Ithaca – 13.10.2026: Die Cornell University im US-Bundesstaat New York lässt ihren Umgang mit Vorwürfen eines schweren Sexualdelikts unabhängig untersuchen. Der Verwaltungsrat beauftragte am 6. Oktober die frühere stellvertretende US-Justizministerin Sally Yates mit einer umfassenden Prüfung. Anlass sind die Anschuldigungen einer ehemaligen Studentin gegen sieben Mitglieder der Verbindung Chi Phi.
Laut Klageschrift soll sich der mutmaßliche Übergriff am 19. Oktober 2024 in einem Verbindungshaus ereignet haben. Die Klägerin wirft den Männern vor, sie nach dem Konsum von Alkohol und Ketamin sexuell missbraucht zu haben. Die Anschuldigungen sind Gegenstand eines Zivilverfahrens und nicht gerichtlich festgestellt. Die Beschuldigten bestreiten sie nach Medienberichten oder weisen eine Beteiligung zurück.
Cornell erklärte, das Office of Civil Rights und die für studentische Verhaltensregeln zuständige Stelle hätten den Fall nach den universitären Vorschriften sowie nach Titel IX untersucht. Dieses US-Bundesrecht verpflichtet Bildungseinrichtungen, gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung und sexualisierte Gewalt vorzugehen. Unter Verweis auf Datenschutzvorgaben macht die Hochschule keine Angaben zu möglichen Sanktionen gegen einzelne Studenten.
Die von Yates geleitete Untersuchung soll klären, ob Cornell seine Regeln und Verfahren eingehalten und angemessen auf die Vorwürfe reagiert hat. Darüber hinaus sollen die Prävention, die Hilfen für Betroffene und die Abläufe bei Meldungen über sexuelle Belästigung und Gewalt auf dem Campus bewertet werden. Der Verwaltungsrat setzte dafür einen Sonderausschuss ein. Yates amtierte unter Präsident Barack Obama als stellvertretende Justizministerin und leitete das Ministerium zeitweise kommissarisch.
An der Eliteuniversität löste der Umgang mit dem Fall erhebliche Proteste aus. Studierende verlangen mehr Transparenz über Entscheidungen der Hochschulleitung und strengere Regeln für Studentenverbindungen. Der Interfraternity Council, der Dachverband der Männerverbindungen, sagte Anfang Oktober soziale Veranstaltungen seiner Mitgliedsorganisationen ab. Eine vom Universitätspräsidenten verfügte Aussetzung sämtlicher Veranstaltungen aller studentischen Gruppen ist hingegen nicht belegt.
Inzwischen befassen sich auch staatliche Stellen mit den Vorgängen. New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul beauftragte Anfang Oktober Generalstaatsanwältin Letitia James mit einer Prüfung. Diese richtet sich ebenso wie die interne Untersuchung nicht auf eine strafrechtliche Entscheidung über den behaupteten Übergriff, sondern auf den institutionellen Umgang damit.
Zwischen dem mutmaßlichen Geschehen und der aktuellen Reaktion liegen fast zwei Jahre. Die Hochschule bezeichnete die von der Klägerin geschilderten Erfahrungen als zutiefst verstörend. Der von Yates geleitete Prüfprozess soll nun nachvollziehen, welche Schritte Cornell seit 2024 unternahm und ob seine Schutz- und Beschwerdeverfahren den eigenen Regeln und den gesetzlichen Anforderungen entsprachen.
Quellen
- Franceinfo: Bericht über den Fall an der Cornell University
- Cornell University: Informationen zu sexualisierter Gewalt und zum Fall Chi Phi
- Associated Press: Berichte zur Reaktion der Universität
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).