichneten Online-Strömung nahestand. Nach Einschätzung der Behörde werden in diesem Milieu Täter von Massengewalttaten glorifiziert und Formen extremer Gewalt propagiert. Die mutmaßliche Tat ordnete sie vorläufig diesem ideologischen Umfeld zu.
Damit ist das konkrete Motiv noch nicht abschließend geklärt. Zu untersuchen ist, welche Inhalte der Jugendliche konsumierte oder verbreitete, ob er Kontakte zu entsprechenden Gruppen unterhielt und wie lange die Tat vorbereitet worden sein könnte. Ebenso müssen die Ermittler klären, ob andere Personen von seinen Plänen wussten oder ihn beeinflussten. Für den Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung; sein Name wird wegen seines Alters nicht veröffentlicht.
Die Übernahme durch die Antiterrorstaatsanwaltschaft bedeutet keine Vorverurteilung. Sie ermöglicht jedoch Ermittlungen unter dem besonderen rechtlichen Rahmen für mutmaßlich terroristisch motivierte Straftaten und bündelt die Prüfung möglicher extremistischer Bezüge. Ausgangspunkt sind in diesem Fall vor allem digitale Spuren und die Frage, ob aus der Faszination für frühere Gewalttaten eine eigene Handlungsabsicht entstand.
Schusswaffenangriffe von Schülerinnen oder Schülern auf französische Schulen sind selten. Die Stadt Aubagne sagte den Verletzten, ihren Angehörigen und der Schulgemeinschaft Unterstützung zu. Zugleich würdigte sie das Eingreifen des Beschäftigten, der den bewaffneten Jugendlichen überwältigte und damit eine weitere Eskalation verhinderte.
Quellen
- Franceinfo
- Stadt Aubagne
- Associated Press
- TV5MONDE mit Informationen der Agence France-Presse
- Le Monde
- TF1 Info
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).