Die neue Variante wurde von der Weltgesundheitsorganisation als "besorgniserregend" eingestuft, insbesondere aufgrund ihrer hohen Anzahl an Mutationen. Derzeit ist es jedoch noch immer schwierig, ihre Ansteckungsfähigkeit oder Virulenz zu beurteilen.
Viele Befürchtungen und sehr wenig Gewissheit. Die neue Omikron-Variante, die Ende November aus Südafrika gemeldet wurde, mobilisiert Virologen und Forscher auf der ganzen Welt, die versuchen, ihre Gefährlichkeit und ihre potenziellen Auswirkungen auf die Covid-19-Pandemie zu verstehen. Ansteckungen mit der Omikron-Variante wurden nach Angaben der WHO inzwischen aus 38 Ländern der Welt gemeldet. In Europa wurde Omikron in 17 Ländern identifiziert, so die neuesten Zahlen, die am Sonntag, dem 5. Dezember, vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten veröffentlicht wurden. Mehrere Länder, darunter Frankreich, haben bereits Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des neuen Virus-Stammes auf ihrem Staatsgebiet einzugrenzen.
Was man über Omikron weiß
Die Variante wurde der WHO "erstmals am 24. November aus Südafrika gemeldet", erklärt die UNO-Behörde. Der erste laborbestätigte Fall in dem Land wurde in einer am 9. November entnommenen Probe identifiziert. Der Vorsitzende des wissenschaftlichen Rates, Jean-François Delfraissy, meinte am Mittwoch, dass der neue Stamm aber wahrscheinlich schon länger als gedacht in Südafrika aktiv war, nämlich möglicherweise bereits seit Anfang Oktober.
In Europa wurde die Omikron-Variante mittlerweile in 17 Ländern festgestellt.
Dänemark meldete einen "besorgniserregenden" Anstieg auf 183 bestätigte Fälle der Omikron-Variante im Land. In Frankreich wurden Infektionen mit der Omikron-Variante bestätigt, wie aus der letzten aktualisierten Bilanz von Santé publique France vom Samstag hervorgeht.
Das Besondere dieser Variante: Sie weist mehr Mutationen auf als die Delta-Variante. Genaue Untersuchungen zeigen, dass die Omicron-Variante etwa 30 Mutationen im "Spike"-Protein aufweist, das der Schlüssel für das Eindringen des Virus in die Zellen des Körper ist. Das allerdings bedeutet nicht automatisch, dass die Omikron-Variante gefährlicher ist, sondern nur, dass sich das Virus weiter an die menschliche Spezies angepasst hat, indem es diese Veränderungen erzeugt hat.
Die Omikron-Variante wird von der WHO "genau" beobachtet und wurde am 26. November als "besorgniserregend" eingestuft, insbesondere aufgrund ihrer hohen Anzahl an Mutationen. Vier weitere Varianten gehören zu der Kategorie "besorgniserregend": Delta, auf die derzeit fast alle Fälle weltweit entfallen, Alpha, Beta und Gamma.
Was noch nicht bekannt ist
Auch wenn die Omikron-Variante eine große Anzahl von Mutationen aufweist, ist es derzeit noch unklar, ob diese Mutationen ihr einen Vorteil in Bezug auf die Ansteckungsfähigkeit verschaffen können oder nicht. Epidemiologische Studien sind im Gange, um herauszufinden, ob der in Südafrika beobachtete Anstieg der positiv getesteten Personen mit der Omikron-Variante zusammenhängt, meldet die WHO auf ihrer Website. Bisher ist die Menge und Qualität der gesammelten Daten aber noch nicht ausreichend.
Ob die Omikron-Variante die Delta-Variante verdrängen kann oder nicht, hängt vor allem von ihrer Ansteckungsfähigkeit ab. Im großen Wettbewerb zwischen den Varianten hat Delta derzeit weltweit eine vorherrschende Stellung inne. Andere in den letzten Monaten aufgetauchte Varianten wie Mu oder Lambda haben es nicht geschafft, der Delta-Variante den ersten Platz streitig zu machen. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten schätzte am Donnerstag, dass Omikron in Europa innerhalb der nächsten Monate die Mehrheit stellen könnte. Auch diese Prognose beruht auf sehr vorläufigen Daten, die sich noch ändern können.
Eine der großen Unbekannten bleibt die Gefährlichkeit von Omikron, d. h. seine Fähigkeit, schwerere Formen der Erkrankung an Covid-19 zu erzeugen oder nicht. Da Omikron erst seit relativ kurzer Zeit aktiv ist, haben die Gesundheitsexperten nicht genügend Zeit, die Schwere der Erkrankungen schlüssig zu bestimmen. Die ersten Fälle in Südafrika wurden bei überwiegend jungen Menschen beobachtet, die weniger wahrscheinlich schwere Formen entwickeln, so die WHO.
Die WHO bestätigt, dass vorläufige Daten zwar "auf einen Anstieg der Hospitalisierungen in Südafrika hindeuten, der jedoch eher mit einem Anstieg der Gesamtzahl der infizierten Personen als mit einer spezifischen Omikron-Infektion zusammenhängen könnte". Bisher wurden der WHO noch keine Todesfälle im Zusammenhang mit Omicron gemeldet. Sogar Anthony Fauci, Berater des US-Präsidenten für Gesundheitskrisen, sagte am Sonntag, dass "die Signale bezüglich des Schweregrads ein wenig ermutigend" seien, auch wenn es noch zu früh sei, um Schlussfolgerungen zu ziehen.
Ob Omikron gegen die derzeit verwendeten Impfstoffe resistenter ist, ist bisher auch noch nicht klar. Erste Anhaltspunkte kann man ab Ende nächster Woche erwarten. Weltweit untersuchen etwa zehn Wissenschaftler-Teams im Labor, ob Blutserum von doppelt, dreifach geimpften oder genesenen Personen in der Lage ist, die neue Variante zu neutralisieren". Es wird auf Fälle aber noch mehrere Wochen dauern, bis genügend Daten aus dem realen Leben gesammelt werden können.
Die Hersteller BioNTech/Pfizer, Johnson & Johnson und Moderna haben mit der Arbeit an angepassten Versionen ihrer Impfstoffe, die speziell auf Omicron abzielen, bereits begonnen.
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