Paris – 18.10.2026: Nach den schweren Ausschreitungen am Rande landesweiter Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten wächst der Druck auf Innenminister Laurent Nuñez. Demonstrationen in zahlreichen französischen Städten waren am Samstag von Plünderungen, Brandstiftungen und Angriffen auf öffentliche Gebäude begleitet. Nach dem am Sonntagabend veröffentlichten Stand des Innenministeriums wurden 2.397 Menschen festgenommen. 997 Polizisten und Gendarmen erlitten Verletzungen, sieben von ihnen schwere.
Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Vorbereitung des Einsatzes. Nuñez räumte ein, die Zahl der gewaltbereiten Beteiligten unterschätzt zu haben, verteidigte jedoch die Sicherheitskräfte. Diese hätten es mit kleinen, beweglichen Gruppen zu tun gehabt, die nahezu gleichzeitig an verschiedenen Orten Angriffe verübten. Ein solches Vorgehen erschwere es, Kräfte rasch zu verlegen und zugleich Demonstrationszüge, Geschäfte und öffentliche Gebäude zu schützen.
Die Opposition begründet ihre Rücktrittsforderungen höchst unterschiedlich. Marine Tondelier, Vorsitzende der Grünen, warf Nuñez eine unzureichende Einsatzplanung vor. Vertreter von La France insoumise kritisierten zugleich das Vorgehen gegen friedliche Demonstrierende und verlangten eine veränderte Polizeitaktik. Abgeordnete des Rassemblement National forderten ebenfalls den Rücktritt des Ministers, allerdings wegen einer aus ihrer Sicht zu schwachen Reaktion auf Gewalttäter.
Auch über die Größe der Mobilisierung gehen die Angaben auseinander. Nach Angaben des Innenministers nahmen an 110 Demonstrationen rund 550.000 Menschen teil. Gewerkschaften und studentische Organisationen sprachen von etwa 800.000 Teilnehmern. Die Differenz ist für die Bewertung der Einsatzplanung erheblich, erklärt aber nicht das Ausmaß der Gewalt. Nach Darstellung der Behörden griffen örtlich getrennt agierende Gruppen gezielt Geschäfte und staatliche Einrichtungen an.
Besonders schwer betroffen waren kommunale Gebäude. In Limoges wurde das Rathaus durch ein Feuer weitgehend zerstört. In Lyon brannte das Tourismusbüro, in Marseille drangen Beteiligte in das Rathaus ein. In Bordeaux wurde die Residenz des Präfekten angegriffen. Auch rund um die Place de la République in Paris kam es zu weiteren Zwischenfällen. Für die betroffenen Kommunen folgen nun erhebliche Kosten für Sicherung und Wiederaufbau.
Präsident Emmanuel Macron verlangte am Sonntagabend transparente Antworten auf mögliche Defizite bei der Informationsgewinnung und Einsatzvorbereitung. Er beauftragte Nuñez mit der Aufklärung und kündigte strafrechtliche Konsequenzen für Plünderungen und Zerstörungen an. Zugleich stellte Macron rasche Hilfen für betroffene Händler und Handwerker in Aussicht. Premierminister Sébastien Lecornu soll am Montag eine Krisenzelle zur Koordinierung der Unterstützung leiten.
Die Regierung unterscheidet ausdrücklich zwischen den sozialen Forderungen der überwiegend friedlichen Demonstrierenden und den Straftaten gewaltbereiter Gruppen. Politisch belastet sie jedoch, dass die Ausschreitungen Zweifel an der Vorbereitung der Sicherheitsbehörden geweckt haben. Die angekündigte Untersuchung soll deshalb auch klären, ob Warnungen, Personal und Einsatzmittel dem bekannten Risiko angemessen waren.
Quellen
- Franceinfo
- LCP – Assemblée nationale
- Le Monde
- Associated Press
- Französisches Innenministerium
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).