Politik & Gesellschaft

Bétharram-Betroffener appelliert an Papst Leo XIV: “Wenn Sie sich schämen, sagen Sie es”

Ein Betroffener des Missbrauchsskandals an Notre-Dame de Bétharram fordert von Papst Leo XIV ein klares öffentliches Wort. Der Opferverband hofft weiterhin auf eine persönliche Begegnung mit dem Kirchenoberhaupt.

Lestelle-Bétharram – 08.08.2026: Mit einem eindringlichen Appell an Papst Leo XIV haben Betroffene des Missbrauchsskandals an der katholischen Schule Notre-Dame de Bétharram erneut ein deutliches Wort des Kirchenoberhaupts gefordert. Pascal Gélie, Mitglied des größten Opferkollektivs, rief den Papst nach Angaben von Franceinfo dazu auf, seine Haltung zu den bekannt gewordenen sexuellen Übergriffen innerhalb der Kirche öffentlich auszusprechen.

Gélies Worte richten sich an einen Mann, dessen Stimme für viele ehemalige Schüler mehr bedeuten könnte als eine formelle Antwort aus Rom. Wenn der Papst Scham empfinde und wirklich empört sei, müsse er dies sagen, verlangte Gélie. Eine persönliche Begegnung wäre für die früheren Mitschüler von großer Bedeutung, erklärte er. Das Kollektiv hatte Ende Mai offiziell um eine Audienz gebeten.

Notre-Dame de Bétharram liegt in Lestelle-Bétharram im Département Pyrénées-Atlantiques nahe Pau. Ehemalige Schüler berichten von körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt, die sie während ihrer Schulzeit erlebt haben sollen. Die Vorwürfe erstrecken sich über mehrere Jahrzehnte und richten sich sowohl gegen Ordensangehörige als auch gegen weltliche Beschäftigte. Die Betroffenen verlangen Anerkennung, eine umfassende Aufarbeitung und konkrete Unterstützung.

Die von der zuständigen Kongregation beauftragte unabhängige Untersuchungskommission veröffentlichte am 20. Juni 2026 ihren Abschlussbericht. Darin bezeichnet sie die Gewalt an der Einrichtung als systemisch und außergewöhnlich lang anhaltend. Empfohlen werden finanzielle Entschädigungen für sämtliche Betroffenen sowie Vorkehrungen, die eine Wiederholung verhindern und die Erinnerung an das Geschehene bewahren sollen.

Nach Angaben der Kommission hatten bis zum 31. Mai 2026 insgesamt 48 Menschen wegen sexueller Gewalt im Zusammenhang mit Notre-Dame de Bétharram Entschädigungen erhalten. Die von der Kongregation gezahlte Gesamtsumme lag demnach bei mehr als 1,4 Millionen Euro. Diese Regelungen erfassen jedoch nicht automatisch alle geschilderten Formen der Gewalt. Opfervertreter dringen deshalb auf weitergehende Lösungen und verlässliche Verfahren für bislang nicht berücksichtigte Betroffene.

Parallel zur kirchlichen Aufarbeitung befasst sich die Justiz mit zahlreichen Anzeigen ehemaliger Schüler. Die Staatsanwaltschaft Pau nahm 2024 Ermittlungen auf. Im Februar 2026 teilte sie mit, ein zweiter Mann sei wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung angeklagt worden. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung; über die strafrechtliche Verantwortung entscheiden die zuständigen Gerichte.

Der Appell an Leo XIV verbindet den Wunsch nach einer Begegnung mit der Forderung nach öffentlicher Anerkennung. Die unabhängige Kommission hat ihre Empfehlungen der Kongregation übergeben. Zugleich laufen die strafrechtlichen Ermittlungen weiter, während 48 Betroffene bereits Entschädigungen wegen sexueller Gewalt erhalten haben.

Quellen

  • Franceinfo
  • Unabhängige Untersuchungskommission Bétharram
  • Le Monde

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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