Kultur

Arte-Serie “Camarades” lässt die Universität Vincennes wiederaufleben

Die Serie "Camarades" erzählt mit Witz von einem außergewöhnlichen Hochschulprojekt, das 1969 aus den Folgen des Pariser Mai hervorging. Fiktion und Archivmaterial zeichnen das Bild einer Universität zwischen staatlichem Kalkül und linker Utopie.

Paris – 19.09.2026: Eine Universität wird hastig gegründet, um auf eine politische Krise zu reagieren, und entwickelt sich zum Labor gesellschaftlicher Gegenentwürfe: Die achtteilige Arte-Serie "Camarades" greift die Geschichte der Universität Vincennes auf. Benjamin Charbit und Dominique Baumard verbinden fiktive Figuren, historische Aufnahmen und Komödie zu einem Porträt des akademischen und politischen Frankreichs im Jahr 1969. Seit dieser Woche ist die Produktion bei Arte verfügbar.

Ausgangspunkt ist das Centre universitaire expérimental de Vincennes, das nach den Studentenprotesten vom Mai 1968 entstand. Die Hochschule nahm am 13. Januar 1969 am Rand des Bois de Vincennes ihren Betrieb auf. Ein Dekret vom 9. Juni desselben Jahres regelte ihre Stellung als experimentelles Universitätszentrum. Die Regierung reagierte damit auf die Krise der traditionellen Hochschulen, deren überfüllte Hörsäle und starre Strukturen zu den Ursachen des Aufruhrs gezählt hatten.

Im Zentrum der Serienhandlung steht Claudine, eine Frau aus dem Umfeld des Bois de Vincennes. Im Auftrag des französischen Inlandsnachrichtendienstes Renseignements généraux soll sie eine maoistische Gruppe an der neuen Hochschule beobachten. Ihre Perspektive führt in ein Milieu, in dem politische Theorie, persönliche Emanzipation und ideologische Grabenkämpfe eng beieinanderliegen. Charbit und Baumard schrieben das Drehbuch gemeinsam mit Homeida Behi.

Die Fiktion verdichtet reale Konflikte. Vincennes wurde für ungewöhnliche Lehrformen, vergleichsweise offene Zugangsbedingungen und die Infragestellung akademischer Hierarchien bekannt. Unter den Lehrenden waren einige der einflussreichsten französischen Intellektuellen ihrer Zeit, darunter Michel Foucault, Gilles Deleuze, Hélène Cixous, Jean-François Lyotard und der Geograf Yves Lacoste. Ihr Wirken trug zum Ruf der Hochschule als Ort linker Theorie und pädagogischer Experimente bei.

Hinter der Gründung stand allerdings ein doppeltes Kalkül. Das neue Zentrum sollte die Pariser Hochschullandschaft entlasten und zugleich einen Teil der politischen Unruhe aus den etablierten Institutionen herausführen. Ausgerechnet dieses staatlich geschaffene Ventil entwickelte eine beträchtliche intellektuelle Eigendynamik. Darin liegt der historische Kern der Serie: Vincennes war Ergebnis eines Verwaltungsakts und zugleich der Versuch, Universität grundsätzlich anders zu denken.

"Camarades" beansprucht keine lückenlose Rekonstruktion. Die Produktion arbeitet mit erfundenen Personen, überzeichnet politische Milieus und nimmt Anleihen beim Kino der späten sechziger Jahre. Archivaufnahmen verankern die Komödie jedoch in der Epoche. Am ursprünglichen Standort bestand die Universität bis 1980. Nach der Verlegung nach Saint-Denis wurde ihre Geschichte als Universität Paris 8 fortgeschrieben.

Quellen

  • Franceinfo
  • Universität Paris 8
  • Légifrance
  • Le Monde

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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