Paris – 23.08.2026: Drei Tage vor dem französischen Kinostart kündigt sich mit Arthur Hararis "Die Unbekannte" ein Film an, der sich einfachen Deutungen entzieht. Léa Seydoux und Niels Schneider bewegen sich durch ein fantastisches Paris, dessen Nächte, Wohnungen und Vororte plötzlich ihre vertraute Ordnung verlieren. Der 140 Minuten lange Film kommt am 26. August landesweit in die Kinos.
Im Zentrum steht David Zimmerman, ein zurückgezogen lebender Fotograf um die vierzig. Freunde nehmen ihn mit zu einer ausgelassenen Feier. Dort bemerkt er eine Frau, folgt ihr und erwacht einige Stunden später in ihrem Körper. Was andernorts den Stoff für eine Verwechslungskomödie liefern könnte, wird bei Harari zur existenziellen Zumutung: David muss sich in einem fremden Gesicht, einer fremden Stimme und einer anderen gesellschaftlichen Rolle zurechtfinden.
Seydoux und Schneider verkörpern Menschen, deren Gewissheiten über das eigene Ich brüchig geworden sind. Harari bezog die körperlichen Veränderungen seiner Darsteller bewusst in die Inszenierung ein. Seydoux drehte kurz nach der Geburt ihres Kindes; Schneider hatte für eine andere Rolle Gewicht verloren und führte diese Verwandlung für David fort. So gewinnen die Figuren eine Verletzlichkeit, die mit äußerer Maskerade wenig gemein hat.
Der Regisseur hat bereits mit "Diamant Noir" und dem Kriegsfilm "Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel" sein Interesse an besessenen Außenseitern erkennen lassen. Nach dem Erfolg von "Anatomie eines Falls", dessen Drehbuch er gemeinsam mit Justine Triet schrieb, erzählt Harari nun von einer Identität, die nicht psychologisch ausgedeutet, sondern körperlich erfahrbar wird.
Die Geschichte beruht auf dem Comic "Der Fall David Zimmerman", den Harari mit seinem Bruder Lucas entwickelte. Das Drehbuch entstand mit Lucas Harari und Vincent Poymiro. Von der Vorlage übernimmt der Film die labyrinthische Anlage: Erinnerung, Begehren und Fotografie verbinden sich mit der Frage, wem ein Körper gehört und wie sehr das Selbst vom Blick anderer abhängt.
Seine Premiere feierte "Die Unbekannte" im Mai 2026 im Wettbewerb der 79. Filmfestspiele von Cannes. Dort trat der Film als riskanter Ausflug ins Fantastische auf, blieb jedoch fest in realen Körpern und städtischen Milieus verankert. Das Unmögliche erscheint bei Harari nicht als Spektakel, sondern als kaum erklärbare Störung des Alltags.
Zur Besetzung gehören außerdem Valérie Dréville, Shanti Masud, Radu Jude, Jonathan Turnbull, Lilith Grasmug und Victoire Du Bois. Pathé bringt den ab zwölf Jahren freigegebenen Film in Frankreich heraus.
Quellen
- Franceinfo
- Pathé Films
- Festival de Cannes
- ARTE Olivier Père
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).