Politik & Gesellschaft

Bétharram-Betroffener fordert vom Papst die Auflösung des Ordens

Bei einem Treffen mit Papst Leo XIV. am 27. September in Lourdes will ein Betroffener die Auflösung des Ordens von Bétharram verlangen. Das Opferkollektiv wird nicht als Gruppe empfangen.

Lourdes – 06.09.2026: Ein Betroffener der mutmaßlichen Gewalt an der katholischen Einrichtung Notre-Dame de Bétharram will Papst Leo XIV. bei einem persönlichen Gespräch in Lourdes um die Auflösung des zuständigen Ordens bitten. Das berichtete Franceinfo am Sonntag unter Berufung auf den Betroffenen. Die Begegnung ist für den 27. September vorgesehen.

Der Papst reist vom 25. bis 28. September 2026 nach Frankreich. In Lourdes soll er nach Angaben der französischen Bischofskonferenz sieben Menschen empfangen, die sexualisierte Gewalt im Umfeld der katholischen Kirche erlebt haben. Das Gespräch soll unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Die Namen der Teilnehmenden und nähere Einzelheiten zum Ablauf wurden nicht veröffentlicht.

Der Betroffene aus dem Umfeld von Bétharram erhält dem Bericht zufolge einen persönlichen Platz in dieser Runde. Das Opferkollektiv von Bétharram wird dagegen nicht als Delegation empfangen. Die Gruppe hatte sich eine gemeinsame Unterredung erhofft, um die Anliegen zahlreicher ehemaliger Schüler vorzutragen. Die Bischofskonferenz begründete das gewählte Format mit dem Wunsch nach persönlichen Gesprächen. Unter den sieben Gästen könnten dennoch Mitglieder von Opferinitiativen sein.

Notre-Dame de Bétharram befindet sich in Lestelle-Bétharram im Département Pyrénées-Atlantiques, unweit von Lourdes. Ehemalige Schüler haben in den vergangenen Jahren Vorwürfe körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt aus mehreren Jahrzehnten öffentlich gemacht und Anzeigen erstattet. Die Anschuldigungen richten sich gegen frühere Verantwortliche und Beschäftigte. Zu einzelnen Sachverhalten liefen oder laufen strafrechtliche Ermittlungen; eine abschließende juristische Bewertung sämtlicher Vorwürfe liegt daher nicht vor.

Der Orden, der die Einrichtung kirchenrechtlich betreute, steht wegen seiner Verantwortung für die damaligen Strukturen unter erheblichem Druck. Eine unabhängige Untersuchungskommission befasste sich mit den Geschehnissen und veröffentlichte im Juni 2026 ihren Bericht. Darin beschreibt sie Versäumnisse beim Schutz von Kindern, bei der Kontrolle der Einrichtung und beim Umgang mit Hinweisen auf Gewalt. Zudem empfahl sie Maßnahmen zur Anerkennung und Entschädigung der Betroffenen sowie zur Prävention weiterer Übergriffe.

Die verlangte Auflösung des Ordens geht über diese Empfehlungen hinaus. Über die Aufhebung einer international tätigen katholischen Ordensgemeinschaft entscheidet kein einzelnes Gespräch, sondern ein kirchenrechtliches Verfahren in Rom. Der Betroffene will seine Forderung dennoch unmittelbar an die Spitze der Kirche richten.

Am 27. September stehen in Lourdes außerdem ein Treffen des Papstes mit den französischen Bischöfen und eine Messe im Heiligtum auf dem Programm. Die vertrauliche Begegnung mit den sieben Betroffenen ist als eigener Termin angekündigt.

Quellen

  • Franceinfo
  • Vatikan
  • Vatican News
  • Le Monde mit AFP
  • Unabhängige Untersuchungskommission Bétharram

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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