Politik & Gesellschaft

Bericht sieht Resozialisierung jugendlicher Häftlinge gefährdet

Ein Bericht des Observatoire international des prisons beschreibt erhebliche Defizite in der Haft von Minderjährigen. Unterricht, Freizeitangebote und psychologische Betreuung bleiben demnach häufig hinter den Vorgaben zurück.

Paris – 01.10.2026: Hinter Gefängnismauern sollen jugendliche Häftlinge wieder Halt finden: durch Unterricht, Betreuung und einen Plan für die Zeit nach der Entlassung. Ein neuer Bericht des französischen Observatoire international des prisons zeichnet jedoch ein anderes Bild. Die Organisation sieht die Resozialisierung vieler Minderjähriger durch die Haftbedingungen gefährdet.

Nach Angaben des Observatoire international des prisons befanden sich am 1. Mai 2026 landesweit 780 Jugendliche in Haft. Sie waren auf 41 Jugendabteilungen in Gefängnissen für Erwachsene sowie sechs eigene Jugendstrafanstalten verteilt. Die meisten Betroffenen seien Jungen im Alter von 16 oder 17 Jahren. Viele hätten Armut, familiäre Brüche, Gewalt oder lange Zeiten ohne regelmäßigen Schulbesuch erlebt.

Die Jugendstrafanstalten wurden eingerichtet, um den Freiheitsentzug mit einer engmaschigen pädagogischen Begleitung zu verbinden. Fast zwei Jahrzehnte später präge jedoch vielfach dieselbe Sicherheitslogik wie in gewöhnlichen Gefängnissen den Alltag, kritisiert der Bericht. Die Zuweisung richte sich oft nach verfügbaren Plätzen und Entfernungen, weniger nach dem persönlichen Bedarf oder bestehenden sozialen Bindungen.

Besonders sichtbar wird die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit beim Unterricht. Das Justizministerium sieht für inhaftierte Minderjährige mindestens zwölf Stunden Schulzeit pro Woche vor; Bildung und Ausbildung sollen ihren Tagesablauf prägen. Der Observatoire international des prisons berichtet hingegen von erheblich geringeren individuellen Unterrichtszeiten in einzelnen Einrichtungen. Personalmangel und Beschränkungen der Bewegungsfreiheit innerhalb der Anstalten führten zu weiteren Ausfällen.

Auch Sport, kulturelle Angebote und Gespräche mit Fachkräften kämen vielerorts zu kurz. Manche Jugendliche verbrächten täglich 20 bis 22 Stunden in ihren Zellen. Das könne psychische Belastungen verschärfen, warnt die Organisation. Vor allem bei Suchtproblemen, Selbstverletzungen oder anderen psychischen Erkrankungen stoße die Versorgung häufig an Grenzen, weil Fachpersonal und spezialisierte Angebote fehlten.

Die französische Jugendgerichtshilfe hat den gesetzlichen Auftrag, junge Menschen unter Justizaufsicht zu begleiten, ihre soziale und berufliche Eingliederung zu fördern und Rückfälle zu verhindern. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Betreuung Minderjähriger in Haft. Der Bericht bestreitet diesen Auftrag nicht, beschreibt aber eine erhebliche Lücke zwischen den vorgesehenen Hilfen und ihrer Umsetzung im Gefängnisalltag.

Die Kritik trifft damit den Kern eines Systems, das Freiheitsentzug bei Minderjährigen als Ausnahme und pädagogische Arbeit als Leitprinzip versteht. Fallen Unterricht, medizinische Hilfe oder Kontakte zur Familie aus, verliert die Haft aus Sicht der Organisation ihren erzieherischen Anspruch. Der Observatoire international des prisons verlangt deshalb, Jugendliche nur in unvermeidbaren Fällen einzusperren und ihre schulische, soziale sowie medizinische Betreuung verbindlich zu gewährleisten.

Quellen

  • franceinfo
  • Observatoire international des prisons
  • Französisches Justizministerium
  • École nationale de protection judiciaire de la jeunesse

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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