Jerusalem – 08.09.2026: Eine Recherche über die Tage vor dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 setzt Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu unter Druck. Die Zeitung Haaretz berichtet, der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed Al Nahyan, habe Netanjahu wenige Tage vor dem Überfall persönlich vor einer großen Operation der Hamas gewarnt. Netanjahus Büro bestreitet sowohl das Gespräch als auch die Warnung.
Nach Darstellung der Zeitung ging der Hinweis auf Informationen über Hamas-Chef Yahya Sinwar zurück. Mohammed bin Zayed habe dem israelischen Regierungschef mitgeteilt, dass ein Angriff schwere Gewalt auslösen, die Region destabilisieren und die Abraham-Abkommen gefährden könne. Haaretz beruft sich auf Recherchen für ein neues Buch über die Vorgeschichte des 7. Oktober. Eine unabhängige Bestätigung der geschilderten Kontakte liegt bislang nicht vor.
Der Bericht nennt eine weitere angebliche Warnung. Auch der damalige ägyptische Geheimdienstchef Abbas Kamel soll Netanjahu auf ungewöhnliche Vorbereitungen der Hamas hingewiesen haben. Es sei von einer bevorstehenden, besonders schweren Operation die Rede gewesen. Netanjahu habe laut Haaretz erwidert, Israel habe die Lage im Gazastreifen unter Kontrolle und konzentriere seine militärische Aufmerksamkeit vor allem auf das Westjordanland.
Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass diese Hinweise in späteren Sicherheitsbesprechungen nicht weitergegeben worden seien. Der frühere Leiter des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, Ronen Bar, und der ehemalige Generalstabschef Herzi Halevi erklärten dem Bericht zufolge, sie seien über die angeblichen Warnungen nicht unterrichtet worden. Ein hochrangiger Sicherheitsvertreter wird mit der Einschätzung zitiert, die Kenntnis solcher Kontakte hätte womöglich die Bewertung anderer Hinweise verändert.
Das Büro des Ministerpräsidenten weist die Darstellung vollständig zurück. Netanjahu habe im fraglichen Zeitraum nicht mit dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate gesprochen und von ihm keine Warnung erhalten, hieß es in einer Stellungnahme. Das Regierungsbüro bezeichnete den Bericht als politische Manipulation. Aus Abu Dhabi gab es zunächst keine öffentliche Bestätigung des behaupteten Telefonats. Auch eine staatliche Untersuchung der neuen Angaben war am Dienstag nicht angekündigt.
Am 7. Oktober 2023 drangen bewaffnete Hamas-Kämpfer und weitere Angreifer aus dem Gazastreifen nach Israel ein, töteten zahlreiche Menschen und verschleppten weitere als Geiseln. Der Überfall löste den Krieg im Gazastreifen und in Israel eine anhaltende Debatte über das Versagen von Politik, Nachrichtendiensten und Militär aus. Die Recherche berührt nun unmittelbar die Frage, welche Warnungen Netanjahu persönlich kannte. Belegt sind bislang der Bericht von Haaretz und das ausdrückliche Dementi seines Büros.
Quellen
- franceinfo
- Haaretz
- The Jerusalem Post
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).